216 historische Ansichten und 44 Vergrößerungen, weitere Vergrößerungen ausgesuchter Motive folgen
Belgard an der Persante in alten Ansichten 1885-1945
und in Erinnerungen von Fritz Schulze und Eleonore Gürge geb. Maaß
Teil 4  -  Von Vorwerk zur Polziner Chaussee
Belgard an der Persante
Blick aus Richtung Bahnhof nach Osten: rechts die Gründerzeit-Bebauung an
der Friedrichstraße, in der Bildmitte das Kino "Capitol" und die Schloßmühle Bellin,
links die Wiesenstraße und dahinter der Mükepark, im Bildhintergrund der Turm der
Marienkirche und der Poetensteig mit den Bäumen entlang der Leitznitz

Junkers Luftbild Luftaufnahme Fliegeraufnahme Fliegerphoto Fliegerfoto
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Partie in der Gemarkung Vorwerk unweit der
Persante, zweites Gebäude rechts Café
und Restaurant "Persanteschlößchen"
Das Ausflugslokal "Persanteschlößchen" direkt an
der Persante, wo meine Eltern als junge Eheleute
öfters tanzen gingen und wir in den dreißiger
Jahren manchmal Kaffee tranken
"Martha Kupper zum Gedenken. Fast 4 Jahrzehnte, von 1904 bis 1941, war Frau Kupper als tüchtige und in der Öffentlichkeit beliebte Gastwirtgattin bekannt. Ihr Todestag jährt am 19. November 1970 zum elften Male. In Bulgrin Krs. Belgard am 14.4.1876 geboren, heiratete sie später den damaligen Friseur und Dentist Otto Kupper, der ab 1904 das Stadtholzrestaurant als Pächter übernahm. In den zwanziger Jahren erwarb das Ehepaar Kupper in Vorwerk ein Villengrundstück mit großem Fischteich. Man richtete es als vornehmes Gartenrestaurant ein und nannte es, da unmittelbar an der Persante gelegen, 'Persanteschlößchen'. Als im Jahre 1936 Otto Kupper verstarb, führte seine Gattin unter Mithilfe ihrer zwei Töchter und des Schwiegersohnes die Gaststätte bis 1941 weiter. Im Flüchtlingsstrom 1945 war auch die fast 70jährige Frau Kupper mit ihren Angehörigen. Sie wohnte zunächst im Haushalt ihres Schwiegersohnes in Husum und verstarb im gesegneten Alter von 83 Jahren bei ihrer alleinstehenden Tochter Lotte Senne geborene Kupper in 224 Heide / Holstein." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 14, November 1970, Seite 4]

"70. Geburtstag beging am 25. Oktober des Jahres Reg. Bauamtmann i.R. Herbert Pieper, jetzt 225 Husum, Lorenz-Lassen-Straße 26 wohnhaft. Pieper wurde in Martinshagen geboren, war von 1922 bis 1924 Kulturbauingenieur in Belgard und danach bis 1938 in Köslin beim Wasserwirtschaftsamt tätig. Die vorherigen zwei Jahre in der Persantestadt brachten ihm das Glück seines Lebens. Er fand Zuneigung bei der bildhübschen Margarete des 'Seegers' vom Persanteschlößchen und wurde alsbald Schwiegersohn des Otto Kupper und Frau Martha geb. Braunschweig. Bis 2. März 1945 war Pieper Kreisbaumeister in Belgard. Das Flüchtlingsschicksal verschlug das Ehepaar nach Husum, wo Pieper nach 43jähriger Amtstätigkeit im Jahre 1965 pensioniert wurde." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 14, November 1970, Seite 2]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Blick bei Hochwasser auf die Brücke
über die Persante bei Vorwerk
An der alten Persantebrücke nach Vorwerk
(Aufnahme vor 1914)
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Die Badeanstalt an der Persante mit Sprungturm und Angel zum Schwimmenlernen (rechts), im Hintergrund der Wasserturm an der Polziner Straße. Mein Vater erzählte, wie er vor dem Ersten Weltkrieg gemeinsam mit seinem Bruder Heinz in der Persante geschwommen war, und auch ich habe als kleines Kind mit meinem Vater einmal in der Persante gebadet. Einweihung des Sprungturms des Turnvereins
Belgard 1861 an der Badenanstalt an der Persante
in Belgard-Vorwerk am 28. August 1927
Zur Aufnahme rechts: "Zur Förderung des Schwimmens opferte der damalige Volksschullehrer Gustav Krause in seiner Eigenschaft als 1. Vorsitzender des Turnvereins Belgard 1861 Freizeit, Kraft und Geld. Sein Grundsatz: 'Jeder Turner ein Schwimmer, jeder Schwimmer ein Retter.' Auf seine Anregung ließ der Turnverein an der Persante bei Vorwerk einen hölzernen, etwa acht Meter hohen Springturm erbauen, dem bald eine Umkleidebaracke folgte. Als Schwimmbecken diente die vom Baugeschäft Wilhelm Utech zur Sand- und Kiesgewinnung ausgebaggerte Persante. Hier lernten dann viele Schüler und Jugendliche das Schwimmen und Tauchen, wofür sich Lehrer Krause verantwortlich fühlte. Es sollte aber nicht bei dieser Errungenschaft bleiben. Immer wieder trat Lehrer Krause an die zuständigen Behörden heran mit der Bitte, eine zeitgemäße Sportplatzanlage mit Schwimmbad zu schaffen. Diese Forderung hatte alsbald Erfolg. Und wieder im August, es war der 30. des Jahres 1930, war eine Schwimmbad-Einweihung. Von dem bewilligten, vorbildlichen Projekt auf den Pferdewiesen am Poetensteig wurde zunächst ein Schwimmbad seiner Bestimmung übergeben." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 83, August 1976, Seite 2]

"Zum zwölften Todestag des Lehrers Gustav Krause. Am 18. Februar 1971 sind es zwölf Jahre, seit Belgards großer Sportler und Volksschullehrer Krause, früher Blumenstraße 29 wohnhaft gewesen, seine Augen für immer schloß. 1911 bis 1945 war Krause auf dem Gebiet des Turn- und Sportwesens wohl der beste Lehrer. Aus meiner Schulzeit, die 1916 endete, weiß ich, daß Lehrer Krause es bewerkstelligte, bei sonnigem Vormittag den Unterricht ins Freie zu verlegen oder Gymnastik auf dem Turnplatz zu treiben. Schon 1929 wurde er durch seine Schrift 'Pflege der Leibesübungen' populär. Mit Leib und Seele verschrieb sich Gustav Krause dem Turnverein Belgard 1861, dessen Vorsitzender er von 1919 bis 1933 war. Ihm und dem früheren Oberturnwart Otto Kölpin ist es zu verdanken, daß der TV damals einen neuen Schwung und Auftrieb bekam. Doch mit des Geschickes Mächten.... Durch die 1933 erfolgte Machtübernahme verlor Krause sein Vorstandsamt. Uneigennützig hatte er sich für seinen Verein mit großen Erfolgen eingesetzt, verbittert und in sich still geworden verbrachte er die weiteren Jahre seines Lebens. Mit einem Flüchtlingstransport kam Krause mit Familie nach Kiel. Es ist verständlich, daß Gustav Krause nicht mehr die rechte Freude an einem Lebensabend fand. Die Erlebnisse zuvor hatten den früher leicht und elegant Dahergehenden, den man stets freundlich und humorvoll begegnete, zu sehr geschwächt. Die letzte Zeit mußte er im Stuhlwagen gefahren werden. So endete das einst beschwingte Leben und Wirken eines großen Sportlers, der Belgards Jugend viel gegeben." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 17, Februar 1971, Seite 4]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Das Eisenbahnviadukt der Reichsbahnstrecke
von Belgard nach Neustettin
über das Rote Fließ
Das Reichsbahnviadukt aus
einer ähnlichen Perspektive
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Das Eisenbahnviadukt der Kleinbahnlinie
Belgard-Rarfin ("Der rasende Hinterpommer")
über die Persante
Das Kleinbahnviadukt aus einer etwas
anderen Perspektive (Aufnahme vor 1914)
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Das Kleinbahnviadukt in voller Schönheit Kleinbahnbrücke bei Roggow, im Hintergrund die
Windmühle an der Polziner Chaussee bei Belgard
"70. Geburtstag feiert am 21. August 1972 der frühere Gutsbesitzer Kurt Toebe, 605 Offenbach, Bettinastraße 17. Seit 10. November 1920 war das ca. 2.400 Morgen große, zwischen Zadtkow und Vietzow Kr. Belgard gelegene Gut Neuhof sein Eigentum, bekannt durch die Kartoffelzüchterei der Sorten 'Voran' und 'Ostbote'. Beim Zusammenbruch 1945 blieben ca. 30.000 Zentner dieses Saatgutes zurück. Große Freude hatte Toebe an seiner Kaltblut-Pferdezucht von Füchsen mit weißen Mähnen. Als begeisterten Jäger und Heger sah man ihn in vielen Jagdrevieren. Das Geweih seines besten 16-Enders wog trocken 12,5 Pfund. Heute denkt der 70-jährige, der damals zeitweise im Konzentrationslager Buchenwald verbringen mußte und dessen Gattin Eva geb. Koerner am 23. Januar 1967 verstorben ist, wehmütig zurück, wie's daheim einst war." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 35, August 1972, Seite 5]

"Zuschrift von Kurt Toebe, Offenbach am Main, Bettina-Straße 17: Es muß auf Seite 5 im August-Rundbrief heißen: Züchter der Kartoffelsorten 'Ostbote' und 'Voran' war die Saatzucht Karl Raddatz-Hufenberg. Durch einen Vertrag mit Herrn Raddatz hatte ich einen Kartoffelzuchtgarten eingerichtet, in dem die o.a. Sorten vermehrt wurden." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 36, September 1972, Seite 8]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Die Belgarder Überlandzentrale, wo ein Freund meines Vaters Erwin Maaß als Ingenieur arbeitete Das Elektrizitätswerk von der Stadt aus gesehen, im Vordergrund die Schienen der Reichsbahnstrecke Schivelbein-Belgard-Köslin und der Kleinbahnlinie Belgard-Rarfin ("Der rasende Hinterpommer").
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Die Verwaltung der Überlandzentrale, im
Hintergrund das mächtige Werksgebäude
Die Überlandzentrale von Süden
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Die Überlandzentrale von Westen, rechts im
Hintergrund eines der Beamtenwohnhäuser
Beamtenwohnhäuser der Überlandzentrale
an der Persante
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Die Überlandzentrale von Südwesten, im
Vordergrund die Brücke der Reichsbahnstrecke
Schivelbein-Belgard-Köslin über die Persante
Die Überlandzentrale von
der Leitznitz aus gesehen
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
"Der elektrische Herd wirbt für sich selbst"
Märkisches-Elektrizitätswerk A.-G.
Bezirksdirektion Belgard (Pom.)
Deutsche Reichspost Belgard 24.8.1939
Partie an der Überlandzentrale (im Hintergrund)
links eines der Beamtenwohnhäuser
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Die Pommersche Genossenschaftsdarre
an der Persante
Geschäftsanzeige von Wilhelm Utech, der Ende des
19. Jh. unser Haus Marienstraße 15/16 erweiterte
Zur Abbildung rechts: "Inserat aus der einstigen Belgarder Zeitung (Klemp-Nachfolger Johannsen). Wer erinnert sich dieser Firma an der Körliner Chaussee gegenüber dem Neuen Friedhof? Längst sind Besitzer Utech und Gattin nebst den vier Söhnen verstorben; indes lebt heute noch die hochbetagte Tochter Hannelotte Küster geb. Utech in 2000 Norderstedt, Falkenhorst 82." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 103, April 1978, Seite 5]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Das Kreiskrankenhaus am Rostiner Weg, wo ich im Juni 1941 am Blinddarm operiert wurde und in meinem Krankenzimmer im Radio vom Angriff auf die Sowjetunion hörte, und wo ich im März 1945 in den ersten Wochen nach dem Einmarsch der Russen in Belgard zusammen mit meiner Schulfreundin Marli Beilfuß Zuflucht suchte Blick von Nordenwesten auf das Gelände des
Kreiskrankenhauses, hier das "alte Krankenhaus"
(ehemaliges Garnisonslazarett)
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Vor dem evangelischen Krankenhaus Der Kitzelpark (Krankenhauspark)
zwischen Kreiskrankenhaus
und Körliner Straße
"Gedenken an Gemeindevorsteher Raddatz-Rostin. Wenn man die Rostinerstraße entlangging, vorbei am großen Exerzierplatz und der Domäne Schaffer-Uhlenburg, dann war man schon in dem idyllischen Bauerndorf Rostin. Alles fleißige und wohlhabende Hofbesitzer, deren Gemeindevorsteher seit jeher der am 22. Mai 1872 geborene Albert Raddatz war. Als tüchtiger Bauer und fleißiger Kirchgänger bekannt, übergab er im Jahre 1930 den Hof an seinen Sohn Hewald. Bis zum Frühjahr 1945 war es dem stets freundlichen und nationalgesinnten Manne vergönnt, auf dem üblichen Altenteil zu leben und zeitweilig seinem Sohn Hewald in der schweren Landarbeit behilflich zu sein. Dann ereilte den 73jährigen das Schicksal: Bei der Feldbestellung wurde er von betrunkenen Russen erschossen. Auch nach dieser Zeitspanne von über 25 Jahren wird es wohl noch Rostiner und Belgarder geben, die sich dieses gütigen pommerschen Landmannes erinnern." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 11, August 1970, Seite 4]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Die Husaren- oder Artilleriekaserne an der Körliner Straße in Belgard, wo sich mein Vater Erwin Maaß als Zahlmeister bereits vor Kriegsbeginn im August 1939 stellen mußte. Hier war das 2. Bataillon des schweren motorisierten (und berittenen) Artillerie-Regiments 68 stationiert. Die 1900 erbaute Artilleriekaserne ("Kaserne für die reitende Artillerie"), auch "Alte Kaserne" genannt.
"Nachdem anfangs der dreißiger Jahre die alte (Rogzower Allee 96 gelegene) Kaserne von der Kösliner Schutzpolizei geräumt war, wurde diese im Erdgeschoß von der Heeresstandortverwaltung, im Mittelbau von der Heeresfachschule (V) und in der oberen Etage von dem Kriegsgericht der 32. Infanterie-Division bezogen. Die HStV mit Oberstabszahlmeister Stoike als Verwaltungschef hatte eine beachtliche Zahl von Angestellten, wogegen das Kriegsgericht nur wenig Bedienstete, dafür umsomehr Besucher von den Truppenteilen für die fast täglichen Verhandlungen hatte. Die 'Angestelltenschaft' bei der Heeresfachschule (V) mit ihren sieben Klassenzimmern, mit einem Dienstzimmer für den Truppenunterrichtsleiter und einem Geschäftszimmer bestand nur aus einem einzigen Mann als Verwaltungsangestellten. Das war damals der Verfasser dieser Zeilen, Fritz Schulze. Mein Chef war der im Majorsrang stehende, in der Elisenstraße wohnende Studienrat Dr. Fritz Schultz. Unsere hauptamtlichen Lehrer waren Studienassessor Schüen und Oberlehrer Pagel, der dann als Hauptmann an der Ostfront gefallen ist. Als nebenamtliche Lehrkräfte fungierten die Herren Lorenz, Wräse und Radünz, die Lehrer bei der städtischen Mittelschule waren. Dienstags und freitags war auch Nachmittagsunterricht, einmal im Jahr gab es je eine Aufnahme- und Abschlußprüfung. Des öfteren kam der Standortälteste und Divisions-Kommandeur, Generaloberst Nikolaus von Falkenhorst, zur Inspektion. Er verstarb 84-jährig am 18. Juni 1972 in Holzminden, wo er auf seinen Wunsch in aller Stille beigesetzt wurde. Immer wenn der General damals zur Schulvisitation erschien, wurden die 'Schuljungen' nervös, 'denn der Schuldienst', so meinten die meisten, 'wäre schlimmer als der Dienst in den Vorjahren auf dem Kasernenhof!' Und jetzt zum Wurzelziehen: Die Fensterfront der Schule sah auf den Kasernenhof. An den Dienst draußen war man schon gewöhnt. Doch diesmal gab es etwas anderes: Punkt neun Uhr ertönte nach einem Kommando die Regimentsmusik mit Trommelwirbel nach der Weise: 'Jesus meine Zuversicht'. