216 historische Ansichten und 44 Vergrößerungen, weitere Vergrößerungen ausgesuchter Motive folgen
Belgard an der Persante in alten Ansichten 1885-1945
und in Erinnerungen von Fritz Schulze und Eleonore Gürge geb. Maaß
Teil 1  -  Vom Hohen Tor zum Marktplatz
Belgard an der Persante
Belgard war eine aufwärtsstrebende Stadt, durch Bürgermeister Mückes Tat,
Zeuge der Vorzeit war das Hohe Tor, der Strillengang war dicht davor,
ne Hexentreppe gab es auch, Eisenbahnzüge spendeten Rauch,
ein Kitzelpark, ne Liebesinsel, beides diente dem Liebesgewinnsel,
ein Ziegenplatz, ein Poetensteig, im Stadtholz war ein Karpfenteich,
in Belgard konnte man gut leben, sogar einen Bullenberg hat's gegeben,
Belgard die Stadt mit Temperament, und "Robert dem Kühnen", den jeder gekannt,
Mannweib "Laura" gab es auch, viel schöne Verehrer mit einem Bauch,
sogar ein Fürst vom Redliner Komet, ob seine Residenz wohl heute noch steht?
im Bildungswesen gab es kein Halt, für "hohe Töchter" eine Lehranstalt,
ein "Altes Amt", ein Pulverschuppen, gehörte den berittenen Truppen,
Belgard war weder arm noch reich, auf hundert Bürger kam ein Scheich,
auch böse Leute gab's o Graus, ich denk' an's Trinkerrettungshaus,
in Belgard gab es Herren und Männer, ein Spruch vom Superus, dem Kenner,
Belgard stand unter besonderem Stern, es wurde über Nacht modern,
elektrisch Kochen, Backen, Plätten, was gab's da alles dann zu glätten,
Gas und Kohle wurden pleite, seitdem gab's nur gescheite Leute,
vieles wäre noch zu sagen, aus Belgards einst so schönen Tagen,
man könnte füllen ein dickes Buch, doch für heut' sei dies genug.

[Aus dem Lande Belgard, Nr. 5, Februar 1970, Seite 5]
Belgard an der Persante
Der Marktplatz von Belgard mit Marienkirche und Neuem Rathaus im Jahre 1931

"Die bauliche Entwicklung der Stadt Belgard an der Persante. Von Maurermeister, Kreishandwerksmeister und Stadtverordneten Walter Hank. Hank wurde 1945 aus Belgard verschleppt, kehrte Jahresende 1945 zu seiner nach Magdeburg vertriebenen Familie zurück und ist dort schwer erkrankt im Jahre 1949 verstorben: 'Bis zur Jahrhundertwende schlief unser Heimatstädtchen in baulicher Hinsicht den Dornröschenschlaf der hinterpommerschen Kleinstädte. Wohl brachte der Bau des Gymnasiums, der Präparandenanstalt, des Gerichtsgebäudes und der Kleist-Retzow-Stiftung einige Anregung und bauliche Erweiterung des gesamten Stadtbildes, doch seitens der Bürgerschaft wurde so gut wie nichts gebaut; nur die durch vielfache Brände entstandenen Baulücken wurden gefüllt. Um die Jahrhundertwende brachte der Neubau der Gasanstalt, der Kasernengebäude und der Kleinbahnen weiteres Wachstum und die Stadt begann sich auszudehnen. Durch die Verlegung des Pommerschen Trinkerrettungshauses "Elisenhof" von Pollnow nach hier entstand an der Körliner Chaussee das "Johanneshaus". Die Pankninerstraße, die zunächst nur aus zwei Häusern und der Wollspinnerei bestand, wurde ausgebaut, die Baulücken der Lindenstraße, deren anliegende Kleingärten mit "Ziegenplatz" schlossen sich. In den Jahren 1902 bis 1904 entstanden die "Selkenburg" an der Luisenstraße und das Offizierskasino auf dem Kasernengelände. Das Jahr 1905 brachte den umfangreichen Neubau des Kreishauses an der Blumen- und Luisenstraße. Sodann setzte rege Bautätigkeit ein. Auf dem inmitten der Stadt gelegenen Postgarten in der Friedrichstraße entstanden zwei große Geschäftshäuser, in der Blumenstraße auf der Mühlenwiese das Café Langjahr und die Niederlage der Kösliner Aktien-Bierbrauerei. Die tiefliegende Amtswiese in der Gartenstraße würde aufgefüllt und bebaut. An dem Rostinerweg hinter der Kaserne entstand die "Utech'sche Kleinsiedlung". Bis 1910 verschwand aus dem Straßenbild der Dienergarten in der Gartenstraße, wo Wohnhäuser erbaut wurden. Die Blumenstraße wächst immer weiter dem Stadtholz zu. Zu dieser Zeit werden die beiden neuen Sägewerke Utech und Dallmann erbaut. Auf der Schidlitz entsteht das Maria-Martha-Haus, veranlaßt durch Superintendent Dr. Klar. Das Jahr 1911 bringt als wichtigsten Markstein in der baulichen Entwicklung Belgards den Bau der Überlandzentrale. Mit Wachstum der Stadt und Bevölkerung werden die zur Verfügung stehenden Schulräume unzureichend, doch zu einem Neubau kann man sich nicht emporschwingen und so erbaut Privathand (Dachdeckermeister Kunst) der Stadt ein Schulhaus in der Gartenstraße, die "Kunstschule" genannt wurde. Im Jahre 1913 beginnt der neugegründete Beamten-Wohnnungsbauverein mit dem Bau seiner dreigeschossigen Familienhäuser in der Pankninertraße. Hand in Hand mit dieser baulichen Entwicklung ging städtischerseits der Straßenaus- und Neubau, die Kanalisierung und Ausbau des Promenadennetzes voran. Bei dem erfreulichen Wachstum der Stadt machte sich das Fehlen eines einheitlichen Bebauungsplanes bemerkbar. Der schon vor Jahren erfolgten Berufung eines Stadtbaumeisters folgte nun die eines Landmessers. Doch der Kriegsausbruch im August 1914 setzte der regen Entwicklung ein jähes Ende. In den folgenden Kriegsjahren ruht die Bautätigkeit, selbst die durch Feuer eingeäscherten Gebäude bleiben als unschöne Schutthaufen liegen. Nach Beendigung des Krieges ist die Flachsfabrik an der Polziner Chaussee errichtet, an der Schidlitz entstanden im Juni 1919 schmucke Ein- und Zweifamilienhäuser und auf dem Sumpfgelände an der Georgenstraße hohe Mehrfamilienhäuser der Überlandzentrale. Am Schwarzen Weg entstanden Neubauten sowohl auch an der Polziner- und Bahnhofstraße, meistenteils von privater Hand errichtet. Im Frühjahr 1923 erhielt die Stadt Belgard ihr neues Stadtoberhaupt und sofort war zu merken, daß ein neuer Wind in die Baulust und Bautätigkeit hineinblies. Belgard wurde die oft beneidete, aufwärtsstrebende Stadt in ganz Pommern.'" [Aus dem Lande Belgard, Nr. 139, April 1981, Seite 10]

Mit Ursula Hank (genannt Uschi), der Tochter von Walter Hank, war ich kurz vor Kriegsende von Januar bis Anfang März 1945 in einer von Stettin nach Belgard ausgelagerten Reparaturwerkstatt für landwirtschaftliche Maschinen der Firma Siemens in der Zimmerstraße dienstverpflichtet.
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Belgard an der Persante
Blick von Westen auf den Marktplatz und die Heerstraße, unten rechts die Kleiststraße

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Belgard an der Persante
Blick aus Richtung Bahnhof nach Osten: rechts die Gründerzeit-Bebauung an
der Friedrichstraße, in der Bildmitte das Kino "Capitol" und die Schloßmühle Bellin,
links die Wiesenstraße und dahinter der Mükepark, im Bildhintergrund der Turm der
Marienkirche und der Poetensteig mit den Bäumen entlang der Leitznitz

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Belgard an der Persante
Blick aus Westen vom Alten Friedhof entlang der Friedrichstraße in Richtung
Stadtzentrum, die Lindenstraße mit dem Amtsgericht vorne links, im Hintergrund
links der Mükepark, der Marktplatz mit der Marienkirche am oberen Bildrand

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Belgard an der Persante
Blick von Südosten auf das Stadtzentrum, links die Kleiststraße bis zur Einmündung
Wilhelmstraße, dort an der Ecke Polziner Straße / An der Binning der Rummelplatz
(wo wohl gerade ein kleiner Zirkus mit Zelt und einigen Wagen gastiert), am oberen
Bildrand der vordere Teil des Stadtholzes und rechts oben die Pankniner Straße

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Belgard an der Persante
Ansicht aus Richtung Westen: in der Bildmitte der Schornstein der Parkettfabrik
"Germania", ganz links der Schornstein der Belgarder Molkereigenossenschaft

"[....] aus Meyers Konversations-Lexicon, 3. Auflage, 2. Band von 1874, Verlag des Bibliographischen Instituts zu Leipzig: Belgard, Kreisstadt an der Persante im preußischen Regierungsbezirk Köslin, Station der Stettin-Kösliner Eisenbahn, von der hier eine Zweigbahn nach Kolberg abgeht, ist Sitz eines Landratsamtes und Kreisgerichts, hat ein Schloß, drei Kirchen, ein Progymnasium, eine Dampfschneidemühle, eine Eisengießerei, ansehnliche Pferdemärkte und (1871) 6303 vorwiegend evangelische Einwohner, darunter 289 Mann Militär. Belgard wird urkundlich zuerst 1159 erwähnt, war nach 1325 Residenz des Herzogs Wratislaw IV von Hinterpommern, hat aber im dreißig- und siebenjährigen Krieg sehr gelitten, daß außer dem Schloß und einer Rolandssäule nichts mehr an ihre ehemalige Bedeutung erinnert." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 80, Mai 1976, Seite 2]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Blick von der Marienstraße auf das Hohe Tor unweit unseres Hauses, links Textilien Louis Jacoby im mittleren Gebäude der ursprünglich aus drei Einzelgebäuden bestehenden Bebauung

Blick durch die Torstraße auf das Hohe Tor in den
dreißiger Jahren: links nun der großzügige Neubau
von Louis Jacoby (später Textilien Erich Dreyer,
der Vater meiner Klassenkameradin Susi)

Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Blick durch die Torstraße auf das Hohe Tor,
links im Eckhaus Torstraße / Mauerstraße
(das Gebäude mit dem Türmchen) hatte zu
meiner Zeit Bäcker Papke sein Geschäft
Blick von der Marienstraße auf das Hohe Tor,
der Torbogen im rechts direkt an das Tor
angebauten Haus ermöglichte Fußgängern
den Durchgang in Richtung Wilhelmstraße
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Ganz links Bäckerei Papke, links direkt neben
dem Hohen Tor das Milchgeschäft Ewald Guse,
rechts im Eckhaus Torstraße / Mauerstraße befand
sich Ende der dreißiger Jahre ein Gemüsegeschäft

Blick durch das Hohe Tor in Richtung Wilhelmstraße. Die Tür rechts führte über eine Treppe in einen großen Raum über dem Torbogen,
in dem bis Anfang der dreißiger Jahre das Heimatmuseum untergebracht war, bevor es in das Alte Rathaus verlegt wurde. Zu meiner Zeit als Jungmädel beim BDM (ab 1935) fanden hier zeitweise die Heimabende statt.

Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Die Torstraße in den dreißiger Jahren:
Im Gebäude rechts vom Hohen Tor befand
sich ein Fahrradladen, wo ich manchmal
Ventile gekauft und während des Krieges,
als mein Vater und unsere Angestellten zur
Wehrmacht eingezogen waren, mein Fahrrad
auch einmal zur Reparatur gegeben habe.
Die Torstraße vor 1914
"Im Gedenken an Eheleute Laser. Zu den gutbürgerlichen Einwohnern unserer Persantestadt gehörten damals Franz Laser und Frau Auguste geb. Spintig. Laser wurde am 30. September 1882 in Neustettin geboren, erlernte im elterlichen Betrieb das Klempnerhandwerk und verbrachte seine Gesellenjahre in Harzburg. In Goslar heiratete er im Jahre 1910 die am 15.1.1884 in Langelsheim geborene Auguste Spintig. Nach seiner 1886 [?] abgelegten Meisterprüfung zog es den eifrigen Jungmeister nach Belgard, wo er sich in der Friedrichstraße einen eigenen Betrieb einrichtete. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges hinderte an der weiteren friedlichen Entwicklung. Franz Laser leistete damals mit Gott für König und Vaterland von 1914 bis 1918 seinen Wehrdienst bei der Kaiserlichen Kriegsmarine. Als einen flotten 'Blauen Jungen' sah man ihn während dieser Zeit auf Heimaturlaub in Belgard. Nach dem Kriege war er von 1918 bis 1924 Betriebsleiter bei der Belgarder Flachsfabrik. Als dann am Hohen Tor ein Neubau mit zwei modernen Läden entstand, wurde Laser wieder selbständiger Geschäftsmann und Inhaber der bekannten Fahrradhandlung mit Werkstätte am Stadttor. Seitdem war er eifriges Mitglied des Marinevereins und des Radfahrer-Clubs Belgard 1893. Franz Laser ist nicht alt geworden. Nach längerer Krankheit verstarb er 57 Jahre alt im Juni 1939. Seine Ehefrau überlebte ihn um 31 Jahre. Diese wurde 1946 aus Belgard ausgewiesen, wohnte bis 1957 in Osterode / Harz, zuletzt bei ihrer Tochter Annelie in Warmsroth bei Bingen. Hier ist Frau Laser am 24. Februar 1970 hochbetagt mit 86 Jahren sanft entschlafen." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 9, Juni 1970, Seite 4]
Belgard an der Persante
Das Hohe Tor in Belgard, so wie ich es aus meiner Kindheit kenne
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Das Hohe Tor von der Marienstraße
aus gesehen (Ende der dreißiger Jahre)
Der Strillengang an der ehemaligen
Stadtmauer unweit unseres Hauses,
wo ich als Kind manchmal spielte,
links die Rückseite der Gebäude an
der Mauerstraße gegenüber unserer
Torausfahrt, im Hintergrund die Haube
des Hohen Tores (Aufnahme vor 1914)
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Die Torstraße von der Wilhelmstraße aus gesehen,
auf der rechten Seite hinter der Einmündung der
Wallstraße das Haus von Patentante Ilse
Schwedersky (Aufnahme vor 1914)
Die Torstraße einige Meter weiter in Richtung Hohes Tor, nach dem Gebäude rechts die Einmündung der Wallstraße, im Haus links Böttchermeister C. Markgraf (Aufnahme vor 1914)
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Die Torstraße von der Ecke Wallstraße aus
gesehen, rechts vorne das Haus meiner
Patentante Ilse Schwedersky
(Aufnahme aus den dreißiger Jahren)
Einige Schritte weiter in
Richtung Hohes Tor
(Aufnahme vor 1914)
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Blick in der Wilhelmstraße in Richtung Leitznitz bzw. Luisenstraße: links jeweils das Eckgebäude an der Einmündung zur Torstraße mit der Fleischerei Otto Ehlert, wo auch meine Mutter einkaufte und ich manchmal in Schüsseln Grieben und süße Blutwurst holte, die es bei uns zu Pellkartoffeln gab; auf der gegenüberlie-genden Seite der Wilhelmstraße war zu meiner Zeit ein Lebensmittelgeschäft (beide Aufnahmen vor 1914)
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
In der Wilhelmstraße: Der Betrachter ist einige Meter in Richtung Kleiststraße zurückgetreten, auf der rechten Straßenseite weit im Hintergrund "Karows Saal" (Aufnahme vor 1914) Die Wilhelmstraße einige Gebäude weiter zurück
in Richtung Kleiststraße, links vor dem Eckgebäude
die Einmündung zur Torstraße (Aufnahme vor 1914)
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Die Wilhelmstraße mit Blick in Richtung Polziner
Straße, acht Gebäude weiter die Einmündung zur
Torstraße. In einem der ersten Häuser auf der
rechten Straßenseite entdeckte ich als Kind in
einem kleinen Gemüseladen einen unserer
Kachelöfen
wieder, der nach dem Einbau einer
Zentralheizung in unserer Wohnung dorthin
verkauft worden war (Aufnahme vor 1914).
In der Wilhelmstraße einige Häuser weiter in Richtung Polziner Straße: links das "Konzerthaus Paul Maass", später "Karow" oder "Karows Saal" (Aufnahme um 1900). Hier fanden die großen Feiern der lokalen Vereine, Bälle, Jubiläen und gelegentlichen Theateraufführungen statt, auch die Tanzstunden für uns Jugendliche wurden hier im Krieg von einem Tanzlehrer erteilt, der aus Kolberg mit der Bahn anreiste.
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
In der Wilhelmstraße mit Blick in Richtung Polziner Straße, links "Karows Saal" (Aufnahme vor 1914) Das Hospital an der oberen Wilhelmstraße kurz vor der Brücke über die Leitznitz (im Hintergrund)
"Gedenken an Opa Buchholz. Er war ein gutherziger, biederer Bürger unserer Persantestadt, dessen einjähriger Todestag der 7. Mai ist. Hochbetagt, 84 Jahre alt, fand der Sattlermeister Rudolf Buchholz neben seiner am 3.5.1954 in Gestorf beerdigten Ehegattin seine letzte Ruhe. 1904 begann er seine berufliche Tätigkeit bei Sattlermeister Albert Ristow im Hause Schmieder in der Gartenstraße. Nach der im April 1906 in Stettin abgelegten Meisterprüfung und am 15. Mai des gleichen Jahres erfolgten Eheschließung mit Tochter Emma des Hofbesitzer Bonow aus Kordeshagen, übernahm Buchholz dann pachtweise den Ristow'schen Betrieb. Nach dem Brande im Hause Ristow im Jahre 1910 erwarb Rudolf Buchholz das Haus Wilhelmstraße 52 und richtete dort eine Werkstätte mit Laden ein. Aus dem ersten Weltkrieg kehrte er als Unteroffizier mit dem EK II zurück. 1933 wurde Buchholz Obermeister der Sattler- und Tapezierer-Innung Belgard und blieb bis zum Jahre 1945 letzter Obermeister dieser Innung. Buchholz gehörte ferner seit 1936 dem Stadtparlament an, war Mitbegründer des Artillerievereins und ein beliebter Schützenbruder. Im Sommer 1947 erfolgte die Ausweisung aus dem ihm liebgewesenen Belgard nach Schwerin / Mecklenburg zu seiner Tochter Ilse. Im Jahre 1950 siedelte Buchholz nach Gestorf zu seinem Sohn Gerhard über, wo vier Jahre später seine Lebensgefährtin verstarb. Ein noch ruhiger Lebensabend folgte dem arbeitsreichen Leben dieses Mannes, bis er nach kurzem Krankenlager in die Ewigkeit abberufen wurde." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 8, Mai 1970, Seite 5]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Die Petrikirche an der Wilhelmstraße,
links die Stadtmauer und die Gartenstraße
Nach dem Gottesdienst
Zum Gottesdienst in der Petrikirche anläßlich der Beerdigung meines Großvaters Bernhard Maaß schreibt Fritz Schulze: "Es war bei der damaligen Trauerfeier für den verstorbenen Kaufmann Bernhard Maaß, Marienstraße. Die Petrikirche war fast überfüllt, denn an diesem Nachmittag war viel Landvolk in die Stadt gekommen, um von dem beliebten Kaufmann Abschied zu nehmen. 'Wir singen zu Beginn unserer Trauerfeier', so sagte Superintendent Zitzke, 'Was Gott tut, das ist wohlgetan!' Wie üblich kurzes Orgelvorspiel. Sofort sang ein Bauer laut mit, worauf ihm sein Nachbar mit dem Finger vor dem Mund andeutete, er solle schweigen. Der Einzelsänger war plötzlich still, jedoch fragte laut: 'Wat schal ick?' Darauf der andere: 'Du schalst dat Mul hulle!' Auf diese Zurechtweisung blieb er verstummt. Erst auf dem Friedhof war die markante Stimme wieder zu hören." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 1, Oktober 1969, Seite 3]

"70. erhofft am 8. Dezember 1980. Bäckermeister Walter Ruske in 2000 Hamburg 61, KGV am Häselberg Nr. 72. Als Sohn des Bäckerobermeisters Ernst Ruske aus Belgard erlernte er von 1929 bis 1934 das gleiche Handwerk. Später befuhr er als Bäcker und Koch bei "Christliche Seefahrt" die halbe Welt, die andere Hälfte der Weltkugel lernte er dann per Auto kennen. Im .Jahre 1934 übernahm er das Geschäft seines verstorbenen Vaters und heiratete 1936 Luise geborene Wendt aus Neubuckow, Krs. Belgard. Mit Ausbruch des Krieges wurde die Familie getrennt. Walter Ruske geriet in russische Gefangenschaft und kehrte erst 1949 als 100 Prozent Kriegsversehrter zurück. Die Familie traf sich in Hamburg, baute sich dort im Kleingartenverein "Am Häselberg" eine neue Heimat auf. Seit über 30 Jahren prägt nunmehr dieser Verein seinen Namen als Vorsitzender. Es war klar, daß ein so aktiver Mann auch höheren Orts nicht übersehen werden konnte. Über seine Tätigkeit in der Schrebergartenbewegung hinaus engagierte sich Walter Ruske seit 1950 im Reichshund Großborstel, wo er seine Pflicht nacheinander als Revisor, 1. Vorsitzender und Kassierer erfüllte, sich um die Sonderfürsorgeberechtigten kümmerte und sich für die älteren Mitbürger in der Altenhilfe Hamburg-Nord einsetzte. Daß Walter Ruske alle diese Aufgaben neben seinem Beruf als kaufmännischer Angestellter, den er nach einer Umschulung ausübte, noch leisten konnte, zeugt von einer Vitalität, die der ehemalige pommerscher Meister im Turnen sicherlich dieser sportlichen Vergangenheit verdankt. (Ja, ja, die Belgarder haben es in sich!)" [Aus dem Lande Belgard, Nr. 134, November 1980, Seite 5]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Die katholische Kapelle in der Wilhelmstraße,
ehemals Remise eines Schmiedemeisters
Das Innere der katholischen Kapelle
(Andachtsraum von 1915 bis 1921)
Belgard an der Persante Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Blick auf das Hohe Tor aus
Richtung Wilhelmstraße, im
ersten Haus rechts vor dem
Tor das Schuhgeschäft
von Schuhmacher Teske
(Aufnahme 20er Jahre)

Das Hohe Tor in Richtung Wilhelmstraße

Das Hohe Tor von der
Marienstraße aus gesehen,
links neben dem Tor das
Milchgeschäft Ewald Guse
(Aufn. Ende der 30er Jahre)

Zum Hohen Tor in Belgard: "In den mir übersandten Briefen gedachte man wehmütig des Stadtteils um das alte Wahrzeichen und es bewahrheitete sich der Sinnspruch: 'Eher schätzet man das Gute nicht, als bis man es verlor!' - Eine Leserin schreibt: 'Könnte unser Stadttor erzählen von all dem Geschehen seit seiner Entstehung bis heute, es gäbe darüber ein Buch wohl annähernd der Bibel, so inhaltsreich und stark.' - Rundbrief-Leser Walter Teske, 3436 Hessisch Lichtenau 2, Hollenbachstraße 13: 'Familie Bürstenmacher Paul Hinz war Mieter im Hause Mauerstraße neben dem Stadttor. Es gehörte seit 1900 meinem Vater, dem Schuhmachermeister Fritz Teske. Ich als sein Sohn habe es am 1. Januar 1935 mit Torstraße 15 übernommen.' Interessant auch eine Mitteilung von Rundbrief-Leser Erwin Ehlert, 7073 Lorch / Württemberg, Gmünderstraße 27: 'Unmittelbar hinter dem Hohen Tor lag Haus Torstraße 15, in dem ursprünglich eine Sattelkammer des in Belgard stationierten Militärs war. Dies Haus ließ mein Großvater abreißen und durch einen Neubau ersetzen, in dem sich Schuhhaus F. Teske etablierte. Die Häuser Mauerstraße 2 und Torstraße 15 waren früher im ersten Stock miteinander verbunden und hatten einen gemeinsamen Hof. Ab 1920 war nach Mieter P. Hinz im Laden Mauerstraße 2 bis 1945 Kolonialwarenhändler Ewald Guse'." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 76, Januar 1976, Seite 4] "Gedenkminute. Zum 30jährigen Todestag am 17. Dezember 1975 an Kaufmann Otto Potschka, der auf der damaligen Flucht von Belgard in Löcknitz (DDR) im Alter von 61 Jahren verstarb und dort beerdigt wurde. [....] der von 1909 bis 1919 in der Marienstraße 2 eine Druckerei im Besitz hatte und später von 1924 bis 1938 in seinem Hause Torstraße 4 ein Farben-, Tapeten- und Sportartikelgeschäft innehatte. Die mit Stolz getragene Sängerschleife der Liedertafel 1852 bekundet, daß Otto Potschka außer einem ruhigen Petrijünger auch ein begeisterter Sangesbruder war." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 75, Dezember 1975, Seite 8] "Teilansicht der Torstraße in Belgard mit dem zur Hälfte zu sehenden Stadttor, Haus Bürstenmacherei P. Hinz, Eingang zur Mauerstraße, die um den inneren Stadtkern führte, Haus der Bäckerei Paul Papke und das angrenzende Haus mit Textilgeschäft von Louis Jacoby, vielfach 'Mäuschen' genannt." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 75, Dezember 1975, Seite 8]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Blick von der Marienstraße auf das Hohe Tor
(Aufnahme vor 1914)
Belgard / Persante
Hohes Tor mit Heimatmuseum
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Die Pfarrhäuser in der Karlstraße:
1. Superintendent Zitzke, 2. Pfarrer Wendt,
die Bewohner des letzten Pfarrhauses
sind mir nicht bekannt
Das Hohe Tor von der Marienstraße aus gesehen
(Aufnahme aus den zwanziger Jahren)
"Belgard hatte damals zwei Drechslerbetriebe: Manske und Klemp in der Karlstraße. Dieser Handwerkerberuf scheint heute fast ausgestorben. Hiermit bringe ich nun Franz Manske in Erinnerung, der am 21. Januar 1950 in Mahlow bei Berlin gestorben ist. Er wurde am 20.5.1870 in Silesen geboren und war mit Bertha geb. Nemitz verheiratet, die am 20. Dezember 1956 in Düren verstarb. Manske, ein gemütlicher, nationalgesinnter Mann, war in Belgard durch seine vielen Ehrenämter eine geschätzte Persönlichkeit. Dadurch, daß er der Handwerkskammer, dem Stadtparlament und dem Gemeindekirchenrat angehörte, Bezirks-Schiedsmann und im Vorstand der Schützengilde, Kriegerkameradschaft und Freiwilligen Sanitätskolonne war, hatte sein Name einen Belgarder Klang. Oft weilte ich in seiner Kunstwerkstätte und sah der Anfertigung von Bett-, Sofa- und Kommodefüßen, Spinnrädern, Fahnenspitzen, kugelartigen Verzierungen für Wanduhren, Pfeiffenköppen und sonst üblichen Holzschnörkeleien zu. Für Sommerfeste der Schulen und Vereine fertigte Manske die großen Holztauben mit zerlegbaren Gliedteilen an, die auf hohen Stangen befestigt, dann mit kleinen Keulen von den Kindern abgeworfen wurden." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 17, Februar 1971, Seite 6]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Blick vom Eingang des Maaßschen Geschäft durch die Marienstraße Richtung Marienkirche: ganz links im Eckgebäude zur Heerstraße Friseur Runge (er kam zu uns ins Haus und schnitt meinem Urgroßvater Karl Fraedrich Haare und Bart), Else Müllers Haus, Drogist Troike und ein Tabakwaren-geschäft, rechts das Eckhaus zur Torstraße Textilwaren Jacoby (später Textilien Erich Dreyer, Vater meiner Klassenkameradin Susi), am Ende der Straße das Pfarrhaus von Superintendent Zitzke

