216 historische Ansichten und 44 Vergrößerungen, weitere Vergrößerungen ausgesuchter Motive folgen
Belgard an der Persante in alten Ansichten 1885-1945
und in Erinnerungen von Fritz Schulze und Eleonore Gürge geb. Maaß
Teil 2  -  Vom Marktplatz zum Alten Amt
Belgard an der Persante
Blick von Süden auf den Marktplatz von Belgard mit Marienkirche, Neuem Rathaus
und Gefallenendenkmal, im Hintergrund der Mükepark (Aufnahme Ende der 20er Jahre)

Junkers Luftbild Luftaufnahme Fliegeraufnahme Fliegerphoto Fliegerfoto
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Blick vom Turm der Marienkirche in Richtung
Heerstraße / Poststraße, der Marktplatz noch
mit dem Gefallenendenkmal von Wilhelm Otto
und zahlreichen Marktständen des Belgarder
Wochenmarktes (Aufn. vor 1933)
Blick vom Markt in die Heerstraße: drittes Haus links Haushalts- und Spielwaren Walter Maaß, daneben ein Lederwarengeschäft (mit einem großen Pferd im Schaufenster), gegenüber das Buch- und Papierwarengeschäft von Werner Johannsen, dem Verleger der Belgarder Zeitung, im Hintergrund im Gebäude Heerstraße 8 Drogerie Rasinski, rechts vorne der Eingang zum Ratskeller im Alten Rathaus

Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Blick durch die Heerstraße in Richtung Marktplatz, am Ende der Straße unser Haus Marienstraße 15/16 mit dem Geschäft Kolonialwaren Bernhard Maaß (Aufnahme vor 1914) Derselbe Blick kurz nach der Jahrhundertwende
Belgard an der Persante Abbildung in Vorbereitung
Blick durch die Heerstraße in Richtung Marktplatz, rechts Modewarenhandlung Isidor Jacobsohn
(Aufnahme um die Jahrhundertwende)
Restauration Emil Paske
in der unteren Heerstraße
(Aufnahme vor 1914)
"Was in Belgard immer wieder gesungen wurde: Dieses schöne Lied hat schon mehrere Generationen überlebt. Ich hörte es schon meine liebe Mutter vor 65 Jahren bei Ausübung ihrer mühsamen Stickereien singen. Die montags und mittwochs durch die Straßen Belgards ziehenden Leierkastenmänner spielten es auch und bei Konzerten der Kapelle von M. Schäbitz in Falks Gesellschaftshaus fehlte dieses Lied auf keinem Programm. Vielleicht wird sich noch mancher Rundbrief-Leser dieser Melodie oder des Textes erinnern: 'Ich bin so gern, so gern daheim / Daheim in meiner stillen Klause / Wie tut es doch dem Herz so wohl / Das eine traute Wort 'Zuhause' / Wohl nirgends auf der weiten Welt / Fühl ich so frei mich von Beschwerden / Ein braves Weib ein herzig Kind / Das ist mein Himmel hier auf Erden // Allabend, wenn der Tag zur Ruh / Und ich mich leg zum Schlummer nieder / Dann bete ich zum Herrn der Welt / Eh schließen sich die Augenlider / Dann falt ich meine Hände fromm / Und bete still zum Vater droben / Du guter Gott, erhalte lang / Mir meinen Himmel auf der Erden'." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 79, April 1976, Seite 4]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Kaufhaus Diekmann an der Ecke Heeerstraße /
Mühlengang: Auch hierher habe ich als Kind
meine Mutter ab und zu beim Einkaufen
begleitet und über den Fahrstuhl und das
vielfältige Warenangebot gestaunt.
Links die drei letzten drei Häuser der Heerstraße, zweites Haus Kaufmann Paske (früher Reichow), drittes Haus Drogerie Breidenbach, dahinter die Einmündung der Kleiststraße, dann die Häuser der Friedrichstraße mit der Post; rechts vorne die Einmündung des Mühlengangs, danach die Bebauung der Friedrichstraße.
"75. Geburtstag beging am Sonntag, 12. April 1970, der seit Dezember 1946 in 325 Hameln, Wittekindstraße 40 lebende ehemalige Sparkassenleiter Erich Clawien. Clawien war Kriegsteilnehmer 1914/18 beim Stabe Oberbefehlshaber Ost, Generalfeldmarschall von Hindenburg. Im Jahre 1921 begann er seine Berufslaufbahn in Belgard bei der Kreissparkasse, die ihm 1929 die Leitung ihrer Nebenstelle in Groß Tychow übertrug. Dieses Amt hatte Clawien bis Kriegsende 1945 inne. Ein Jahr später erfolgte die Vertreibung über Flüchtlingslager Schivelbein-Stettin nach Wilster in Holstein. Nach 48jähriger, glücklicher Ehe verstarb seine Gattin am 9. Januar 1968 an den Folgen einer Apoplexie im Alter von 72 Jahren. In seiner damaligen Wirkungsstätte in Groß Tychow wurde nach dem Zusammenbruch eine polnische Postverwaltung eingerichtet." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 7, April 1970, Seite 4]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Drogerie Gebrüder Breidenbach am Anfang der Heerstraße, links die Brücke über die Leitznitz, davor Färberei Maronde (nicht mehr im Bild), hinter der Brücke links das Gebäude der Bank, für dessen Besitzer mein Großvater Bernhard Maaß mit 60.000 Goldmark bürgte; das Haus im Hintergrund wurde Anfang des Krieges durch den Neubau der Kreissparkasse ersetzt. Medicinal-Drogerie Max Breidenbach
Drogerie Breidenbach vor dem Bau des neuen Geschäftshauses mit dem markanten Erker (Aufnahme von Anfang des Jahrhunderts)
Rechts neben der Drogerie Breidenbach lag am Anfang der Kleiststraße das Café Bonow: "80. Geburtstag beging am 4. Januar Bäckermeister und früherer Cafébesitzer Franz Bonow, Kleiststraße 22, jetzt 5 Köln 80, Grafenmühlenweg 176, wohnhaft. Bonow wurde in Griebow Kreis Kolberg geboren und verlebte dort seine Kindheit. 1906 erlernte er in Kolberg das Bäcker- und Konditorhandwerk. Den ersten Weltkrieg machte Bonow nach kurzer Ausbildung bei der Feldgendarmerie bis November 1918 in Ost und West mit. Am 15.4.1920 legte er die Meisterprüfung ab und erwarb in Belgard das obenerwähnte Grundstück. In Fräulein Finger aus Degow Kreis Kolberg fand er alsbald die ersehnte Ehegattin und tüchtige Geschäftsfrau. Zur damaligen Zeit, es war in den 'goldenen' zwanziger Jahren, brachte dem Ehepaar, wie mir der Landsmann Bonow mitteilte, noch der Klapperstorch die Kinder, zwei Mädchen und einen Jungen. In seinem gemütlichen Café mit besonderer Note fühlten sich damals auch die ehemaligen Leibhusaren mit ihren Bräuten sehr wohl. Als die Russen am 3. März 1945 vor Belgard standen, gelang es den Eheleuten Bonow, mit ihren Töchtern über Kolberg-Swinemünde zunächst nach Thüringen zu flüchten. Seit dem 1. Oktober 1952 verbringen die Bonows ihren Lebensabend in Köln." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 16, Januar 1971, Seite 4]
Belgard an der Persante
Gebr. Breidenbach Belgard a/Pers.
abgegriffene Beschriftung auf einem alten
Porzellanverschluß einer Flasche aus der
Drogerie Breidenbach (wir kauften in der Regel
bei Drogerie Rasinski in der Heerstraße 8)
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Färberei - Chemische Reinigungsanstalt
Gebrüder Maronde in der Friedrichstraße
Blick von der Leitznitz-Brücke auf
die Seitenfront von Haus Maronde
"Gedenken an Färbereibesitzer Paul Maronde. Sein Todestag jährte am 13.3.1971. Im Bilde links das damalige, 1910 übernommene Geschäftshaus in der Friedrichstraße 1. Im gleichen Jahr heiratete Paul Maronde die Bauerntochter Marta Priebe aus Rostin Kreis Belgard. 1946 wurde Familie Maronde ausgewiesen, lebte zunächst auf der Insel Fehmarn und bis 1964 in Kappeln / Schlei. Dort verstarb am 2. Januar 1960 die Ehefrau des Maronde. Die Söhne Franz und Kurt holten ihren betagten Vater zu sich nach Eckernförde, wo er am 13. März 1970 im biblischen Alter von 89 Jahren verstarb. Seinem letzten Wunsche gemäß wurde er nach Kappeln überführt und an der Seite seiner dort ruhenden Gattin beigesetzt." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 18, März 1971, Seite 4] Zur Aufnahme rechts: "Ein Stückchen 'Alt-Venedig' in Belgard. Auf dem Foto erkennt man die Hinterfront der damaligen Färberei von Gebr. Maronde in Belgard, Friedrichstraße 3. Hier sah man fast täglich sich abwechselnd Max oder Paul Maronde beim Spülen der Stoffballen und Bekleidungsstücke. Die Firma Maronde war damals die alleinige chemische Reinigungsanstalt in Belgard. Beide Inhaber sind seit Jahren verstorben." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 81, Juni 1976, Seite 4]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Blick von der Heerstraße in die Friedrichstraße, links gerade noch im Bild Kolonialwaren Bernhard Reichow, zweites Geschäft auf der linken Straßenseite Drogerie Gebrüder Breidenbach, im Hintergrund links das Postamt (dreißiger Jahre) Blick von der Ecke Heerstraße / Kleiststraße in die Friedrichstraße, links der Pavillon (Blumengeschäft) der Gärtnerei Arthur Gutzke, vier Gebäude weiter auf der linken Straßenseite das Postamt (Ende der zwanziger Jahre)
Zu Kolonialwaren Reichow: "Der in Hamburg-Rissen als Architekt und Städteplaner lebende Prof. Dr. Ing. Hans Bernhard Reichow beging am 25.11.1969 den 70. Geburtstag. Reichow ist der älteste Sohn des damals in Belgard sehr bekannten Kolonialwaren-Kaufmann Bernhard Reichow und seiner Ehefrau Margarete geb. Paske. In der benachbarten Landgemeinde Roggow erblickte er das Licht der Welt, besuchte mit dem sechsten Lebensjahr die Volksschule und im Anschluß das Humanistische Gymnasium in Belgard, welches er mit dem Reifezeugnis verließ. Vom 15.6.1917 bis 16.12.1918 war Reichow Kriegsteilnehmer in Frankreich. In den Folgejahren konnte er sich dann ergiebig seiner so viel versprechenden Berufslaufbahn widmen. Kurz seine wesentlichen Erfolge: Studium in München und Danzig, wo er die Diplom-Hauptprüfung im März 1923 'mit Auszeichnung', den Doktor-Ingenieur am 13.3.1926 ebenfalls 'mit Auszeichnung' und das Regierungsbaumeister-Examen am 4.2.1928 in Berlin bestand. Bis 1945 war Prof. Reichow als Stadtbaudirektor in Stettin und nachdem in Hamburg selbständig tätig. Er ist seit 7. Februar 1929 verheiratet und Vater von Dirk, Daniela, Dorette und Hans-Detlef Reichow. Für heute möchte ich mich auf die vorstehenden Ausführungen beschränken, da ich über den 'Großen Sohn der Persantestadt' in der laufenden Artikelserie 'Namen mit Belgarder Klang' noch besonders berichten werde. Unser Kreis Belgard kann stolz auf einen so begabten und in seinem Beruf vielfach mit Erfolgen gekrönten Landsmann sein, dem weitere Schaffensfreude und Gesundheit, nicht zuletzt bestes Wohlergehen für seine Familie hiermit gewünscht wird." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 3, Dezember 1969, Seite 4]

"Namen mit Belgarder Klang. Im weiteren Verlauf dieser Artikelserie seien heute Kaufmann Arthur Paske und Gattin Frieda geborene Gutzke erwähnt. Paske wurde am 30. Juni 1883 in Roggow / Krs. Belgard geboren und verstarb am 1.11.1962 in Schwaan / Mecklenburg. Seine Ehefrau war eine am 11. Aug. 1881 gebürtige Belgarderin und ist am 23. März 1952 ebenfalls in Schwaan verstorben. Nach kaufmännischer Lehre im damaligen Bankgeschäft Franz Hartwig in Belgard war Paske ab 1902 'Junger Mann' in verschiedenen Städten. 1910 machte er sich sodann selbständig, erwarb das Grundstück Friedrichstraße 4 und richtete dort ein Lebensmittelgeschäft mit Destillation ein. 1912 wurde durch ein im Nachbarhaus des Fleischermeisters Wendt ausgebrochenes Feuer auch sein Haus eingeäschert. Es erfolgte in Kürze ein Neubau mit einer im Hintergebäude versehenen Ausspannung für ca. 45 Fuhrwerke. Von 1914 bis 1918 diente Arthur Paske seinem Vaterlande als Kriegsteilnehmer. Er war Vorsitzender des Kaufmännischen Vereins, im Ausschuß der Kreis- und Stadtverwaltung sowie Vereinsführer der ehemaligen 9er (Pommersches Grenadier-Regiment) Am 4. März 1945 wurde die Flucht der Eheleute Paske, wie bei vielen anderen Belgardern, durch vordringende Besatzungsmacht vereitelt. Erst im November 1945 erfolgte nach vielen Strapazen die Ausweisung der Paske'schen Eheleute, die sich in und über Belgards Grenzen hinaus allgemeiner Wertschätzung erfreuten." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 39, Dezember 1972, Seite 5]
Abbildung in Vorbereitung Belgard an der Persante
Kurz hinter der Brücke über die Leitznitz: Blick auf die rechte Seite der Friedrichstraße bis zur Einmündung der Hindenburgstraße, an deren Ecke man die Drogerie der Tochter von Frau Minna Pätzold erkennen kann, der Inhaberin der beiden Belgarder Lichtspielhäuser - des großen Capitols in der Hindenburgstraße und der erheblich kleineren Schauburg in der Friedrichstraße - und deren Fleiß und Geschäftstüchtigkeit auch mein Vater oft erwähnte. Im Laufe der Jahre erwarb sie neben dem zuerst gebauten Capitol weitere Grundstücke, so daß ihr schließlich der gesamte Block an der Ecke Friedrichstraße / Hindenburgstraße bis zur Burgstraße gehörte und sie nun das zweite Kino, die Schauburg, einrichten konnte. An die Geschäfte in diesem Teil der Friedrichstraße kann ich mich kaum noch erinnern, doch bei Juwelier Weidauer (kurz hinter der Gruppe von Passanten) bin ich mit meiner Mutter mehrmals gewesen. Hier wurden Silberbestecke für die Aussteuer von mir und meiner Schwester gekauft, und auch unsere Patinnen suchten hier entsprechende Besteckteile als Geschenke für uns aus. Blick von Ecke Heerstraße in die Friedrichstraße Mitte der dreißiger Jahre: links der Pavillon (Blumengeschäft) von Gärtnerei Gutzke, ein Friseur, die Reichspost, rechts Färberei Maronde (an der Leitznitz), Papierwaren Schwenke, übernächstes Haus Juwelier Weidauer, wo meine Mutter Bertha Maaß die Silberbestecke für die Aussteuer von meiner Schwester Anneliese und mir kaufte.
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Die Friedrichstraße im Winter, drittes Gebäude
auf der linken Straßenseite das
Kaiserliche Postamt (Aufnahme vor 1914)
Die Friedrichstraße aus der gleichen Perspektive
Ende der zwanziger Jahre, drittes Gebäude
von links wieder das Postamt
Zur Gärtnerei Gutzke: "Wenn man in Belgard den Poetensteig entlangging, sei es nach dem nahen Siedkow oder zu den Klempiner Bergen, sah man zur rechten Hand am Koppelweg die mustergültige Gärtnereianlage mit Wohnhaus von Arthur Gutzke. Es war ein Familienbetrieb und blieb es bis in dritter Generation. Arthur Gutzke wurde am 16. Dezember 1879 in Belgard geboren. Er war mit Martha geb. Jahn aus Groß Tychow Kreis Belgard verheiratet, die dort am 10. Oktober 1884 geboren wurde. Arthur Gutzke war ein geschätzter Bürger seiner Geburtsstadt, was wohl sein schöner Beruf mit sich brachte: In Freud und Leid den Mitmenschen dienen. Im Kriegerverein und im Männergesangsverein 'Liedertafel' war Gutzke ein treues Mitglied und immer zur Stelle. Er verstarb am 2. Oktober 1942 und fand in Belgard seine letzte Ruhe." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 90, März 1977, Seite 6]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Anfang des Jahrhunderts: Blick von der Heerstraße in die Friedrichstraße, das Grundstück neben dem Kaiserlichen Postamt ist noch nicht bebaut Blick in die obere Friedrichstraße Richtung
stadtauswärts, links neben dem Postamt
die Bebauung nun geschlossen
"Ein treues Gedenken zum 36. Todestag am 13. Mai für Bäckermeister Paul Wittstock früher Belgard, Friedrichstraße 70 wohnhaft gewesen. Wittstock war immer stolz, einst bei der Kaiserlichen Marine gedient zu haben und zwar von 1896 bis 1899 in Kiel. Während dieser Zeit wurde er auch für Tsingtau und Kiautschou abkommandiert. Am 16. Juni 1905 heiratete Paul seine Anna geborene Naß und mit Lust und Liebe übernahm das jungvermählte Ehepaar dann die Bäckerei Friedrichstraße 70. Nach dem Ersten Weltkrieg, den Wittstock von 1914 bis 1918 mitmachte, wurde seiner Initiative zufolge ein Belgarder Marineverein gegründet. Fünf Jahre nach der im Juni 1930 gehabten Silberhochzeit schloß Paul Wittstock am 13. Mai seine Augen für immer. Ein guter, nationaler Bürger der Persantestadt wurde unter großem Trauergefolge zur letzten Ruhe geleitet." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 20, Mai 1971, Seite 5]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Das Kaiserliche Postamt in der Friedrichstraße
(Aufnahme Anfang des Jahrhunderts, das
Nachbargrundstück noch unbebaut)
Blick in die obere Friedrichstraße Richtung
Heerstraße, rechts das Postamt
(Ende des 19. Jahrhunderts)