Blick vom Eingang zu Kolonialwaren Bernhard Maaß durch die Heerstraße auf das Alte Rathaus am Markt: Zu meiner Zeit befand sich im Eckhaus Heerstraße / Marienstraße vorne links das Geschäft Haushaltswaren Erwin Steinbach, daneben Bäcker Sellnow, rechts im Eckhaus zur Marienstraße Friseur Runge (Eingang nicht mehr im Bild), im Gebäude nach der Einmündung der Speicherstraße Fleischer Pieper (das Geschäft mit der Markise)

"'Meine Jugend gehörte dem liebenswerten Belgard', das schreibt Rundbriefleser Karl Beihl aus 24 Lübeck, Wakenitzstraße 2. Im Jahre 1894 in Bad Polzin geboren, besuchte er ab 1903 das Belgarder Gymnasium und hatte 1914 seine Lehre bei Kaufmann Bernhard Maaß beendet. Seine Eltern bewohnten damals das letzte Haus in der Pankninerstraße 6 und verkauften es im Jahre 1911 an Lehrer Zuther. Auf dem Wege nach Groß Panknin stand früher eine Wollspinnerei; sonst gab es hier nur Felder und Wiesen. Unvergeßlich sind Karl Beihl die schönen Tanzstunden in Falks Gesellschaftshaus und die Wanderungen nach Siedkow, Boissin und Redlin. Wohl hatte er begriffen, daß zur damaligen Zeit Lehrjahre keine Herrenjahre waren; denn bis um 1910 waren die Geschäfte meistens bis 9 Uhr abends geöffnet. Aber der Sonntag gehörte dann der Jugend. Die langen Arbeitstage der Woche waren vergessen, wenn nach erholsamen Spaziergängen in der herrlichen Umgebung unserer Persantestadt abends noch etwas getanzt wurde. Nach Teilnahme am Weltkrieg 1914/18 beim Füsilier-Regiment 34 fand unser Landsmann Karl Beihl ab 1919 seine Lebensaufgabe im Ostseebad Kolberg." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 22, Juli 1971, Seite 8]
Belgard an der Persante
Der Marktplatz mit Marienkirche, Neuem Rathaus und Gefallenendenkmal, so wie ich
ihn aus meiner Kindheit in Erinnerung habe (Aufnahme von Anfang der dreißiger Jahre)
Belgard an der Persante
Marienkirche und Neues Rathaus
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Wappen der Stadt Belgard an der Persante Magistrat der Stadt Belgard
(Siegelmarke der Stadtverwaltung)
Belgard an der Persante
"Zum Titelbild auf Seite 1: Es zeigt die letzte Parade der Belgarder Garnison: 1. Pomm. Feld.-Artl.Rgt. Nr. 2 zum Geburtstag Kaiser Wilhelm II am 27. Januar 1914 auf dem Marktplatz. Die nur einmalige Aufnahme wurde vergrößert im Randloff-Rahmen dem Heimatkreisarchiv Celle einverleibt." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 136, Januar 1981, Seite 2]

"Nachklänge zum Titelbild in der Januarausgabe Nr. 136. Eigentlich hätte man es sich denken können: Da stimmt doch was nicht, im Januar kein Schnee, dann in Sommerblusen und mit Sonnenschirmen, Männer in Zivil und Uniform ohne Mäntel! Also eine Feier zu Kaisers Geburtstag war es nicht. Aus dem Rundbrief-Leserkreis mit seinen über 1000 eifrigen Lesern kamen nur zwei Zuschriften, in denen die Erläuterung zum Foto bemängelt wurde. So schreibt Pastor i.R. Walter Lenke aus 2070 Ahrensburg, Bünningstedter Straße 18: "Offensichtlich handelte es sich um die Parade im Juni 1913 zum 25jährigen Regierungsjubiläum Kaiser Wilhelm II. Sie sehen, daß die Ausbildung bei den 68er Artilleristen in Belgard auf Selber-Sehen und Beurteilungen Wert legte". Kaufmann Karl Beihl aus 2400 Lübeck, Wakenitzstraße 2, meint: "Es war nicht Kaisers Geburtstag am 27. Januar 1914, sondern ein schöner Spätsommertag mit grünen Bäumen und Menschen in Sommerkleidung, es war die damals übliche Feier des Sedantages 1912. Ich war damals 18 Jahre alt und hatte schon zwei Lehrjahre bei Kaufmann Bernhard Maaß in der Marienstraße hinter mir. Oh, wenn ich an diese beiden ersten Jahre als Kaufmannslehrling denke! Es war bestimmt kein Zuckerschlecken! Ich sah vom Geschäft aus den großen Aufmarsch und richtete meinen Gang zur Reichsbank in der Friedrich-straße so ein, daß ich von der ganzen Feier auf dem Marktplatz auch noch etwas abbekam." So hat der damalige 18jährige Karl Beihl beigetragen, das Rätsel zum Titelbild zu lösen. Schade, daß der Zwölfender und ehemalige Stabstrompeter beim 1. Pommerschen Feld-Artl.Regt. Nr. 2, Ernst Klemz, der seinen Lebensabend in 3340 Wolfenbüttel verbrachte, seit 11. August 1975 verstorben ist, er wäre als Teilnehmer an der Parade auch ein guter Zeuge gewesen." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 137, Februar 1981, Seite 2]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Der Marktplatz und die Marienkirche um die
Jahrhundertwende: im Vordergrund rechts das
1898 eingeweihte Denkmal für Kaiser Wilhelm I.,
im Hintergrund links neben der Kirche Hotel
Deutsches Haus J.S. Prinz und das Markt-
Restaurant Carl Noeske (beide 1917 abgebrannt)
Blick aus Richtung Marienkirche auf das Kaiser
Wilhelm I.-Denkmal: ganz links Apotheke
Maaß (später Münkner), im Hintergrund das
Alte Rathaus mit Uhrturm, vorne rechts
Hotel Remus (Aufnahme vor 1914)
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Kaiser Wilhelm I.-Denkmal mit Altem Rathaus
im Hintergrund, ganz links Hotel Richard Wolter
(bis 1902 Ottows Hotel), rechts daneben Textilien
Ida Stahnke und Apotheke Maaß (später Münkner)
(Aufnahme vor 1914)
Blick über den Marktplatz auf die Ecke Heerstraße /
Poststraße, rechts Hotel Wolter (bis 1902 Ottows
Hotel), daneben Haushalts- und Eisenwaren
Malte Hahn (Aufnahme vor 1914)
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Der Marktplatz und die Marienkirche an einem Markttag vor 1914: links das 1898 eingeweihte Denkmal für Kaiser Wilhelm I., im Hintergrund Hotel Deutsches Haus J.S. Prinz und das Markt-Restaurant Carl Noeske (an dessen Stelle von 1923 bis 1926 das Neue Rathaus gebaut wurde) Der Marktplatz in Belgard mit Marienkirche
und dem Denkmal für Kaiser Wilhelm I.,
davor eine erbeutete Kanone

Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Marienkirche und Denkmal für Kaiser Wilhelm I. Der gleiche Blick aus einer anderen Perspektive
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Blick von der gegenüberliegenden Marktseite auf das Denkmal für Kaiser Wilhelm I., rechts das Alte Rathaus, links Hotel Wolter (Aufnahme vor 1914) Die Nordostseite des Marktplatzes in den dreißiger
Jahren, rechts das 1923/26 erbaute Neue Rathaus
Zum Markt in Belgard und dem Ehepaar Schulze, die als Pensionäre in den dreißiger Jahren bei uns im Haus Marienstraße 15/16 wohnten: "Auf dem Belgarder Wochenmarkt, der mittwochs und sonnabends abgehalten wurde, ging es immer lebhaft zu. [....] vor uns der Obst- und Gemüsestand der Eheleute Schulze, jedoch war Paula die Seele des Geschäfts. Wir Schuljungen stöberten oft zwischen den Marktständen umher, um 'billig' etwas zu ergattern. Als wir bei Gemüsefrau Paula für 20 Pfennig angestoßene Äpfel forderten, meinte diese: 'Ich habe noch keine Zeit zum Anstoßen gehabt, kommt morgen vormittag ins Geschäft in der Friedrichstra- ße 12'." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 72, September 1975, Seite 4]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Blick vom Turm des Alten Rathauses auf Markt und Marienkirche vor 1914, hier noch mit dem Hotel Deutsches Haus und dem Markt-Restaurant, an dessen Stelle nach dem Brand von 1917 das Neue Rathaus (1923-1926) gebaut wurde. Die Marktseite nach der Brandkatastrophe von 1917
"Held des Tages der Brandkatastrophe im August 1917. Es war im dritten Kriegsjahr des Ersten Weltkrieges, genau gesagt am 18. August 1917. Ein Hochsommertag mit fast unerträglicher Hitze. Die Schuljugend erfreute sich der großen Ferien. Alt und jung suchte Abkühlung an der Persante. Manche Kinder hatten ihren eigenen Sport, indem sie barfuß hinter dem großen roten Sprengwagen stolzierten, der an heißen Tagen mehrmals durch die Hauptstraßen der Stadt fuhr. Sonst war es still und die Stadt wie ausgestorben. Jeder suchte Ruhe und Schatten. Dieser stille Nachmittag wurde dann plötzlich durch die bekannt erbärmlichen Tuthörner der Freiwilligen Feuerwehr unterbrochen. Küster Romotzki eilte aus seinem kleinen Haus an der Ritterstraße zur nahen Marienkirche und gemeinsam mit dem inzwischen dort angelangten Kirchendiener Knitschak aus dem Hause Haserich am Markt schlug man im Turm die große, dumpf tönende Feuerglocke an. Schnell wie immer, das muß gesagt werden, sah man unsere Feuerwehrleute zu ihrem Depot in der Marienstraße eilen. Dorthin kamen auch sehr bald die zum Feuerlöschdienst laut Ortsstatut verpflichteten Ackerbürger mit ihren Pferden und schon trabten die ersten mit den Kübelwagen hin zum Leitznitzbach. Der gerade unterwegs gewesene Sprengwagen machte eine Kehrtwendung und im Tempo gings zum Brandherd. In den Hintergebäuden des an der einen Marktseite gelegenen Hotels 'Deutsches Haus', Inhaber Jakob Prinz, war Feuer ausgebrochen, welches sich infolge der sommerlichen Hitze und bei den leichten Fachwerkbauten schnell ausbreitete. Die damals wohl noch mit keiner Brandmauer versehenen Nachbargebäude der Bäckerei, Holz- und Buchhandlung Wahrendorff waren somit in höchster Gefahr. Wie üblich bei jedem Brand, waren auch hier hundertfach mehr Schaulustige als Helfer bei Gefahr. Freilich bot der Marktplatz eine ideale Zuschauertribüne für solche Menschen, der dann in kurzer Zeit für einige Tage immer dicht belagert war. Da brach sich plötzlich ein Mann durch die Menge Bahn und hatte im Nu eine Anzahl Gymnasiasten um sich. Auf ein Kommando stürmte er mit den Jugendlichen in die hinteren, schon stark verqualmten Gebäude, aus dessen Dachluken bereits kleine Feuerzungen emporloderten. Auf dem Boden eines Hofgebäudes lagerten u.a. lose Getreidevorräte, die der Hotelbetrieb für seine eigenen Pferdegespanne und auch für solche von Gästen benötigte. Man muß bedenken, daß es damals noch mehr Kutsch- und Reisewagen gab als Autos. Hastig wurden von den freiwilligen Helfern viele Säcke mit Korn gefüllt und mittels der noch unversehrt gebliebenen Rutschbahnen ins Freie befördert. Tiere konnten zuvor gerettet werden. Dann ging es, soweit wie möglich, an die Bergung der Mehlvorräte, die in Doppelzentner gesackt, in der angrenzenden Bäckerei Holz lagerten. Indes wurde die Lage immer bedrohlicher. Unter der Zuschauermenge stand bangend die Ehefrau des Mannes, der sich nun mit den jungen Menschen in höchster Gefahr befand, denn jede Minute drohte das Dachgebälk einzustürzen. Da kamen auch schon die Gymnasiasten aus ihrer gefährlichen Lage heraus, beladen mit einige den Flammen entrissenen Gegenständen. Schon hatte sich das Feuer auf die vorderen drei Gebäude ausgedehnt. Beißender Qualm erfüllte die Luft im weiten Umkreis des Marktes. Da kam als Letzter, durchnäßt und vom Rauch gekennzeichnet, der hilfsbereite Reinhard Schuster ins Freie. Er galt von diesem Moment an als der Held des Tages. Es war der Tag, an dem er als damaliger Fronturlauber besuchsweise in Belgard weilte. Diesen Urlaubstag hat Reinhard Schuster, der in Herborn (Dillkreis) geboren und dort im Jahre 1933 verstorben ist, in steter Erinnerung behalten. Auch seine Gattin, die eine Tochter des damaligen Gastronomen Hugo Meybem ist, erinnert sich heute noch mit Stolz ihres stets hilfsbereit gewesenen Mannes." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 11, August 1970, Seite 2]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Das Gefallenen-Denkmal von Wilhelm Otto mit
der Inschrift "Herr mach uns frei", im Hintergrund
das Neue Rathaus gerade im Bau (1923-1926)

[Aufnahme von Dr. Friedrich C. Rustemeyer
freundlicherweise zur Verfügung gestellt]
Der Marktplatz nach der Fertigstellung
des Neuen Rathauses
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Neues Rathaus, Marienkirche und Marktplatz mit Gefallenen-Denkmal (Ende der zwanziger Jahre)

Die gleiche Ansicht vor dem Ersten Weltkrieg,
hier noch mit dem Denkmal für Kaiser Wilhelm I.
"Dadurch, daß der Rundbrief jeweils in der Mitte des Monats und nicht zum Monatsersten erscheint, war es mir nicht vergönnt, meine Leser 'in den April zu schicken'. Bekanntlich war dieser Scherz daheim üblich und wurde allgemein, natürlich stets harmlos, sogar von der Presse angewandt, auch heute noch. Entweder hatte damals der 'Seeger' den Goldfisch- und Karpfenteich seines 'Persanteschlößchen' ausgerechnet am 1. April zur Reinigung abgelassen und verschenkte nun in großzügiger Weise seinen Fischbestand, oder viele Einwohner suchten an diesem Tage den Stadtsekretär Gustav Ristow im alten Rathaus auf zum Empfang eines Gutscheines, mit dem sie dann hingehen konnten wo sie wollten, oder die Fahrzeughandlung Franz Laser am Hohen Tor fühlte sich an diesem Monatsersten veranlaßt, an alle Besitzer motorisierter Fahrzeuge unentgeltlich Luft und Wasser zu spenden. Und welch' ein Andrang überall, Sie glauben es kaum! Aber ich erwähnte bereits, in Belgard war immer was los. Übrigens machte auch damals schon der April was er will, genau wie heute. Aber Geduld, liebe Leser, bis zum Wonnemonat Mai ist es nicht mehr weit." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 7, April 1970, Seite 1]
Belgard an der Persante
Der Nordost-Seite des Marktes mit Marienkirche, Neuem Rathaus und Gefallenendenkmal
(Aufnahme aus der zweiten Hälfte der zwanziger Jahre)
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Der Marktplatz Ende der zwanziger Jahre: links ein Zigarrengeschäft, Neues Rathaus (erbaut 1923/26), Haushaltswaren Erwin Steinbach (im Neuen Rathaus, später Ecke Heerstraße / Marienstraße), Marienkirche, Kolonialwaren Manke, Textilien Erich Dreyer, ein Korsettgeschäft Der Marktplatz in der ersten Hälfte der dreißiger Jahre: links die Ratsapotheke, ein Zigarrengeschäft, Neues Rathaus mit Stadtsparkasse, Marienkirche, Kolonialwaren Manke, Textilien Erich Dreyer, ein Korsettgeschäft, Uhrmacher Burzlaff
"Frau Luise Manke gedenkt ihres Elternhauses in Belgard an der Persante Am Markt Nr. 15. Ein Gedenkblatt für unser Heimatkreisarchiv. Kaufmann Albert Manke wurde am 6. August 1879 geboren und ist am 15. Oktober 1949 verstorben. Er war ein nationalgesinnter Bürger unserer Stadt und gehörte mehrere Jahre der Stadtverordnetenversammlung an. Zudem war er Wehrführer der städtischen Freiwilligen Feuerwehr, Mitglied der Schützengilde und Mitbegründer des Artillerievereins, denn er diente einst im 1. Pomm. Feld-Artl. Regt. Nr. 2, welches vor dem Ersten Weltkrieg in Belgard in Garnison lag. Seine Gattin Maria ist am 17. Januar 1886 geboren und am 3. August 1958 verstorben. Die Eheleute lebten nach der Vertreibung am 3. März 1945 in Bremen-Blumenthal, wo sie auch beerdigt wurden. Sohn Herbert wurde am 11. Mai 1911 geboren, besuchte das Belgarder Gymnasium, studierte Jura und ist als Hauptmann am 28. April 1945 bei den Kämpfen um Berlin gefallen. Er war mit Anni Jeske aus der Pankninerstraße in Belgard verheiratet. Tochter Luise Manke, geboren am 3. März 1907, verbringt unverehelicht ihren Lebensabend in 2320 Bremen-Farge, Betonstraße 7." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 133, Oktober 1980, Seite 3]
Belgard an der Persante
Marktplatz mit Neuem Rathaus und Marienkirche in der ersten Hälfte der dreißiger Jahre
"Neun Jahrzehnte vollendete am 4. September 1971 Frau Maria Henning, die ihren Lebensabend in der Familie des Innenarchitekten Erich Henning nebst Gattin Irmgard geb. Pieper in 4048 Grevenbroich am Niederrhein, Schneidweg 32, verbringt. Maria Henning, einst Obermeisterin des Damenschneiderhandwerks, hatte ihr Atelier im Villnow'schen Hause am Markt neben Buchhandlung Theodor Heller. Von ihrem damaligen Temperament, freundlichem Wesen, elastischem Gang und ihrer Arbeitsfreudigkeit hat die betagte Belgarderin nichts eingebüßt. Ich wünsche fernerhin alles Gute." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 24, September 1971, Seite 2]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Marienkirche und Neues Rathaus Mitte der dreißiger Jahre, das Gefallenen-Denkmal ist bereits entfernt. Der Marktplatz von Belgard in der zweiten Hälfte der dreißiger Jahre, die alten Gaslaternen sind nun durch elektrische Beleuchtung ersetzt
(ganz rechts das Villnow'sche Haus)
Belgard an der Persante
Marktplatz mit Marienkirche, Neuem Rathaus und Gefallenendenkmal
"Die historische Stunde am 1. August 1914 in Belgard: Nachdem ein berittener Offizier des damaligen 1. Pomm. Feld-Artl.-Regt. Nr. 2 in Begleitung des Stabstrompeters Ernst Klemz um 5 Uhr nachmittags auf dem Marktplatz den Mobilmachungsbefehl Seiner Majestät des Kaisers verlesen hatte, richtete in den Abendstunden Superintendent Zitzke vom Balkon des Rendants Villnow'schen Hauses am Marktplatz eine eindrucksvolle Ansprache an die Einwohnerschaft von Belgard." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 132, September 1980, Seite 4]

"Rundbrief-Leser Willy Schumacher in 3350 Osterode, Brandenburgstraße Nr. 8a, möchte zwei 'schwere Schnitzer' im Rundbrief Nr. 132 berichtigen: 1.) Die Ansprache an die Einwohnerschaft von Belgard anläßlich des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges wurde nicht von Superintendent Zitzke, sondern von Superintendent Dr. Klar gehalten (sehr richtig, denn Superintendent Zitzke amtierte erst zehn Jahre später, seit 30. November 1924 in der Kreissynode Belgard). 2.) Der Vater von Lucie Hartmann geb. Hackbarth war Klärmeister Max Hackbarth, nicht Musiker Max Hackbarth. Der Einsender meint: Irren ist menschlich, aber eine Richtigstellung ist wohl erlaubt (natürlich und erst recht, wenn es sich um eine Vaterschaft handelt. Es erfreut immer, wenn der Rundbrief so aufmerksam gelesen wird. Im übrigen zahle ich für 50 nachgewiesene Druckfehler oder auch 'schwere Schnitzer' 20 DM. Unserm lieben Rundbrief-Leser Schumacher fehlen also nur noch 48)." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 132, September 1980, Seite 4]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Der Marktplatz Ecke Kirchstraße / Ritterstraße Ende der dreißiger Jahre: links ein Lederwaren- geschäft, die Ratsapotheke, ein Zigarrengeschäft und das Neue Rathaus mit Stadtsparkasse

Der Marktplatz mit Blick auf die Bebauung Ecke Heerstraße / Poststraße (nach 1938): Eckhaus Heerstraße Papierwaren Heller, gegenüber Textilien Günther Drucker (später Textilwaren Ritter), Ecke Poststraße Kolonialwaren Walter Beyer, rechts Haushalts- und Eisenwaren Malte Hahn

"[Seinen] 55. [Geburtstag] feierte am 13. Dezember 1975 Tischlermeister Erich Henning in 4048 Grevenbroich, Schweidweg 32, früher Belgard, Poststraße 5/6. Nach seiner Lehrzeit in Kolberg und Gesellenzeit in Berlin besuchte er die Höhere Fachschule für Möbelbau und Innenarchitektur. Zu seinen Facharbeiten in Belgard sei erwähnt: Foyer im Lichtspielhaus, Tanzpavillon im Cafégarten Langjahr, Inneres der Schwimmbadhalle und Hindenburgschule. Henning gehörte der Meisterprüfungskommission für das Tischlerhandwerk im Regierungsbezirk Köslin an. Nach seiner Militärzeit landete er im Kölner Raum, wo er über 20 Jahre einen Spezialbetrieb leitet. Er beabsichtigt, am 1. Januar 1976 in den Ruhestand zu gehen. Seit 22. Oktober 1935 ist unser Belgarder Junge mit Irmgard geb. Pieper, Tochter des damaligen Fleischermeisters Pieper, überaus glücklich verheiratet." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 75, Dezember 1975, Seite 7]
Belgard an der Persante
Blick von der Ecke Dienerstraße / Heerstraße auf den Marktplatz (Aufnahme von Anfang der dreißiger Jahre)
Trinks-Postkarte - Bernhard Jacob, Papierhandlung, Belgard (Persante)
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Der Markt Ecke Dienerstraße / Heerstraße 1932: links Haushalts- und Eisenwaren Malte Hahn, Hotel (Richard) Wolter (früher Ottows Hotel), Textilien Ida Stahnke, Apotheke Münkner (früher Maaß), im Eckgebäude hinter der Einmündung Dienerstraße das Möbelhaus Adolf Hintze [Dank an Friedrich Schmiel aus Achterwehr für den Hinweis], übernächstes Geschäft Haushalts- und Spielwaren Walter Maaß und ein Lederwarengeschäft, rechts das Alte Rathaus Die Rats-Apotheke von
Bruno Ehrenberg auf der
gegenüberliegenden Marktseite
"Belgarder Adler-Apotheke lebt in Rethen weiter. 50jähriges Berufsjubiläum Pharmazierat Dr. Heinrich Münkner, früher Belgard. Dieses seltene Apothekerjubiläum beging kürzlich Dr. Heinrich Münkner, 3011 Rethen / Leine, Hildesheimerstraße 72, früherer Pächter der Adler-Apotheke am Belgarder Marktplatz. Dr. Münkner wurde am 24.2.1903 in Berlin geboren und 1937 zum Pharmazierat bei der Regierung in Köslin ernannt. Am 1. Oktober des gleichen Jahres übernahm Münkner die seit 1875 privilegierte Gustav Maaßsche Apotheke in Belgard, nachdem der Sohn Carl im Jahre 1937 verstorben war. Unter der Regie des neuen Pächters bekam die schon nahezu veraltete Apotheke ein völlig neues Gesicht. Die 1945 erfolgte Besetzung der Stadt von den Russen machte zuvor die Verlegung der für das Reservelazarett bestimmten Adler-Apotheke, dessen Stabsapotheker der Reserve Dr. Münkner war, nach Osterode im Harz erforderlich. So verlor auch Dr. Heinrich Münkner seine Belgarder Existenz, bis es ihm im Jahre 1950 gemeinsam mit seiner Gattin Marga geb. Schweichel (Vorexaminierte) gelang, die Konzession für eine Apotheke in Rethen / Leine zu erhalten. Im Gedenken an die einst in Belgard geführte Adler-Apotheke wurde sein in Rethen neugeschaffenes Unternehmen auch Adler-Apotheke genannt." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 24, September 1971, Seite 2]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Der Marktplatz Ecke Dienerstraße / Heerstraße in
den dreißiger Jahren, ganz rechts im Alten Rathaus
der Eingang zu Heimatmuseum und Volksbücherei

Exakt dieselbe Aufnahme der Ecke Dienerstraße /
Heerstraße, jedoch die gesamte rechte Seite mit
Marktplatz und Altem Rathaus ausgetauscht und
die Benzinzapfsäule links vorne wegretuschiert
(Photomontage für Hotel Wolter?)

Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Blick auf das Alte Rathaus vor 1914,
links Ottows Hotel (später Hotel Wolter)
 
Belgard an der Persante
Die westliche Marktseite mit Altem Rathaus, am Ende der Heerstraße das Haus
von Drogerie Rasinski. Das ehemalige Rathaus mit seiner steinernen Vortreppe
an der Marktseite ist mir sowohl aus den Kriegsjahren, in denen wir Schülerinnen
mehrmals das dort untergebrachte Heimatmuseum besuchten oder ich für meine
Mutter Bücher aus der städtischen Volksbücherei entlieh, recht vertraut. So wollte
ich mich dann im Jahr 1945 auch einmal vor dem Zugriff russischer Soldaten, die
regelmäßig Deutsche als Arbeitskräfte - etwa für die Pflege des russischen
Friedhofes in der Körliner Straße - wahllos von der Straße aufgriffen und auf dem
Marktplatz sammelten, dort verstecken. Dabei entdeckte mich eine Frau und wollte
mich aus einem Ziegenstall an der Hofseite, in dem ich Unterschlupf gesucht hatte,
rauswerfen. Es gelang mir aber doch, zumindest so lange dort zu bleiben, bis die
von den Russen auf dem Markt zusammengetriebenen deutschen Frauen und
Mädchen zur Arbeit abmarschiert waren.
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Das Alte Rathaus aus einer ungewöhnlichen Perspektive: Blick von der Dienerstraße auf die Heerstraßenseite des Gebäudes mit dem Eingang zum Ratskeller, den ich zu deutscher Zeit nie besucht habe, und in den ich während einer unserer Reisen nach Belgard im Jahre 1992 nur einmal kurz hineingeschaut habe. Der Eingang zum Ratskeller
im Alten Rathaus von der
Heerstraße aus
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Neues Rathaus und Marienkirche im Schnee,
davor der Weihnachtsbaum aus dem Stadtholz
(Aufnahme Ende der dreißiger Jahre)
Weihnachten in Belgard, links noch das
Gefallenendenkmal von Wilhelm Otto
(Aufnahme Anfang der dreißiger Jahre)
"Es war einmal.... 'Alle Jahre wieder' - So sangen wir einst am Heiligabend in der Belgarder St. Marienkirche. An seiner geliebten Barockorgel begleitete Kantor Albrecht Reichelt dieses schöne Weihnachtslied. In allen Schulen wurde es in der Adventszeit immer fleißig geübt. Und in den Abendstunden des 24. Dezember erklang in den stillen, verschneiten Straßen der Persantestadt diese einfache, aber eindrucksvolle lodie, gespielt von der unermüdlichen Stadtkapelle Ernst Klemz. Nicht traurig sein um dies, was einst gewesen, sondern dankbar und glücklich wollen wir sein, es freudvoll erlebt zu haben." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 39, Dezember 1972, Seite 3]

"Liebe Belgarder! Mit diesem Titelbild rufe ich wehmütige Erinnerungen an Heiligabend in Belgard wach. Damals erstrahlte mit Beginn der Dämmerung vor dem Kriegerdenkmal auf dem Marktplatz der größte Tannenbaum aus dem Stadtholz. Stille und eine festliche Stimmung beherrschte dann dieses sonst geschäftige Viereck. Aus der ehrwürdigen St. Marienkirche drangen Orgelklänge, die unser unermüdliche Kantor Reichelt in kurzen Zeitabständen ertönen ließ, bis Glockengeläut die Gemeinde, oft bei tiefem Schnee und grimmiger Kälte, zur Christmette rief. Indes hörte man aus der Ferne Weihnachtslieder, die unsere Stadtkapelle Ernst Klemz in einzelnen Stadtteilen spielte. Oft sah man emsig einen Weihnachtsmann in ein Haus huschen. Überall flackernder Kerzenschein, fröhliche Kinderstimmen und Gesang alter und junger Menschen. Ach seien wir heute dankbar, einst solche stille und heilige Nacht in Frieden und Eintracht erlebt zu haben - Welt ging verloren, Christ ist geboren." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 51, Dezember 1973, Seite 1] "Erinnern Sie sich als immer am 24. Dezember zur mitternächtlichen Stunde vom verschneiten Turm der Belgarder Marienkirche Weihnachtslieder geblasen wurden und in der Frühe des Neujahrstages von der gleichen Stelle der Choral 'Nun laßt uns gehn und treten, mit Singen und mit Beten zum Herrn, der unserm Leben, bis hierher Kraft gegeben', erklang? Es war der Posaunenchor des evangelischen Jünglingsvereins, der sich dieser schönen, zugleich auch mühevollen Aufgabe gestellt hatte. Ach ja, uns wurde viel geboten, wir haben so manches Gute gehabt. Darum wollen wir nicht nur klagen, was alles wir verloren, sondern dankbar sein, daß wir viel Gutes erleben durften." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 87, Dezember 1976, Seite 3]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Hoher Besuch bei Hotel Wolter,
dem ersten Haus am Platze
(Aufnahme vor 1914)
Ottows Hotel am Markt,
seit 1902 Hotel Wolter
(Aufnahme vor 1914)
Hotel Wolter am Markt,
früher Ottows Hotel

"Zum 25. Todestag von Richard Wolter: Ottows Hotel im Glanze der Vergangenheit. Am 26. Januar ist der 25. Todestag von Richard Wolter, der seit 1902 Inhaber von Ottows Hotel am Markt war. Am 10.8.1878 in Reetz bei Arnswalde geboren, heiratete Wolter am 18.6.1902 die am 5.4.1882 geborene Tochter Clara des damaligen Bahnhofwirts H. Meybem. Was Hotel Adlon für Berlin, war Hotel Wolter für Belgard: ein erstklassiges Haus für vornehme und gutbürgerliche Gesellschaft weit über Belgards Grenzen hinaus. Oft und gern weilte ich dort als Vertreter der Presse bei Tagungen und der so vielen 'Hohen' Besucher. Richard Wolter verließ am 3.3.1945 unsere Stadt, kehrte aber bald wieder zurück, da ein Durchkommen nicht mehr möglich war. Inzwischen war das Hotel, eines der ältesten und schönsten Häuser am Markt mit der Front von Apotheker Maaß bis Kaufmann Batt, vollständig niedergebrannt. Auch das Woltersche Gartengrundstück in der Kleiststraße hatte zwei Volltreffer erhalten. Nach vier Monaten Haft mußte Wolter, der in früheren Jahren dem Belgarder Stadtrat angehörte, mit Familie am 25. September 1945 Belgard verlassen. Er landete in Rostock, verstarb am 26. Januar 1946 und fand dort seine letzte Ruhestätte." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 16, Januar 1971, Seite 2]

"Turbulenter Abend in Wolters Hotel: Die kürzlich in Berlin beendete 'Grüne Woche' gibt mir Veranlassung, einiges von den damaligen Belgarder Vorbereitungen für das seit jeher traditionelle Ereignis zu berichten. Gerade für Pommern mit seinen gutsituierten Gütern und bekannten Erzeugnisfirmen in vielen Städten war die 'Grüne Woche' immer 'dasjenige, welches....' Ob nun die Pommersche Saatzuchtgenossenschaft, Belgarder Samendarre Theil oder landwirtschaftlicher Einkaufsverein, alles war mit der Grünen Woche verwandt oder verschwägert. Natürlich gehörten dazu auch die 'Schlachtenbummler', und ihrer, allein schon aus dem Kreise Belgard, waren bestimmt nicht wenig. So hatte die Kreisgruppe des Pommerschen Landbundes alle 'G. W.'-Interessenten zu einer Versammlung in Wolters Hotel am Markt eingeladen. Proben mannigfacher Erzeugnisse wurden gemustert und, soweit diese eß- und trinkbar, ergiebig gekostet. Es würde zuweit führen, die einzelnen Verbrauchsgüter zu benennen, von denen viele schon seit Jahren medaillenmäßig prämiiert waren, sei es Burmeisters Molkereibutter, Gebrüder Bellins Mühlenfabrikate mit 'Kaiser-Auszugs'-Mehl (was nichts mit Wilhelms Abdankung zu tun hatte), oder die vielen mit Neuerungen versehenen landwirtschaftlichen Geräte und sonstigen Produkte aller Art. Das Gebiet Jagd- und Forstwesen übte immer wieder eine Anziehungskraft aus. So war der Büchsenmacher Erich Schröder aus der Blumenstraße stets mit eigenen Konstruktionen dabei. Erwähnenswert auch seine Ratschläge zur Vereinfachung des Jägerlateins, doch meistens waren diese noch komplizierter. Alles in allem: Jeder bot vom Besten das Beste. Meine Umgebung in der sehr lebhaften Versammlung war Karl Ziemer vom Pommerschen Landbund, Gutssekretär Kurt Raddatz aus Groß Tychow und ein Sonderberichterstatter von der 'Pommerschen Tagespost' Stettin. Letztere war bekanntlich das Leib- und Magenblatt der Großgrundbesitzer, Bauernschaft und prominenten Geschäftswelt. Den Kollegen von dieser Zeitung, ein ausgereifter Hase im Pressewesen, hätten wir bald in unser Herz geschlossen, jedoch nur gewisser Absichten wegen. Eilig wollte er sich mit einem vorläufigen Schlagzeilenbericht noch vor Schluß der Versammlung aus dem Staube machen. Unser erster Versuch, daß er den Redaktionsschluß verpassen möge, mißlang. Wie ein Fuchs hatte er sich zum Telefon geschlichen und das vorläufige Ergebnis seiner Mission nach Stettin in Druck gegeben. Nun kam er erleichtert zurück und gab zu verstehen, jetzt könne nichts mehr passieren, es sei denn, er versäume den Frühzug, aber er werde sich rechtzeitig wecken lassen. Dies genügte uns. Nach etlichen Wohlgenüssen von verschiedenen edlen Tropfen redeten wir auf unseren Gast aus Stettin ein, daß man gewisse Bedenken wegen rechtzeitigen Weckens habe, denn hier sei ja alles, einschließlich Dienstpersonal, total besoffen! Zudem lohne es sich nicht, die knapp verbleibenden zwei Stunden ins Bett zu steigen. Diese unnötigen Kosten könne er sich ersparen und diese besser wertbeständig anlegen. Wir empfahlen ihm, dafür ein Nickerchen in der auf dem Hofe stehenden Hotelkutsche zu machen. Hierdurch habe er die Gewähr, dann sicher zum Frühzug zu gelangen. Dies schien dem müden Reporter sofort einleuchtend, und wie ein gehorsamer Junge folgte er unserem 'gutgemeinten' Vorschlag. Als wir uns lange nach Mitternacht trennten, waren Karl Ziemer, Kurt Raddatz und ich dahin einig, am nächsten Tage das Endresultat unseres Streiches zu ermitteln. Ich erfuhr nachmittags bei einer guten Tasse Kaffee vom Chef persönlich, daß der Kutscher einen übernächtigten Tippelbruder im Wagen zu haben glaubte, weil sonst die zum Bahnhof mitfahrenden Gäste des Hauses nach Einnahme ihres Frühstücks vor dem Hoteleingang in den Wagen stiegen. Wie dem auch sei, so hob der Kutscher lobend hervor, habe dieser Herr die Übernachtung und Fahrt zum Bahnhof kavaliermäßig belohnt. Auch dies war einer der gesellschaftlichen Scherze von damals, die man sich gegenseitig ohne Argwohn leisten konnte." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 35, August 1972, Seite 6]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Haushalts- und Eisenwaren
Malte Hahn am Markt

Blick durch die Poststraße in
Richtung Marktplatz (kurz
hinter der Einmündung
Mauerstraße, Aufnahme
aus den dreißiger Jahren)

"70. feiert am 13. Dezember 1980 Tischlermeister Erich Henning in 4048 Grevenbroich, Rheinland, Scheidweg 32. Erich Henning ist der Sohn des Tischlermeisters Wilhelm Henning aus der Poststraße 5/6 in Belgard. Nach Besuch der Höheren Fachschule in Berlin wurde Erich Henning als Spezialist für Innenausbau und für Kunstwerke im Holzbau bekannt. Er gehörte der Meisterprüfungskommission für Segelflugzeugbau in Stettin und für das Tischlerhandwerk in Köslin an.' Von 1939 bis 1945 war er Soldat bei den Luftlandetruppen. Wie sein Vater sang auch er eifrig in der 'Liedertafel' mit. Der Tanzpavillon im Cafégarten Langjahr war sein Machwerk. Zu seiner Lebensgefährtin wählte er die hübsche Irmgard des Fleischermeisters Pieper aus der Heerstraße in Belgard. (Ja, ja, die Belgarder...)" [Aus dem Lande Belgard, Nr. 135, Dezember 1980, Seite 6]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Blick vom Alten Rathaus über den Markt in die Heerstraße, am Ende der Straße das Gebäude Marienstraße 15/16 mit Eingang und Schaufenstern von Kolonialwaren Bernhard Maaß (Aufn. vor 1914)

Blick über den Markt in die Heerstraße, am Ende
der Straße wieder unser Haus Marienstraße 15/16
(Aufnahme Anfang des Jahrhunderts)
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Das Alte Rathaus am Markt
in den dreißiger Jahren
In den zwanziger Jahren: links Hotel Wolter, Berliner Warenhaus, Apotheke Maaß bzw. Münkner, auf der Ecke Heerstraße / Dienerstraße das Möbelhaus Adolf Hintze [Dank an Friedrich Schmiel aus Achterwehr für den Hinweis], gegenüber Altes Rathaus mit Heimatmuseum und Volksbücherei, dann ein Hutgeschäft und ein Blumenladen
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Blick über den Marktplatz in der zweiten Hälfte der dreißiger Jahre: links Haushalts- und Eisenwaren Malte Hahn, Hotel Wolter, Textilien Ida Stahnke und Apotheke Münkner, das Möbelhaus Adolf Hintze [Dank an Friedrich Schmiel aus Achterwehr für den Hinweis], Altes Rathaus (rechts der Eingang zum Neuen Rathaus)

Der gleiche Blick einige Jahre zuvor, das
Gefallenen-Denkmal auf dem Marktplatz steht noch
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Links das Alte Rathaus, ein Hutgeschäft, ein
Blumenladen, Hotel Remus mit Buchhandlung
Weiße (der Marktplatz bereits mit elektrischer
Beleuchtung, Aufnahme Ende der dreißiger Jahre)
Mitte der dreißiger Jahre: Blick vom Eingang des
Neuen Rathauses auf den Marktplatz Ecke
Ritterstraße / Jägerstraße mit Hotel Remus
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Blick von Hotel Remus in Richtung Altes Rathaus,
Hotel Remus hier noch ohne Erweiterungsbau
(Ausschnitt aus einer Ansichtskarte, um 1900)

Hotel Remus Ecke Marktplatz / Ritterstraße
(hier bereits mit Anbau, Aufnahme vor 1914)


Belgard an der Persante
Hotel Remus Anfang der dreißiger Jahre, im Erdgeschoß
links Buchhandlung Weiße, daneben ein Blumenladen
Hotel Remus, Inhaber Hugo Rexilius, Belgard, Markt 1/2, Fernsprecher 1
Verlag Atelier Koehler, Künstlerische Photographie, Begard/Pers.
"Namen mit Belgarder Klang. Im Jahre 1905 zog es Herrn Eduard Dallach aus der Regierungsstadt Köslin zur Persantestadt Belgard. Anziehungspunkt war die Aktien-Bier-Brauerei Noeske & Kittelmann mit dem vorzüglichen Bismarck-Kanzlerbräu. Unter der Regie von Eduard Dallach gewann das in der Kämpenstraße gelegene Unternehmen noch mehr an Bedeutung und Produktion über die Grenzen Belgards hinaus. Jahre später mag der frühere Hotelbesitzer Karl Remus, der aus Zoppot stammte, eine kleine Ahnung von dem bevorstehenden Ausbruch des Ersten Weltkrieges gehabt haben, was wohl zur Aufgabe seines großen Eckhotels am Markt veranlaßte. Kurzentschlossen übernahm Eduard Dallach dieses bekannte Hotel und mit viel Geschick leitete er das angesehene Haus über die Kriegszeit hinweg. Vielen Landsleuten wird dieser Mann mit vornehmen Eigenschaften, stets im eleganten dunkelblauen Anzug gekleidet und mit dem gütigen Gesichtsausdruck, wohl noch gut bekannt sein. Den Hausdiener Doege beurteilte der Chef als äußerst fleißigen Mann, als treue Seele Nr. 1 des Hauses. Zur Stammtischrunde gehörten Kaufmann Hermann Krey, Fleischermeister Otto Gauger, die Rendanten Wendt und Mahnke, Kürschnermeister Matz, Onkel Ihle, Lehrer Böttcher und nicht zu vergessen Wilhelm Schneemann, der immer den Schalk im Nacken hatte. Die damaligen Kriegsfreiwilligen von 1914 hielten stets in Dallachs Hotel ihre Abschiedsfeiern ab, an denen ganze Schulklassen teilnähmen. Jeder nationale Gedenktag wurde hier würdig begangen. Hoch im Kurs standen in diesem Hause die Kaisergeburtstage, wie überhaupt hier preußische Gesinnung vorherrschend war. Nur schwer konnte Eduard Dallach den Umsturz 1918 überwinden und dies war wohl mit der Grund zum Stellungswechsel. Am 1. Juli 1919 folgte Dallach einer Berufung zum städtischen Kurhausdirektor nach Bad Polzin. Als das Kurhaus 1928 in den Besitz eines Arztes überging, trat Dallach in den Ruhestand, dessen er sich nicht allzu lange erfreuen konnte. Der Tod ereilte ihn am 10. Oktober 1936. Seine Gattin folgte zehn Jahre später. Beide Eheleute liegen in Bad Polzin beerdigt. Heute leben noch Tochter Käte und die Söhne Wilhelm, Ernst und Franz Dallach, die alle stolz bekennen: es war damals doch eine köstliche Zeit. Wilhelm ist besonders stolz, am 27. Januar Geburtstag zu haben, vielleicht aus folgendem Grund: Am Vorabend des Kaisergeburtstages gab es früher immer einen imposanten Fackelzug der Belgarder Garnison durch die Stadt. Dallachs wohnten in der Friedrichstraße neben dem Hause des Justizrat Koeppel. Als der Fackelzug von der Kaserne her anrückte, mußte die Musik beim Überschreiten des Bahnüberganges aussetzen. Korpsführer Max Schäbitz, Hausfreund der Familie Dallach, erhob wenige Schritte vor deren Wohnhaus den Taktstock und die Musik setzte zugleich als Begrüßung der am Fenster stehenden Familie Dallach ein. Diese schöne Erinnerung von einst belebt unserm Landsmann Dallach, der heute in 84 Regensburg, Gerickestraße Nr. 12, wohnt, immer wieder aufs neue." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 2, November 1969, Seite 1-2]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Blick von der Ecke Kirchstraße / Ritterstraße auf
Hotel Remus (auch hier noch ohne Anbau):
rechts das Markt-Restaurant Carl Noeske, an des-
sen Stelle von 1923 bis 1926 das Neue Rathaus
errichtet wurde (Aufnahme vor 1914)
Das Neue Rathaus Anfang der dreißiger Jahre
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Der Marktplatz vor 1898 noch ohne Kaiser
Wilhelm I.-Denkmal, Hotel Remus noch ohne
Erweiterung und auch an der Ecke Ritterstraße /
Jägerstraße noch die ursprüngliche Bebauung
Der Marktplatz mit Denkmal für Kaiser Wilhelm I. im Jahre 1905: Hotel Remus noch ohne Erweiterung und noch keine neue Bebauung Ecke Ritterstraße / Jägerstraße mit dem charakteristischen Türmchen (später Kolonialwaren Bannatz)
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Der Marktplatz einige Jahre später, Hotel Remus
noch ohne Erweiterung, jedoch bereits neue
Bebauung Ecke Ritterstraße / Jägerstraße mit
dem charakteristischen Türmchen (später
Kolonialwaren Bannatz, Aufnahme vor 1914)
Die nordöstliche Marktseite mit der Ecke
Ritterstraße / Jägerstraße vor 1914, ganz
rechts Hotel Deutsches Haus J.S. Prinz
"Vielseitige Laufbahn eines Belgarders - Betrübende Nachricht nach über dreißig Jahren vermittelte nun die Tochter nach Lübeck-Siems. Viele Belgarder werden sich des zweiter Sohnes Herbert des Klempnermeisters Morgenstern aus Belgard mit dem großen Geschäftshaus in der Ritterstraße, neben Kaufmann Bannatz, erinnern. Nach seiner Schulzeit begann Herbert Morgenstern eine Lehre bei. Schlossermeister Emil Combes in Belgard, Kleiststraße. Diese unterbrach er vorzeitig und siedelte nach Halle über zu einem dreijährigen Studium als Sportlehrer. Anschließend besuchte er dann die Hochschule in Königsberg, wo er nach drei Jahren Diplom-Ingenieur wurde. Sein nächstes Ziel war Wilhelmshaven, wo er sich in kurzer Zeit als Baurat bei der Kriegsmarinewerft emporgearbeitet hatte. Begeistert folgte er einer Versetzung nach Italien, um sich dort als Spezialarbeiter bei der Ubootwaffe einzuarbeiten. Oft legte er Dienstreisen per Flugzeug nach Berlin und Tobruk zurück. Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges bewarb sich Herbert um einen Posten in Argentinien. Im Jahre 1952 ist er gemeinsam mit seiner damaligen Sekretärin mit einem Auswandererdampfer von Genua nach drüben abgefahren. Seitdem fehlte die schriftliche Verbindung mit seinem Bruder Gerhard, unserm Rundbrief-Leser Morgenstern in Lübeck-Siems. Erst im August 1980 erhielt dieser nun einem Brief von der Tochter seines Bruders, in dem mitgeteilt wird, daß Herbert einen Herzinfarkt gehabt habe mit Folgen einer rechtsseitigen Lähmung und teilweiser Erblindung. So war er am Lesen und Schreiben gehindert und wurde schwermütig. Ein gewiß trauriges Schicksal eines Menschen, der sich aus eigener Willenskraft beachtlich emporgearbeitet hat. Unsere Wünsche für alles Gute fernerhin mögen ihm beweisen, daß Mitmenschen seiner Geburtsstadt Belgard seiner noch in Treue gedenken." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 133, Oktober 1980, Seite 7]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Ende der zwanziger Jahre: links das Alte Rathaus, ein Hutgeschäft, ein Blumenladen, Hotel Remus mit Buchhandlung Weiße und bereits mit Erweiterungsbau, Ecke Ritterstraße / Jägerstraße jetzt Kolonialwaren Bannatz Altes Rathaus mit Kaiser- und Kriegerdenkmal
(Verlag Theodor Heller, Buchhhandlung,
Belgard an der Persante)
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Der Markt in der zweiten Hälfte der dreißiger Jahre: Hotel Remus, Kolonialwaren Bannatz (das Gebäude mit Türmchen, hier beendete unser Lehrling seine Ausbildung, nachdem meine Mutter Bertha Maaß 1940 unser Geschäft kriegsbedingt schließen mußte), Leder- warengeschäft, Zigarrengeschäft, Ratsapotheke

Blick in Richtung Jägerstraße Ende der dreißiger
Jahre: Hotel Remus, Kolonialwaren Bannatz, Leder-
warengeschäft, Zigarrengeschäft, Ratsapotheke
"70. Geburtstag beging am Sonntag nach Pfingsten der Bäckermeister Hugo Pagel, 24 Lübeck, Friedensstraße 48, früher Café Pagel in der Jägerstraße. Trotz seiner 70 Lenze ist Meister Pagel heute noch der Erste in der Backstube, nach geruhsamen Mittagsschläfchen dann meist noch nebenberuflich tätig. So ist er Bauvorsteher der Evangelischen Matthäuskirche und im Vorstand des Seemannsmissionsheimes. Bestes Wohlergehen nun fernerhin, damit das 45jährige Geschäftsjubiläum im nächsten Jahre ganz groß vonstatten gehen kann." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 9, Juni 1970, Seite 3]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Das Alte Rathaus und der Marktplatz
Ecke Heerstraße / Dienerstraße vor 1914,
links Ottows Hotel (ab 1902 Hotel Wolter)
und das Berliner Waarenhaus Carl Hamburger
Das Alte Rathaus und der Marktplatz
Ecke Heerstraße / Dienerstraße
zu Beginn des 19. Jahrhunderts
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Marktplatz mit Altem Rathaus und dem Denkmal für
Kaiser Wilhelm I., im Vordergrund neben der
Gaslaterne eine öffentliche Wasserzapfstelle (Schlegelpumpe)
Marktplatz mit Altem Rathaus und Denkmal für
Kaiser Wilhelm I., die öffentliche Wasserpumpe
wurde bereits entfernt (Aufnahme vor 1914)

Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Das Alte Rathaus und der Marktplatz Ecke Heerstraße / Dienerstraße, links Haushaltswaren Malte Hahn, Ottows Hotel (ab 1902 Hotel Wolter) und Berliner Waarenhaus Carl Hamburger, rechts das Gefallenendenkmal, dahinter das Alte Rathaus (Aufnahme aus den zwanziger Jahren) Blick vom Alten Rathaus über den Markt in die Heerstraße, rechts Apotheke Maaß, Berliner Warenhaus und Ottows Hotel, am Ende der Straße das Gebäude Marienstraße 15/16 mit Eingang und Schaufenstern von Kolonialwaren Bernhard Maaß (Aufnahme vor 1914)
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Blick vom Turm der Marienkirche auf die Ecke am Marktplatz mit den in der zweiten Hälfte der dreißiger Jahre angelegten Blumenbeeten, mit den neuen elektrischen Straßenlaternen und der Telefonzelle: in der Bildmitte die Front des Alten Rathauses, rechts daneben Hotel Remus, im Vordergrund rechts die neugotischen Spitzen des Ziergiebels am neuen Rathaus, links vom Alten Rathaus die Heerstraße mit der Einmündung der Dienerstraße, dem Standort des Belgarder Fischmarktes, wohin ich von meiner Mutter öfter zum Kauf von Flundern geschickt wurde. Rechts von der Einmündung befand sich im Eckgebäude das Möbelhaus Adolf Hintze [Dank an Friedrich Schmiel aus Achterwehr für den Hinweis]. Auch war ich manchmal in der Apotheke Maaß (später Münkner) links von der Einmündung Dienerstraße, einem Gebäude mit Balkon und einem Eisengitter an der Vortreppe, um zum Beispiel Spalttabletten oder Pflaster zu kaufen. Das danebenliegende Textilgeschäft Ida Stahnke habe ich nie betreten, denn dort kaufte meine Mutter nicht. Blick vom Turm der Marienkirche in Richtung Nordwesten, d.h. von der Marktstraße in die Ritterstraße, vorbei an Hotel Remus bis zur Karlstraße. Auf der rechten Seite der Ritterstraße lag das Geschäft von Kürschnermeister Matz, wo meine Mutter ihren Pelzmantel über Sommer zur Aufbewahrung gab und man für die Oberschule die Schülermützen kaufte.
Belgard an der Persante Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Der Marktplatz vor 1917: Das
1898 enthüllte Denkmal für
Kaiser Wilhelm I., im Hinter-
grund links Hotel Deutsches
Haus J.S. Prinz und das Markt-
Restaurant Carl Noeske, wo
von 1923 bis 1926 das
Neue Rathaus gebaut wurde
Vor dem Ersten Weltkrieg Anfang des Jahrhunderts
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Belgard a. d. Pers. Kaiser- und Kriegerdenkmal
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Enthüllung des Kaiser- und Kriegerdenkmals
in Belgard am 14. August 1898
Parade anläßlich der Einweihung des Gefallenen-
Denkmals von Wilhelm Otto auf dem Marktplatz
am 10. August 1924 [Reiter-Regiment 5 mit
Trompeterkorps und Kesselpauker im Vorbeiritt].
Im Hintergrund am Ende der Heerstraße
interessierte Zuschauer an drei Fenstern der
Maaßschen Wohnung im ersten Stock

Belgard an der Persante Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Neues Rathaus, Marienkirche
und Gefallenen-Denkmal
Marienkirche und Neues
Rathaus mit Stadtsparkasse
Das Neue Rathaus von der
Ecke Ritterstraße aus gesehen
"Gedenken an Paul Hesse. Über vier Jahrzehnte hat dieser gebürtige Belgarder seiner Vaterstadt in vorbildlicher Weise treue Dienste geleistet. Am 21. April 1897 begann seine Berufslaufbahn beim Katasteramt Belgard, wo er 1912 Leiter des Büros wurde. Dann zog es ihn zur Stadtsparkasse, wo er alsbald den Posten als Rendant bezog. 1937 konnte Paul Hesse auf ein 40jähriges Dienstjubiläum zurückblicken. Bei der Einwohnerschaft und im Vereinsleben erfreute sich Hesse großer Beliebtheit. Als begeisterter Sänger und Vorstandsmitglied der 'Liedertafel 1852' fehlte er zu fast keiner Veranstaltung. Im Mai 1946 erfolgte die Vertreibung der Familie Hesse aus Belgard, die zunächst in einem Lager bei Lübeck landete. Am 1. September 1950 ist Paul Hesse, 68jährig, in Boppard / Rhein verstorben, wo heute noch Gattin Minna und Tochter Lotte Busch wohnen." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 38, November 1972, Seite 5]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Der Marktplatz mit dem Gefallenen-Denkmal Anfang der dreißiger Jahre: links Hotel Remus mit Buchhandlung Weiße, Kolonialwaren Bannatz (Ecke Ritterstraße / Jägerstraße, das Gebäude mit dem Türmchen), Lederwarengeschäft, ein Zigarrengeschäft, die Ratsapotheke Marienkirche und Neues Rathaus,
links der Eingang zur Stadtsparkasse
(Ende der dreißiger Jahre)
Belgard an der Persante Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Marienkirche und Neues
Rathaus mit Gefallenendenkmal
(Aufnahme vor 1933)
Blick auf die Marienkirche, jetzt
bereits ohne Gefallenendenkmal
(Mitte der dreißiger Jahre)
Neues Rathaus, Marienkirche
und Gefallenen-Denkmal
(Anfang der dreißiger Jahre)
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Das Gefallenen-Denkmal von Wilhelm Otto, 1924 eingeweiht und Anfang der dreißiger Jahre entfernt (Inschrift: "Herr mach uns frei"), im Hintergrund Hotel Remus und Kolonialwarengeschäft Bannatz Das Gefallenen-Denkmal auf dem Markt Anfang der dreißiger Jahre, im Hintergrund links ein Blumengeschäft und rechts Hotel Remus

Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Blick über den Marktplatz auf die Ecke Heerstraße / Dienerstraße, in dem Eckgebäude befand sich das Möbelhaus Adolf Hintze [Dank an Friedrich Schmiel aus Achterwehr für den Hinweis]. Im Vordergrund das Denkmal mit dem knienden Krieger für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges, das bis Anfang der dreißiger Jahre hier seinen Platz hatte, ganz links Hotel Wolter und rechts das Alte Rathaus. Blick von der Ecke Kirchstraße / Ritterstraße über den Markt auf Hotel Remus, rechts Deutsches Haus J.S. Prinz mit Außenbewirtschaftung und - nur noch halb im Bild - das Markt-Restaurant Carl Noeske, beide 1917 abgebrannt, an ihrer Stellen 1923 / 1926 das Neue Rathaus errichtet (Aufnahme um 1900)
Belgard an der Persante Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Gefallenen-Denkmal, Marienkirche
und Neues Rathaus (1930)
Gefallenen-Denkmal
und Marienkirche
Gefallenen-Denkmal und
Altes Rathaus (1930)
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Das Alte Rathaus an der Nordost-Seite
des Marktplatzes
Das Neue Rathaus neben der Marienkirche
(1926 fertiggestellt)
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Das Neue Rathaus an der Ecke
Kirchstraße / Ritterstraße
Blick über den Marktplatz in der zweiten Hälfte der dreißiger Jahre: links Textilien Ida Stahnke und Apotheke Münkner, an der Ecke Dienerstraße das Möbelhaus Adolf Hintze [Dank an Friedrich Schmiel aus Achterwehr für den Hinweis], gegenüber dann das Alte Rathaus (ganz rechts der Eingang zum Neuen Rathaus)
"Erinnerungen an Belgards ältesten Stadtbeamten. Zum einjährigen Todestag des Rendanten Otto Wendt. In seltener Treue und Gewissenhaftigkeit diente unserer Persantestadt Belgard von 1900 bis 1934 der am 8. August 1969 im Alter von 95 Jahren in Bochum verstorbene Stadthauptkassenrendant Otto Wendt. Kurz etwas Personelles: In Lauenburg / Pommern geboren, meldete sich der 17jährige Wendt freiwillig als Soldat, diente in Soltau / Ostpreußen und wollte die Zahlmeisterlaufbahn einschlagen. Beim Bajonettieren erlitt er eine Knieverletzung, die eine Beendigung seiner Militärlaufbahn zur Folge hatte. Er wurde sodann Staatssekretär in Derenburg / Harz und später in Trachenberg / Schlesien. Dort lernte er seine Gattin Clara geborene Sommer kennen. In seiner 34jährigen Amtszeit als Leiter der Stadthauptkasse hatte unsere Stadt fünf Bürgermeister, von denen Bürgermeister Mücke mit der Rendantenfamilie besonders freundschaftliche Beziehungen hegte. Politisch gehörte Wendt der damaligen Deutschen Volkspartei an und war viele Jahre Vorsitzender des Belgarder Kreisverbandes. Rendant Wendt genoß wegen seiner aufrechten Gesinnung großes Ansehen in der Bürgerschaft. Bis zu einem gewissen Grade verstand er den Umschwung des damaligen Zeitgeschehens, hielt es dann aber für richtig, 1934 in Pension zu gehen. Ein vorgesehener Lebensabend im Ostseebad Kolberg war ihm nicht beschieden. Auch das Ehepaar Wendt wurde vom Vertriebenenschicksal hart betroffen und landete in einem Altersheim bei Bochum, wo die Ehegattin im Jahre 1956 verstarb. Einige Zeit später nahm sein Sohn Dr. med. Gerhard Wendt in Bochum seinen greisen Vater in seinem Haushalt auf. Rendant Wendt war mit seiner vornehmen Bescheidenheit und seinem gutbürgerlichen Nationalbewußtsein ein Vorbild für viele. Kurz vor seinem Tode äußerte er: 'In der Geschichte ist alles möglich, wenn nicht mehr die Kinder so werden aber die Enkel erleben, daß der Osten doch wieder deutsch und Pommern wieder den Pommern gehören wird!' Wir Pommern, besonders aber wir Belgarder, können stolz sein auf die Gesinnungstreue solcher Bürger unserer einstigen Heimatstadt." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 10, Juli 1970, Seite 2]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Links von der Marienkirche das
Markt-Restaurant Carl Noeske,
welches mit den Nachbargebäu-
den 1917 abbrannte. An seiner
Stelle wurde 1924/26 das Neue
Rathaus errichtet (Aufn. vor 1914)
Neben der Kirche befand sich
eine Reihe älterer Häuser, in
einem wohnte der Küster
(Aufnahme von Ende der
zwanziger Jahre, links
bereits das Neue Rathaus)
In den dreißiger Jahren war
im ersten dieser älteren
Häuser an der Marienkirche
ein Geschäft, rechts vor dem
Kolonialwarengeschäft Albert
Manke eine Zapfsäule für Benzin
"Zum 85. Geburtstag eines Meisters der Tonkunst, Albrecht Reichelt, dem letzten Kantor von Belgard. In seltener geistiger und körperlicher Frische beging am 15. Mai 1971 der in 6553 Sobernheim, Dammstraße 41 wohnhafte Lehrer und Kantor i.R. Albrecht Reichelt seinen 85. Geburtstag. Es würde den Rahmen des Rundbriefes sprengen, wenn ich über die 85 Jahre dieses begnadeten Menschen erzählen würde. Daher seien kurz die wichtigsten Begebenheiten aus dem so inhaltsreichen Leben erwähnt. Nach dem Orgelstudium an der Kaiser Wilhelm-Gedächtniskirche zu Berlin kam Albrecht Reichelt als bestbegabter Schüler des bekannten Prof. Heitmann zu uns nach Belgard. Hier bot sich ihm ein ungeahntes Arbeitsfeld, welches er mit viel Liebe, Sorgfalt und großer Schaffensfreude zu meistern verstand. War es als Lehrer der vielen Schulklassen, als Organist und Chorleiter der St. Marienkirche, als Dirigent der Liedertafel 1852, als Musikberater der Kirchenkreise Belgard, Schivelbein und Bublitz oder als Leiter des Belgarder Konzertvereins, niemals ist es ihm zu viel geworden, durch diese seine Tätigkeit der Allgemeinheit zu dienen. Sein immer vorbildliches, freundliches Wesen, was ihn heute noch auszeichnet, seine außergewöhnliche Begabung für Musik und Gesang, haben bei jedem, der mit Kantor Reichelt in Verbindung gestanden, die Erkenntnis vermittelt, daß dieser Mensch seinen Beruf als von Gott gegeben erachtete und dem der Dienst an der Orgel eine heilige Sache war. Soli deo gloria! Möge unserm verehrten Albrecht Reichelt, dem letzten Kantor von Belgard, noch ein schöner Lebensabend beschieden sein. Möge er täglich empfinden, daß er seine große Lebensaufgabe treu erfüllt und sich dadurch viel Liebe und Wertschätzung bei ungezählten Mitmenschen, vornehmlich aber auch bei der Jugend, erworben hat." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 20, Mai 1971, Seite 2] "Wie oft wohl hat Kantor Reichelt in unserer so herrlichen Marienkirche seine geliebte, seinem Wunsche gemäß auf 35 Register erweiterte Orgel zum Lobe Gottes und zur Erbauung der Gemeinde ertönen lassen. Bei besonderen Feierlichkeiten zog er außer dem Kirchenchor auch die 'Liedertafel' hinzu. Immer wenn bedeutende Persönlichkeiten Besucher der Belgarder Marienkirche waren, stand auch Kantor Reichelt im Mittelpunkt des Geschehens. So war der Kronprinz Wilhelm bei einer Gedenkfeier an der in der Vorhalle befindlichen Ehrentafel für die Gefallenen des 1. Leibhusaren-Regiments zugegen. Die Kranzniederlegung wurde von einem Orgelpräludium, dem Gesang der 'Liedertafel' und dem von der Orgel intonierten Lied vom guten Kameraden umrahmt. Der hiervon sichtlich beeindruckte Kronprinz ließ anschließend Kantor Reichelt zu sich bitten und bedankte sieh mit Händedruck und herzlichen Worten. Auch der greise Generalfeldmarschall von Mackensen, der des öfteren Gast unserer Marienkirche war, hatte jeweils außer Superintendent Zitzke auch Herrn Kantor Reichelt seinen persönlichen Dank abgestattet. Ich glaube, daß diese Erlebnisse für den jetzt in 6553 Sobernheim, Dammstraße 8 im Ruhestand lebenden Kantor eine wertvolle Erinnerung bedeuten." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 23, August 1971, Seite 2]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Die Marienkirche von der Marienstraße aus gesehen Die Marienkirche von der Karlstraße aus gesehen
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Mittelschiff und Chorraum
Inschrift am Kreuzgewölbe:
"Wir sahen Seine Herrlichkeit"


Im Mittelschiff der Marienkirche hängt noch heute
ein im 17. Jahrhundert gestifteter Kronleuchter,
der die folgende Widmung trägt:
"Gott zu Ehren und dieser Marienkirche in Kolberg hat weiland Herr Matthaeus lieber Herr königlich schwed. auch hochfürstl. Lüneburg-Celler Rath und wolverdienter dreißigjähriger Bürgermeister und Syndicus der Stadt Rostock diese Krone vermacht welche dessen Erben im Jahre Christi unseres Erlösers MDCXCIX den XXXI Dezember anhero bevördert haben Gott erhalte dieses Werck bis an den jüngsten Tag" [Text von Frau Barbara Haverland aus Soest freundlicherweise zur Verfügung gestellt]
"Zum 36. Todestag und 100. Geburtstag der Belgarder Mitbürgerin Martha Batt geb. Horn. Eine im Musikleben Belgards maßgeblich beteiligte Sopranistin war die Gattin des Kaufmanns Emil Batt. Sie ist am 3. August 1871 in Stargard geboren und am 5. Oktober 1935 in Belgard verstorben und dort beerdigt. Ihre gesangliche Ausbildung genoß sie in Stettin. Bei vielen Kirchenkonzerten hat sie mitgewirkt sowohl auch bei Wohltätigkeitsveranstaltungen mit ihrer schönen Stimme zur Freude der Zuhörer beigetragen. In guter Erinnerung ist noch ihre Solopartie im Programm des Pommerschen Musikfestes in Belgard, welches damals Musikdirektor Boelke-Stolp dirigierte. Auch ihre Mitwirkung bei der Aufführung 'Die Glocke' unter Leitung des damaligen Kantors Schaller mit Robert Langjahr (Tenor), Lehrer Otto Kempin (Baß) und Major Schreiber (Bariton) verdient erwähnt zu werden, zumal diese Veranstaltung auf vielseitigen Wunsch tagsdarauf wiederholt werden mußte. Während des Ersten Weltkrieges betreute Frau Martha Batt die Verwundeten im Reserve-Lazarett Butzke-Maaß und wurde in Anerkennung ihrer Verdienste mit der Rotkreuz-Medaille ausgezeichnet. Auch im Vaterländischen Frauenverein wirkte sie aktiv mit. Wir Belgarder können stolz sein, solche Mitbürger gehabt zu haben und werden der Frau Batt ein ehrendes Andenken bewahren." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 25, Oktober 1971, Seite 5]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Der Chor der Marienkirche
(von der Ecke Marienstraße /
Karlstraße aus gesehen)
Blick vom Marktplatz
Ende der zwanziger Jahre
Ansicht von der Marienstraße


Beerdigungen in Belgard: "Friedhofskapellen, wie heute in fast jeder Dorf- oder Vorortsgemeinde, gab es damals nicht. Allerdings in Großstädten wie Stettin, Kolberg und sogar Köslin waren sie im modernsten Stil schon vorhanden. Nur in Belgard mit seinen über hundert Landgemeinden war ein solcher Fortschritt noch nicht akut. So erfolgten die Trauerfeiern immer im Sterbehaus mit Leichenbegängnis durch die Stadt zum Alten Friedhof am Bahnübergang, zum Neuen Friedhof an der Körliner Chaussee oder zum Windmühlenfriedhof an der Polziner Chaussee. Später wurde die nicht mehr zu Gottesdiensten benutzte, viele Jahrhunderte alte St. Petrikirche in der Wilhelmstraße und zusätzlich - für den anderen Stadtteil - die St. Georgkirche für Leichenfeiern freigegeben. Im Laufe eines Nachmittages zogen oft drei Trauerzüge durch die Straßen, die den Verkehr aber keineswegs behinderten, da es noch wenig Autos, vor allem noch nicht die Hast des Alltags gab. Etwas mehr Neugier erregte eine Beerdigung, wenn der Verstorbene eine besondere Persönlichkeit oder Mitglied mehrerer Vereine war. Bei Verstorbenen der Freiwilligen Feuerwehr flankierten Fackelträger beiderseits den Leichenwagen, während die Wehr in ihrer Gala-Uniform dem Zuge voraufging. Sargträger bei Angehörigen der Königlichen Reichsbahn oder der Kaiserlichen Post waren Bedienstete dieser Behörde, ebenfalls in ihren schmucken Extra-Uniformen neben dem Sarg gehend. Wurde ein Landwirt oder dessen Ehefrau zu Grabe geleitet, zogen zusätzlich deren Pferde den Leichenwagen. Kaum war der Trauerzug auf dem Friedhof angelangt und der Sarg in die Gruft gesenkt, hörte man Pastor Friedrich Büttner sagen: 'Laßt mich gehen!' Er meinte damit aber, man möge das bekannte Grablied anstimmen. Dann ertönte die markante Stimme von einer der drei in Belgard zugelassenen Leichenwäscherinnen Vanassa, Abraham oder Holodinski, denn den Angehörigen der Verstorbenen war nicht zum Singen zu Mute und alle übrigen Teilnehmer summten nur mit. Demzufolge wurde dann später der klägliche Gesang auf dem Friedhof eingestellt. Anders bei Beerdigungen von Vereinsmitgliedern. Hier war immer die Kapelle KIemz dabei und spielte abschließend das Lied vom guten Kameraden oder die 'Liedertafel 1852' sang ihren Verstorbenen einen letzten Sängergruß. Den Rückmarsch vom Friedhof benutzte die Kriegskameradschaft häufig, ihren nicht mehr gehfähigen Veteranen mit einem Vorbeimarsch vor dem Wohnhaus zu erfreuen. Solche Ehrung galt einmal dem alten Bahnhofswirt Hugo Meybem, der freudig winkend auf dem Balkon stand. Im Anschluß an eine weitere Beerdigung wurde auf gleiche Weise der im Steffenhagen'schen Haus Kurzer Weg 9 wohnhafte, über 80 Jahre alte Professor Albert Krüger geehrt, der mit Tränen der Rührung seinem Verein dankte. Diese, vom damaligen Vorsitzenden Paul Gauger ausgeklügelte Aufmerksamkeit galt als Dank für bewiesene Treue und Achtung vor dem biblischen Alter. In diesem Zusammenhang erinnere ich mich eines Vorfalles, der auch von Achtung vor der Majestät des Todes zeugte: Aus der Georgenstraße bog in die Friedrichstraße ein offener Kutschwagen, als diesem ein Leichenbegängnis entgegenkam. Auf Anweisung seines Herrn mußte der livrierte Kutscher rechts halten. Als sich der Leichenwagen dem haltenden Gefährt näherte, erhob sich ein älterer Herr entblößten Hauptes in seinem Wagen. Es war der Rittergutsbesitzer und Major a. D. von Braunschweig aus dem benachbarten Standemin." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 14, November 1970 , Seite 3]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Blick in den sechziger Jahren über den Marktplatz auf Marienkirche und Neues Rathaus (links) bzw.
Altes Rathaus (rechts): Nach der Besetzung Belgards durch die Russen am 5. März 1945 brannte die
südwestliche Marktseite vollständig nieder - von der Ecke Poststraße bis zur Ecke Dienerstraße mit den
Gebäuden Kolonialwaren Beyer, Haushalts- und Eisenwaren Malte Hahn, Hotel Richard Wolter, Textilien
Ida Stahnke und Apotheke Maaß (später Münkner) blieb nur noch Schutt und Asche, die große Freifläche
wurde von den Polen später lediglich bepflanzt (siehe oben) und erst Jahrzehnte später wieder bebaut.
"Heute vor 25 Jahren - Belgarder gestalten den Volkstrauertag in Gielde Kreis Goslar - selbstverfaßte Gedenkrede erweckt tiefen Einruck. Unser Belgarder, der am 1. Weihnachtstag 1970 verstorbene Kreisoberinspektor i.R. Paul Scheiwe fand nach seiner Vertreibung 1945 eine neue Heimat zunächst in Gielde, später in Kirchheim / Teck, wo er auch beerdigt wurde. Seit 1949 war er Vorsitzender der Ortsgruppe Gielde des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge [....] Seine letzte Tätigkeit für den Volksbund war die Gestaltung der Gedenkfeier für den Volkstrauertag am 15.11.1955. Im Mittelpunkt des Programms stand folgende selbstverfaßte Ansprache unseres Landsmannes Paul Scheiwe: 'Wir gedenken heute all der Millionen, die das Kriegsgeschick uns entrissen hat, auf den Kriegsschauplätzen, in den Lüften, auf den Meeren, in zerbombten Städten und durch die Vertreibung. So ein Geschehen fordert Einkehr und Besinnung vom ganzen Volk ohne Unterschied des Standes, der Religion und der Partei. Sinn dieses Volkstrauertages ist es, unablässig alle Menschen zu mahnen, einig zu werden im Leid um die Opfer dieser Katastrophe. Einig auch in der Verpflichtung, das Vermächtnis der Toten lebendig zu halten für eine bessere Zukunft und Versöhnung der Völker. Von allen Völkern der Erde hat Deutschland die größte und schwierigste Aufgabe, Gräber der Gefallenen zu ermitteln und zu pflegen. So wurden unzählige Namen der Toten festgestellt und diese den Angehörigen mitgeteilt. Viele Tote wurden aus Behelfsgräbern wie an Straßenränder und Waldflächen für geschlossene Soldatenfriedhöfe umgebettet. So entstanden neue, würdige Ruhestätten, die schon zu Wallfahrtsorten geworden sind und in vorbildlicher Weise von der deutschen Jugend beiderlei Geschlechts gepflegt werden. Auch Euch, liebe Jungen und Mädchen aus Gielde, rufe ich hiermit zur Mitarbeit auf. Nutzt die Ehre und Verpflichtung, diese Ruhestätten einst in Eurer Obhut zu nehmen. Achtet stets darauf, nur Gutes zu tun, alles Böse zu meiden, haltet Herz und Seele rein. In Treue und Glauben opferten über 5 Millionen deutsche Soldaten ihr Blut und Leben, danken wir ihnen dafür zumindest dadurch, daß ihre Gräber der Nachwelt erhalten bleiben. Geloben wir mit dieser Gedenkminute, allzeit und überall Liebe und Frieden walten zu lassen. Dann wird der Volkstrauertag zum Segen und zu einer Brücke der Versöhnung aller Völker auf Erden.'" [Aus dem Lande Belgard, Nr. 135, Dezember 1980, Seite 2]
Belgard an der Persante
Gruss aus Belgard - Ottos Hotel Fr. Kirchberg, Kaiser Wilhelm Denkmal
(Lithographie aus dem Jahre 1899)
mehr als 440 historische Ansichten in 4 Teilen

Alle Bildunterschriften von Eleonore Gürge geb. Maaß

Alle Texte von Fritz Schulze, Redakteur der ehemaligen
Belgarder Zeitung ("Presse-Schulze"), im Heimat-Rundbrief
Aus dem Lande Belgard der Jahre 1969 bis 1982

Aus dem Lande Belgard 1969 bis 1982

"Aus der Rundbrief-Statistik 1980. Im vergangenen Jahr 1980 wurden ca. 8.400 Rundbriefe, meist 10 und 12seitig versandt, dazu wurden ebenso viele Briefumschläge gebraucht, adressiert und frankiert. Zudem kam der lfd. Schriftwechsel mit Telefonaten. Im Vergleich zum Vorjahre mußten Stippvisiten, das sind Hausbesuche und Sprechstunden, eingeschränkt und von der Tagesordnung abgesetzt werden, denn wir müssen Energie sparen! Wenn die 'Obolüsse' zeitgemäß bleiben und die Puste nicht ausgeht, besteht Mut und Hoffnung zum Weitermachen! Manchmal denke ich: 'Was wäre ich ohne meine Frau!'" [Aus dem Lande Belgard, Nr. 136, Januar 1981, Seite 2]