"Bernhard Rutzen, einst kaiserlicher Postschaffner. Rutzen wurde am 4. Januar 1860 in Schwessin Krs. Köslin geboren, genügte von 1881 bis 1883 in Stargard seiner Militärpflicht und trat dann in den Dienst der Oberpostdirektion Köslin. 1891 erfolgte seine Versetzung nach Belgard, wo er im Jahre 1912 zum Oberpostschaffner ernannt wurde. Im Stadtbild war Bernhard Rutzen eine allgemein beliebte Persönlichkeit. Ich fand schon als Junge Zuneigung zu diesem Postmann, der die Zustellungen in unserer Friedrichstraße wie auch die Leerung des am Emil Ury'schen Hause befindlichen Briefkastens besorgte. Wir Kinder durften ihn immer 'Onkel Rutzen' nennen. In diesem Zusammenhang bringe ich später eine kleine Episode 'Briefkasten spendet Eisbonbon'. Seinen beiden Söhnen Fritz und Otto ermöglichte Bernhard Rutzen durch Fleiß und preußische Sparsamkeit das Studium der Theologie, welches damals noch ziemlich teuer war. Als Postbetriebsassistent wurde Rutzen 1921 pensioniert, das war in dem Jahre, in welchem seine Gattin starb. Rutzen war seit 1884 bis 1945 das älteste Mitglied der Kriegerkameradschaft und Inhaber des Verdienstkreuzes für Kriegshilfe im Ersten Weltkrieg. Bei Kriegsende 1945 wurde Rutzen mit Sohn Fritz aus der ihm liebgewordenen Persantestadt ausgewiesen. Beide landeten in Glücksburg, wo Vater Rutzen im gesegneten Alter von 85 Jahren am 20. Dezember 1945 verstarb und dort beerdigt wurde." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 17, Februar 1971, Seite 5]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
In der Friedrichstraße mit Blick in Richtung Heerstraße: rechts das Postamt, auf der linken Straßenseite vor dem Geschäft Emil Rautenberg eine öffentliche Wasserpumpe (vor 1914) Dieselbe Ansicht einige Jahre zuvor,
ganz rechts Ernst Plinzberg
"Noch ein bekannter Altersveteran 'aus dem Lande Belgard' ist der einstige Brauereibesitzer Carl Fuhrmann, früher Bad Polzin, der am 22. Juni 1972 seinen 82. Geburtstag beging. Fuhrmann hatte die 1823 von seinem Urgroßvater gegründete Brauerei 1925 übernommen und zur größten Privatbrauerei Ostdeutschlands entwickelt. Ehepaar Fuhrmann setzte sich im September 1945 von Liegnitz nach Westdeutschland ab. Carl Fuhrmann übernahm in Heidelberg eine Position bei der dortigen Brauerei, die er bis November 1960 innehatte. Nach sechsjährigem Krankenlager verstarb die Gattin unseres Landsmannes Fuhrmann, der heute als bescheidener, sogenannter LAG-Rentner seinen Lebensabend in Heidelberg, Alte Eppelheimerstraße 84 verbringt." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 34, Juli 1972, Seite 3]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Anfang des Jahrhunderts: Blick in Richtung
Heerstraße, vorne rechts eine Brauerei
und das Kaiserliche Postamt
Derselbe Blick einige Jahre später, das
Grundstück neben der Post nun bebaut
"Erinnerungen an Palmsonntag 1916. Alljährlich am Sonntag vor Karfreitag denke ich an meine Konfirmation in Belgard. Als ich mich damals mit meinen Angehörigen zur Marienkirche begab, kamen wir in der Friedrichstraße an der noch lodernden Brandstätte der drei Häuser Fleischermeister Wendt, Kaufmann Paske, Glasermeister Venzke vorbei. Das Großfeuer war tags zuvor in der Räucherkammer der Fleischerei Wendt ausgebrochen. Ich wurde von Superintendent Dr. Emil Klar konfirmiert. Auf meinem Einsegnungsschein stand der Bibelspruch: 'Trachtet am ersten nach dem Reiche Gottes'. Oft hat sich in meinem Leben der Spruch mahnend bemerkbar gemacht, so als ich bis 1945 Kriegsteilnehmer an der Ostfront war, später als Heimatvertriebener und nicht zuletzt im Zeichen des Wirtschaftswunders. Am Tage nach der Konfirmation machte man Visite bei den Gratulanten. Von diesen möchte ich Kreissparkassendirektor Hildebrandt und Frau erwähnen, deswegen weil ich meines Erachtens dort das schönste Geschenk erhielt. Mit der Familie Hildebrandt waren wir befreundet, weil Mutter für diese schon seit Jahren Stickereien ausführte. Hildebrandts legten mir ans Herz, die 10 Gebote als Grundlage meines Lebens zu beachten, dann würde ich immer vorankommen. Beim Abschied drückte mir Herr Hildebrandt einen Taler in die Hand, dessen eine Seite die Prägung des Kaiserbildnis und die andere ein Relief von 1813 zeigte mit der Inschrift: 'Der König rief und alle, alle kamen'. Stolz und eilig kehrte ich heim und vergaß dabei, noch weitere Gratulanten zu beehren. Unser Untermieter, Gerhard Krahe, der Techniker im Baugeschäft Utech war, schenkte mir eine Ankeruhr mit Kette. Ihr Leuchtzifferblatt und Sprungdeckel mit meinem Monogramm 'F.S.' imponierten ungemein. Ich wußte nun nicht, ob Uhr oder Taler das bessere Geschenk war. Beides verwahrte ich in einem Samtetui in Mutters Vertiko. Letztmalig sah ich diese Kleinods im Jahre 1942 bei meinem Fronturlaub. Aus dem Kriege kam ich nicht mehr nach Belgard zurück. Mutter wurde 1946 in 10 Minuten aus der Wohnung vertrieben und so fielen Uhr und Taler mit Wohnungseinrichtung den nachfolgenden Leuten in die Hände. Mir blieb als Trost mein Konfirmationsspruch...." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 31, April 1972, Seite 2]
Belgard an der Persante Abbildung in Vorbereitung>
Die Friedrichstraße mit Blick in Richtung Heerstraße (Aufnahme vor 1914) Blick von der Ecke Heerstraße / Kleiststraße in die Friedrichstraße, links das Postgebäude, rechts das Geländer zur Leitznitz (Aufnahme vor 1914)
"Erinnerungen an die Belgarder 'Kunst'-Schule. Der Monat April gibt Veranlassung, an das 1909 von Dachdeckermeister Kunst in der Kleiststraße erbaute stattliche Wohnhaus zu erinnern. Dieses wurde 1910 der Stadtverwaltung für Schulzwecke vermietet. Das Haus hatte acht Schulklassen, ein Konferenzzimmer, eine Lehrerwohnung und Wohnung für die Familie Kunst. Als im Oktober 1928 die neue Hindenburgschule an der Pankniner Straße bezugsfertig war, ließ Kunst die im Volksmunde nach seinem Namen benannte Schule zu Wohnungen umbauen. Februar 1929 ist Kunst dann verstorben. Seine Töchter Klara und Emma wurden Erben dieses Anwesens, welches sie im Februar 1946 als Heimatvertriebene verlassen haben. Heute verbringen die Geschwister Kunst ihren Lebensabend im Neuen Rentnerheim 2251 Hattstedt über Husum. [....] Das der damaligen Schule gegenüberliegende Wohn- und Geschäftshaus von Hugo Klauke (vormals Jandt) wurde [....] dem Erdboden gleichgemacht." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 19, April 1971, Seite 3] Fräulein Emma Kunst, eine seiner beiden Töchter, half zeitweise bei uns im Maaßschen Geschäft an der Kasse aus und unterstützte meine Mutter Anfang des Krieges, als sie nach der Einberufung meines Vaters zur Wehrmacht das Kolonialwarengeschäft alleine führen mußte.
Belgard an der Persante
In der Friedrichstraße auf der Höhe Einmündung Hindenburgstraße,
rechts Kolonialwaren Wilhelm Raguse, links Cigarren Otto Schröder
(Aufnahme vor 1914)
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Die Friedrichstraße in Richtung Einmündung der Hindenburgstraße gesehen, links vor der Einmündung die "Schauburg", eines der beiden Belgarder Kinos, daß ich ebenso wie das um die Ecke gelegene "Capitol" in meiner Jugend häufig besuchte (Aufn. 2. Hälfte der 30er Jahre)

Die Friedrichstraße einige Gebäude weiter in
Richtung Zentrum, links die Einmündung der
Hindenburgstraße (Aufnahme vor 1914). Im vierten
Gebäude auf der rechten Straßenseite unmittelbar
vor der Post hatten Trudchen und Piet [Aus dem Lande Belgard, Nr. 38, November 1972, Seite 3]uch,
gute Freunde meiner Eltern, eine Drogerie.
"Goldenes Ehejubiläum begingen der frühere Drogeriebesitzer Emil Czepluch und Gattin Gertrud geb. Dreyer, jetzt 741 Reutlingen, Heilbronnerstraße 8 wohnhaft. Czepluch führte damals in seinem eigenen Hause zwischen Post und Gaststätte Otto Eyrich in der Friedrichstraße vom Oktober 1924 bis Juli 1938 eine Drogerie ersten Ranges. Das Geschäft wurde pachtweise an die Kösliner Seifenfabrik Bruno Kelm als Filialbetrieb überlassen. Czepluch erwarb ein Grundstück in Falkenstein im Vogtland, von wo er im Juli 1960 mit Gattin flüchten mußte. Seitdem lebt das bekannte Belgarder Ehepaar im schönen Württemberg und läßt durch 'Presseschulze' seine einstigen Geschäftskunden und alle noch lebenden Belgarder recht herzlich grüßen." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 2, November 1969, Seite 4]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Central-Drogerie Emil Czepluch Friedrichstraße 86 Photoatelier Gustav Köppen
Belgard in Pommern
Die Platte zur Nachbestellung aufbewahrt
85. Geburtstag beging am 12. November 1972 der frühere Drogeriebesitzer Emil Czepluch, 741 Reutlingen, Heilbronnerstraße 28. Das Foto zeigt sein einstiges Geschäftshaus in Belgard, Friedrichstraße 86 neben der Post. Beide Läden wurden im Juli 1938 vereint und an die Kösliner Seifenfabrik Bruno Kelm für zehn Jahre verpachtet. Czepluch siedelte nach Falkenstein / Vogtland, wo er ein Grundstück mit Drogerie erwarb. Seit 17. Juli 1960 verbringen Emil Czepluch und Gattin Gertrud geb. Dreyer ihren Lebensabend im schönen Württemberg. [Aus dem Lande Belgard, Nr. 38, November 1972, Seite 3]
Belgard an der Persante
Die Friedrichstraße mit Blick in Richtung Heerstraße in den dreißiger Jahren:
rechts das Postamt, auf der linken Straßenseite Manufakturwaren Emil Rautenberg, im
Hintergrund am Anfang der Heerstraße Drogerie Breidenbach (Gebäude mit Türmchen)
Belgard an der Persante
Geschäftsanzeigen aus Belgard 1933

[Aus dem Lande Belgard, Nr. 137, Februar 1981, Seite 9]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Die Friedrichstraße an der Einmündung Hindenburgstraße mit Blick in Richtung Heerstraße, im Eckgebäude links war zu meiner Zeit Café Klotz (Café Central), ein vor dem Kriege beliebtes Tanzcafé (Aufnahme vor 1914)
Café Klotz (Café Central) in den dreißiger Jahren
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
K. Hellermann & Co Belgard a/P.
kaum noch lesbare Beschriftung
auf einem alten Porzellanverschluß
einer Flasche der Firma Hellermann.

Zur Abbildung Friedrichstraße (oben): Schräg gegenüber von der Ecke Hindenburgstraße mündete in die Friedrichstraße hinter dem zweiten Gebäude auf der rechten Straßenseite die Baumstraße ein, an deren Ende die Brauerei und Mineralwasserfabrik Hellermann lag. Die Tochter der Familie Hellermann, Ruth Hellermann, die nach Kriegsende über die Vertreibung hinaus in Belgard geblieben und einen Polen geheiratet hatte, wohnte bei meiner Reise nach Pommern 1984 in einem halbverfallenen Haus in der Baumstraße (vielleicht ihr ehemaliges Elternhaus). Sie führte mich damals durch die Stadt, erzählte mir viel vom Leben unter den Polen und war ängstlich darauf bedacht, als Deutsche nicht aufzufallen. So gab sie auch mir zahlreiche Verhaltensregeln und Empfehlungen, etwa was ich photographieren dürfe.
Blick von der Ecke Friedrichstraße / Baumstraße in
Richtung Heerstraße, rechts das kaiserliche
Postamt (kurz nach der Jahrhundertwende)
Belgard an der Persante
Geschäftsanzeigen aus Belgard 1933

[Aus dem Lande Belgard, Nr. 137, Februar 1981, Seite 9]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Hotel Schwarzer Adler in der Friedrichstraße
(Aufnahme vor 1914)
Buffetzimmer und Speisesaal
(Aufnahme vor 1914)
"Eine Belgardbesucherin erzählt: Seit einigen Wochen bin ich nun wieder von einem Besuch meiner Geburtsstadt Belgard zurück, die ich seit meiner Vertreibung 1945 zum ersten Male wiedergesehen habe. Obwohl ich schon vieles über die dortigen Verhältnisse gelesen und von Besuchern gehört habe, entschloß ich mich freudig, teils auch zögernd, zu dieser immerhin ungewöhnlichen Reise. - Über allem jetzt so anderm grüßte vertraut wie einst der Kirchturm. Wohl waren einige mir bekannte Häuser instandgesetzt, auch viele Neubauten zu sehen. Aber alles war so anders, es kostete mir Überwindung, mich mit den Tatsachen abzufinden. - Unser Hotel 'Polonia', wo wir untergebracht waren, es war das frühere Hotel 'Zum schwarzen Adler' in der Friedrichstraße, ließ im Vergleich zu den Reisehotels in Kolberg und Köslin, sehr zu wünschen übrig. Unsere einstige Wohnung zu besichtigen, war der jetzigen polnischen Bewohnerin garnicht recht, schließlich gewährte sie dann doch. Wir haben aber auch einige freundliche Bewohner von 'Bialogard' angetroffen. - Unsere Reisegruppe bestand aus 14 Personen, die meist aus dem Landkreis Belgard stammten. Immerhin fand ich es gut, im heutigen Belgard gewesen zu sein, um mir selbst einen Eindruck vom dortigen Leben und Treiben verschafft zu haben. Einsenderin ist Frau Johanna Hamann aus 4500 Osnabrück, Lürmannstraße 27. Die gebürtige Belgarderin ist die Tochter des seit 13. Oktober 1932 verstorbenen Kreisoberinspektors Richard Hamann und seiner am 9. April 1980 verstorbenen Gattin." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 131, August 1980, Seite 4]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Die Friedrichstraße auf Höhe Hotel Schwarzer
Adler, Blick in Richtung Stadtzentrum
(Aufnahme vor 1914)
Im Hotel Schwarzer Adler in der Friedrichstraße
(Aufnahme aus den dreißiger Jahren)
Zur Aufnahme links: "Das Haus Nr. 73 Ackerbürger Hahn, Nr. 74 Bäckermeister Paul Raasch mit 50-Pfg-Basar der Geschwister Sprengel, Nr. 75 Gasthof 'Zum schwarzen Adler', Inhaber Albert Reblin, Nr. 76 Ackerbürger Beilfuß mit Uhrmacher M. Köster, Nr. 77 Schneidermeister Albert Henke, Nr. 78 Textil-Chaitkin, Nr. 79 Fleischerei August Wedig, Nr. 80-81 Bäckermeister Max Klotz. Gegenüber war die 'Süße Ecke' mit Conditorei Geschwister Küker, Goldschmied Johannes Bastian und Filmtheater der Eheleute Pätzold. Die Straße hatte 'Bonbonpflaster' und Gaslaternenbeleuchtung, die ab zehn Uhr abends auf halbdunkel eingestellt wurde." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 42, März 1973, Seite 1] "Schicksal Belgarder Jungens. Heute vor 30 Jahren, Herbst 1941, fanden sich die vier Brüder Robert, Walter, Albert und Fritz Conradt zu einer Wiedersehensfeier in Kiel ein. Keiner ahnte, daß es ihr letztes Beisammensein war. Wir gedenken ihrer! [....] Robert, geb. 2.1.1906, begann seine Berufslaufbahn bei Kaufmann Bernhard Maaß, Marienstraße 15/16 und wird vielen Belgardern noch als Torwart beim VfB 1911 und Mitglied des DHV bekannt sein. Im Kriege wurde er schwer verwundet, ist im Reserve-Lazarett Tübingen im Dezember 1944 verstorben und wurde auf dem dortigen Ehrenfriedhof beigesetzt. Walter, geb. 15.12.1901, hatte eine Ausbildung als Friseur bei Laschkowski, Torstraße und diente nach beendeter Lehrzeit von 1923 bis 1936 bei der Marine, wo er als Oberfeuerwerker entlassen wurde. Später als Soldat eingezogen und in Frankreich verwundet, ist er im Jahre 1965 an den Folgen eines Unfalles verstorben. Albert, geb. 5.4.1898, der Älteste der vier Brüder, wohnte in den dreißiger Jahren im Hause Friedrichstraße 81/82 und später in seinem Eigenheim im Grünen Winkel. Er war als Oberturnwart des TV Belgard 1861 mit den damaligen Otto Kölpin und Erhard Witt ein Favorit des Sports. Seit 1945 herrscht über sein Verbleiben völlige Ungewißheit. Fritz, als der Jüngste von den Vieren, mußte damals auf Vaters Verlangen das ehrbare Schuhmacherhandwerk lernen. Fritz hatte gegen diesen Beruf 'Abneigung'. Er verließ nach beendeter Lehrzeit sein so liebes Belgard. Was ihm in der Heimat versagt blieb, gelang ihm in der Fremde: Fritz wurde Bürokrat. Über Arbeitsdienst, Luftwaffe und Kriegsmarine kam er nach Kiel. Dort fand er sein großes Glück: die hübsche Belgarder Hildegard Genz, Friedrichstraße 53. Es wurde geheiratet und von amtswegen nach Brunsbüttel verzogen. Seitdem haben sich die beiden so eingelebt, daß sie im Mai 1972 das Fest der Silberhochzeit begehen wollen." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 26, November 1971, Seite 7]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Die Friedrichstraße mit Blick in Richtung Bahnhof,
rechts die Einmündung der Burgstraße, dahinter
Ackerbürgerhäuser (Aufnahme vor 1914)
Die Friedrichstraße Ende des 19. Jahrhunderts
kurz hinter der Einmündung der Baumstraße,
rechts die Häuser von Belgarder Ackerbürgern
"[Seinen] 70. [Geburtstag] hofft am 3. Januar 1976 der Uhrmachermeister Herbert Lutter in 674 Landau/Pfalz, Hindenburgstraße 3 zu begehen. Er erblickte einst im benachbarten Schlawe an der Wipper das Licht der Welt. Wie vom Magnet angezogen, wandte er sich später der Persantestadt Belgard zu. Hier hatte es ihm scheinbar Koesters Nichte angetan. Jedenfalls er kam, siegte; 1930 war die Hochzeit. Mit der jungen Frau, die das Uhrmacherhandwerk gründlich erlernt hatte, übernahm Herbert das alteingeführte Uhrenfachgeschäft in der Friedrichstraße 77 im Hause des Ackerbürgers Beilfuß samt der großen Pendeluhr im Schaufenster. Neu etabliert hat sich das junge Paar dann im Neubauladen der Schauburg. Seit August 1939 war Lutter Soldat, im April 1946 wurde seine Familie vertrieben und einige Zeit später starb seine Lebensgefährtin. Zeit eilt, Zeit heilt. So verkündete es die in der Heimat zurückgebliebene Reklameuhr, deren Pendel allein 70 Pfund wog. In Landau fand Herbert Lutter neue Heimat, neues Eheglück und viel Arbeit durch ehrenamtliche Tätigkeit. Seine charmante Roselies gibt sich erdenkliche Mühe, den Lebensabend ihres Herbert so angenehm als möglich zu machen." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 75, Dezember 1975, Seite 7]

"Belgarder Häuser bringen sich in Erinnerung. Dieses schöne Haus in Belgard, Friedrichstraße Nr. 70 mit Einmündung in die Georgenstraße gehörte Bäckermeister Paul Wittstock und Frau Anna geb. Naß. Beide hatten am 10. Juni 1905 geheiratet und das Haus mit Bäckerei käuflich erworben. Im Juni 1930 brachte hier die Stadtkapelle Klemz dem Ehepaar überraschend ein Ständchen zur Silberhochzeit. In der Hausfront zur Friedrichstraße befand sich noch ein Friseurgeschäft, wo ich auch später Kunde wurde. Paul Wittstock verstarb am 13. Mai 1935 in Belgard, seine Gattin Anna verbringt mit 94 Jahren ihren Lebensabend (Stichtag 27. Mai 1981) in 5632 Wermelskirchen, Groß-Rostinghausen Nr.15. Körperlich behindert, ist sie aber geistig noch rege." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 141, Juni 1981, Seite 6]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Die Friedrichstraße Anfang des Jahrhunderts auf Höhe Hotel Schwarzer Adler, Blick stadtauswärts, im Hintergrund rechts Ackerbürgerhäuser Die Friedrichstraße einige Gebäude weiter stadtauswärts, auf der rechten Straßenseite nun die zweigeschossigen Häuser der Belgarder Ackerbürger. Während des Krieges war ich zum Ernteeinsatz bei einem Ackerbürger dienst-verpflichtet, der seine Felder am Stadtrand hatte und mit seiner Familie in einem dieser Häuser wohnte.
"Bartel der Feilenschlucker. Zum Vergnügen der Einwohner, vielleicht auch zwecks Kundenwerbung, bot der im Hause des Ackerbürgers Hohenwaldt in der Friedrichstraße wohnende Schuhmacher Bartel den Leuten hin und wieder ein ergötzliches Zauberspiel: Sobald Bartel auf der Straße schöne Frauen erblickte, sprang er von seinem Schusterschemel auf, verbeugte sich und jonglierte mit einer langen Schusterfeile. Dadurch hatte er die Aufmerksamkeit des Passanten auf sich gelenkt. Dann markierte er, als verschlucke er die Feile, in Wirklichkeit ließ er diese hinter seine blaue Schusterschürze verschwinden. Mit ausgebreiteten Armen und geschlossenen Augen fiel er 'besinnungslos' zu Boden. Ein Teil der Gaffer draußen lachte, andere waren sichtlich bestürzt, und diejenigen, die dieses Schauspiel schon des öfteren gesehen, gingen ruhig weiter mit der Bemerkung: 'Meister Bartel zaubert mal wieder!' Nach einer Weile kam Bartel wieder zu sich und tat, als habe er heftige Magenkrämpfe. Aus weit geöffnetem Munde kam dann die Feile (hinter der Schürze) wieder zum Vorschein. Nach einer eleganten Verbeugung, in der erhobenen Rechten die Feile, in der linken Hand eine große weiße Glaskugel, nahm Meister Bartel als dann wieder seine Arbeit auf." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 9, Juni 1970, Seite 6]

"Nachruf zum Tode des Kreisoberinspektor i.R. Paul Scheiwe. Zu meiner Kurzmeldung im Januar-Rundbrief Nr. 16 nun noch folgendes: Scheiwe, der einer ehrbaren Ackerbürgerfamilie aus der Polzinerstraße entstammt, wurde bekannt, geschätzt und beliebt durch seine vorbildliche Gesinnung, seine langjährige Tätigkeit im Kreishaus und Aktivität im Turnverein Belgard 1861. In jungen Jahren war er, wie auch ich, regelmäßig am Sonntagabend im Kleist-Retzow-Stift in der Luisenstraße bei der Zusammenkunft des Evangelischen Jünglingsvereins. Noch mehr aber huldigte er dem Sport und der Turnerei. Seit frühester Jugend nahm er an Wettkämpfen und auswärtigen Turnfesten teil. Er war der letzte Vereinsvorsitzende. 1962 gab Paul Scheiwe eine Gedenkschrift 'Hundert Jahre Turnverein Belgard 1861' heraus, die der Nachwelt nun viel Wesentliches vermittelt, zumal beim Umsturz 1945 alle Originaldokumente, Protokollbücher und Vereinsfahne verlorengingen. In Anerkennung der großen Verdienste, die Scheiwe sich erworben, ernannte ihn die Traditionsgemeinschaft TV 1861 zu ihrem Ehrenvorsitzenden und ließ die Urkunde, da Scheiwe schon seit über ein Jahrzehnt kränklich und reiseunfähig war, durch Tbr. Willi Knade-Lübeck dem Getreuen persönlich in seiner Wohnung in Kirchheim (Teck) überbringen. Körperlich behindert, geistig aber rege bis zum Tode. Mit zitternder Hand schrieb er im letzten Jahrzehnt viele Briefe und Grüße und förderte somit herzliche Zwiesprache von Mensch zu Mensch. Als eifriger Rundbrief-Leser bedauerte er, daß ich diesen Heimatbrief nicht schon gleich nach unserer Ausweisung herausgegeben habe. Paul Scheiwe war den altbewährten Idealen treu geblieben und so werden alle noch lebenden Belgarder ihn in Erinnerung behalten." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 17, Februar 1971, Seite 4]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Die Georgenkirche in der gleichnamigen
Georgenstraße, die einige Schritte hinter dem
Hotel Schwarzer Adler in die Friedrichstraße mündet
Konditorei Kückers auf der gegenüberliegenden
Seite der Friedrichstraße / Ecke Roßstraße
(Aufnahme vor 1914)
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Aus der Festschrift zum Sängerfest anläßlich des
75jährigen Jubiläums der Belgarder Liedertafel von
1852, an dem als langjähriges Mitglied auch mein
sangesfreudiger Großvater Johannes Alverdes
teilgenommen haben dürfte.
Hotel Pommerscher Hof in der
Friedrichstraße / Ecke Brückenstraße
Zur Abbildung links: "Dem Gedenken an Julie Ludwig. Dichterische Ader einer liebenswerten Belgarderin. Im Hause Friedrichstraße 46 neben dem Landwirtschaftlichen Einkaufsverein wohnte einst Klavierlehrerin Julie Ludwig, eine dichterisch begabte, stets freundliche Dame, für alle edlen und nationalen Bestrebungen begeistert. Zum Sängerfest der Liedertafel 1852 welches am 28. und 29. Juni vor 75 Jahren in Belgards Mauern in großem Rahmen veranstaltet wurde, widmete sie für die Festschrift folgenden poetischen Erguß: 'Es wohnt die Ahnung eines guten Rechts / auf Erdenglück in jedem Menschenherzen: / wir fühlen, daß wir göttlichen Geschlechts, / und suchen, was uns fehlt, mit großen Schmerzen. // Ein Tropfen Wehmut fällt in jede Freud', / und für das Leid ist auch ein Trost vorhanden: / du brauchst ihn suchen gar nicht in der Welt / der treuste Freund ist dir im Lied erstanden. // Im sanften Säuseln wie im Sturmgebraus / hat Sangeszauber jedes Herz bezwungen. / Ja, wo man singt, da ist man gleich zu Haus, / da fühlt man sich von Liebe ganz durchdrungen.'" [Aus dem Lande Belgard, Nr. 81, Juni 1976, Seite 7]

"Dr. Rustemeyers fünfter Todestag jährt am 22. August. Otto Rustemeyer wurde am 13. Januar 1898 im Kreise Regenwalde geboren und bestand in Halle / Saale das Studium für Landwirtschaft. Wir Belgarder kennen ihn als Diplomlandwirt beim Landwirtschaftlichen Einkaufsverein in der Friedrichstraße, wo er von 1928 bis 1939 tätig war. Den zweiten Weltkrieg machte Dr. Rustemeyer als Offizier an der Westfront mit und fand nach seiner Entlassung aus der französischen Kriegsgefangenschaft eine Anstellung beim Landkreis Hann.-Münden. 1963 trat er in den Ruhestand und verzog mit Familie nach Crailsheim, wo ihn Krankheit mit Todesfolge ereilte. Rustemeyer liegt in Crailsheim beerdigt und war ein Schwiegersohn des Gutsbesitzer Fritz Graßmann-Ackerhof bei Belgard. Im obigen Foto sieht man Oma Graßmann im Sommer 1944 mit ihren Enkeln Dörte und Friedrich-Christoph Rustemeyer, Elisabeth, Bärbel und Christina Modrow. Letztere sind drei Töchter der zweiten Graßmanntochter Christel." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 11, August 1970, Seite 5]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Die Friedrichstraße kurz nach der Jahrhundertwende Hotel Kaiserhof in der unteren Friedrichstraße
(Aufnahme vor 1914)
"Zum zehnten Todestag von Arthur Priebe. Wer erinnert sich des 1885 geborenen Belgarders Arthur Priebe, der sich einen der schönsten, aber auch der schwersten Berufe - den eines Gärtners - erwählt hatte. 1900 begann seine Lehre im Kösliner Gartenbaubetrieb Buske. Am 5. August 1919 heiratete Priebe seine 'Schlawinerin' Alma geborene Maaß, die am 6.12.1892 in Schlawin das Licht der Welt erblickte. Ein Jahr später erwarb Meister Priebe die damalige Gärtnerei Reichow, Baumstraße 3 nebst Blumenhalle Heerstraße 34. Eheleute Priebe waren wie für ihren Beruf geschaffen. Freude und Leid teilten sie aufrichtig mit ihrer Kundschaft. Als eifriger Sangesbruder der 'Liedertafel', selten treues Mitglied der Kriegerkameradschaft und der Schützengilde, deren erster Ritter er 1944 war und in seinem Beruf als Ortsfachwart des Gärtnerhandwerks, war er ein geschätzter Bürger seiner Vaterstadt. Im Jahre 1950 erfolgte die Ausweisung der Eheleute Priebe nach Gaggenau Kreis Rastatt zu ihrer Tochter Charlotte. Dort waren dem auch dann noch mit der Pflanzenwelt verbundenen Heimatvertriebenen knapp zehn ruhige Lebensjahre beschieden. Am 25. Juli 1960 wurde Arthur Priebe in Gaggenau zu Grabe getragen. Seine Gattin folgte ihm acht Monate später in die Ewigkeit." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 10, Juli 1970, Seite 4]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
In der unteren Friedrichstraße mit Blick in Richtung
Amtsgericht, rechts das Bahnhofs-Hotel
Kleendehns Gasthof in der unteren
Friedrichstraße (vor 1900)
Zur Abbildung links: "So kennt man die untere Friedrichstraße, Nähe Bahnübergang, vor vielen Jahrzehnten. Das Bahnhofs-Hotel existierte später nicht mehr, das Haus mit Toreinfahrt gehörte der Mehlhandlung Bernhard Melms. Beide Gebäude erwarb der Landwirtschaftliche Einkaufsverein. Das Nachbarhaus gehörte Klavierlehrerin Hanna Ludwig, das angrenzende Haus dem Stadtrat Pagel. Besitzer des nächsten Hauses mit Schaufenster war Sattlermeister Pötschke. Dort führte die kurze Brückenstraße zum Leitznitzbach. Gegenüber, hinter der Baumreihe, war das Königliche Amtsgericht. Anschließend das Haus des Kupferschmieds Kohls und das des Justizrates Koeppel. An diesen Straßenteil wird sich Landsmann W. Dallach gut erinnern, da er dort größtenteils seine Kindheit verlebt hat. - Stimmt's liebwerter Wilhelm?" [Aus dem Lande Belgard, Nr. 4, Januar 1970, Seite 6]

"Als man noch unbesorgt mit Geldbeutel einherging. In meiner Geburtsstadt Belgard befand sich in der Friedrichstraße 53 die Reichsbank. Ein heller Renaissancebau mit hohen Fenstern und großem Torbogeneingang. Im Erdgeschoß befanden sich die Kassenräume mit kunstgeschmiedeten Gitterfenstern, oberhalb die Zimmerflucht des seinerzeitigen Reichsbankdirektors Elias. Ein übergroßes Messingschild am Hause verkündete kurz 'Reichsbank'. So wußte jedermann, daß hier die Quelle war, wo Sparkassen und größere Geschäftsunternehmen ihr 'Moos' schöpften. - Es war die Zeit vor dem ersten Weltkrieg. Das geschäftliche Leben nahm ungestört und ohne besondere Vorkommnisse seinen Lauf. In unserem Zeitalter mit den häufigen Banküberfällen mutet es eigenartig an, wenn man heute erzählt, wie damals die Leute ohne jeglichen Argwohn mit ihren, zumeist mit Goldstücken und Silbertalern gefüllten Geldsäckel, zur Reichsbank gingen oder von dort kamen. Niemand kam auf den Gedanken, eine so auffällig mit Geld beladene Person zu überfallen. So selbstsicher war auch der damaligen Reichsbankbote und zugleich als Hausmeister amtierende Herr Martin Genz, wenn er mehrmals derart beladen am Tage zur Post oder zu den Sparkassen ging. Es war eben die 'gute alte Zeit', die in vielem etwas für sich hatte, dann aber der fortschreitenden Entwicklung den Vorrang geben mußte." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 11, August 1970, Seite 5]
Belgard an der Persante
Blick in von der Bismarck-Allee in die obere Friedrichstraße
links die spätere Landwirtschaftsschule (Aufnahme vor 1914)
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Die Landwirtschaftsschule in der
Friedrichstraße 43 / Ecke Bismarck-Allee,
im Haus nebenan wohnten die Eltern von Walter Fritzke, einem Freund meines Vaters Erwin Maaß, der mit seiner Familie in den dreißiger Jahren für die Firma Siemens nach Tokio ging
(Aufnahme von Ende der zwanziger Jahre)
Ein Umzug vor dem 1. Weltkrieg am unteren Ende der Friedrichstraße: rechts das Eckhaus Friedrich- straße 43 / Bismarck-Allee (die spätere Landwirtschaftsschule)
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Blick von der Kleiststraße zum Alten Amt Auffahrt zum Alten Amt
An ihrem anderen Ende mündete die Kastanienallee, welche zum Alten Amt hinaufführte, in die Kleiststraße ein; unweit der Einmündung lag das Haus der Familie Dumjahn (Kleiststraße 27): "Goldenes Ehejubiläum gedenken am 8. Juli 1971 Oberstudienrat i.R. Max Dumjahn und Frau Gertrud geb. Krüger in 477 Soest, de Rode-Weg Nr. 5, früher in Belgard, Kleiststraße wohnhaft. Die Trauung fand seinerzeit in der Marienkirche ihres Heimatortes Greifenberg / Pommern statt. Die Hochzeitsfeier war in der Königstraße 45, dem Geburtshaus der Frau. Dumjahn, welches insofern historische Bedeutung hat, daß Fürst Otto von Bismarck als Offizier bei einer Reserveübung der 3. Dragoner im Jahre 1842 dort gewohnt hat. Ehepaar Dumjahn hat sechs Kinder, einen Sohn und fünf Töchter. Der Sohn wurde nach dem Abitur Soldat und wird seit Juli 1944 vor Wilna vermißt. Von den Töchtern ist Marianne als Oberin eines Missionshospitals in Südafrika tätig und hat ihren Besuch zu diesem seltenen Ehejubiläum bereits angekündigt." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 21, Juni 1971, Seite 3]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Vor der Auffahrt zum Alten Amt, hier noch mit den beiden mächtigen Pfeilern der Toreinfahrt so wie ich es aus meiner Kindheit kenne - ob die Treppe am Hauseingang damals noch genauso aussah, kann ich heute nicht mehr sagen. Hier auf dem Amtsberg stand im Mittelalter die Belgarder Burg (erste urkundliche Erwähnung im Jahre 1105). Das Alte Amt Ende der dreißiger Jahre: Als ich einmal meinen Vater Erwin Maaß zu Rittmeister Mahnke in das äußerlich recht unscheinbare Amtshaus begleitete, war ich von der repräsentativen Eingangshalle und der großen, zweiflügeligen Treppe zu den Räumen im ersten Stock sehr überrascht.
Belgard an der Persante
Das Alte Amt in den ersten Jahren nach der Jahrhundertwende
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Frühjahrshochwasser am Alten Amt Das Alte Amt im Winter
"Not macht erfinderisch. Dieses Sprichwort bewahrheitete sich in den Kriegsjahren 1916/17. Die damaligen Zeiten wurden immer schlechter. Lebensmittel gab es nur auf Marken, Bekleidung und Ersatzgegenstände nach Bedarfsprüfung nur auf Bezugsscheine. Wer ein Fahrrad besaß, mußte dessen Benutzung als kriegswichtig nachweisen und bekam dann eine Dringlichkeitsbescheinigung für weitere Benutzung der Gummischläuche und -mäntel seines Fahrrades, anderenfalls mußten diese an einer behördlichen Sammelstelle abgeliefert werden. Wollte dennoch jemand dem Radsport huldigen, konnte er sich bei Julius Küken oder Franz Westphal eine Ersatzbereifung kaufen. Das war ein in den Radfelgen einzuspannender Spiralfederschlauch. Auf glatter Chaussee oder festen Radwegen ging es so leidlich, jedoch eine Fahrt auf dem üblichen Betonpflaster der Belgarder Straßen führte allemal zum Schüttelfrost für den Radler. Immerhin gewöhnte man sich allmählich an die Benutzung solcher Vehikel, die meist als Lastenträger für Sammelholz aus dem Walde oder Beutegut von einer Hamstertour benutzt wurden. Als Besitzer eines 'Brennabor' mit solchen Spiralschläuchen begab ich mich damals nach der hinter dem Stadtholz gelegenen Landgemeinde Lülfitz, um den uns bekannten Bauernhofsbesitzer und Amtsvorsteher Ewald Maaß heimzusuchen. Zu der dreifachen Kraftaufwendung für ein solches Fahrzeug kam die sommerliche Hitze des Tages, so daß ich für die etwa zehn Kilometerstrecke über eine Stunde benötigte. Der Rückweg dauerte länger, weil das beladene Fahrrad geleitet wurde. Doch die Fahrt belohnte sich den damaligen Zeitumständen entsprechend immer. Mit einem halben Bauernbrot, einigen Kilo Kartoffeln, Steckrüben, Roggen zum Kaffeebrennen, einer Flasche Milch, Backobst, etwas Butter, nur in Verbindung mit einem Vergrößerungsglas zu verwenden, und 'Anteilen' von einer im Dorf 'zufällig' gehabten 'Notschlachtung' kehrte ich befriedigt heim." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 77, Februar 1976, Seite 8]
Belgard an der Persante
Gruss aus Belgard - Marktplatz, Marienkirche, Postamt
(Lithographie um 1900)
mehr als 440 historische Ansichten in 4 Teilen

Alle Bildunterschriften von Eleonore Gürge geb. Maaß

Alle Texte von Fritz Schulze, Redakteur der ehemaligen
Belgarder Zeitung ("Presse-Schulze"), im Heimat-Rundbrief
Aus dem Lande Belgard der Jahre 1969 bis 1982

Aus dem Lande Belgard 1969 bis 1982

"Echte Kameradschaft beweist der nachstehende Pressebericht, entnommen der 'Kolberger Zeitung', Dezember-Ausgabe 1969. Zu Beginn der zwanziger Jahre war ich auch für diese Zeitung Berichterstatter für Stadt- und Landkreis Belgard / Persante. Jetzt nach fast fünfzig Jahren gedenkt der damalige Redakteur Erich Müller seines derzeitigen Mitarbeiters Fritz Schulze in so besonders schönen Weise. Dafür möchte ich Landsmann Müller, jetzt 5672 Leichlingen wohnhaft, hiermit herzlichen Dank aussprechen. '[....] Wir hatten unlängst von der Verbindungsaufnahme mit unserem alten Belgarder Berichterstatter, Schriftleiter Fritz Schulze (6202 Wiesbaden-Biebrich, Rathausstraße 37) berichtet. Als geborener Belgarder kennt Landsmann Schulze seine Heimatstadt Belgard natürlich wie seine Westentasche und er hat auch schon mancherlei Ereignisse aus der Belgarder Lokalchronik aufgezeichnet. Jetzt ist Landsmann Schulze sogar unter die Herausgeber von Heimatbriefen gegangen. 'Aus dem Lande Belgard' nennt er einen sogenannten 'Persönlichen Brief mit heimatlichen Erinnerungen'. Es gehört in der heutigen Zeit Courage dazu, als Herausgeber von Heimatbriefen auf den Plan zu treten. Freund Schulze scheint über die dazu gehörige Portion Courage zu verfügen, die beiden vorliegenden Briefe beweisen das. So möchten wir dem Belgarder Nachbarn von der Körliner Warte aus ein herzliches Glückauf zurufen. Besonders gelegen ist ihm an der Bekanntgabe von Adressen ehemaliger Belgarder Bürger. Sicherlich werden unsere Körliner Freunde ihm dabei behilflich sein können.'" [Aus dem Lande Belgard, Nr. 4, Januar 1970, Seite 2]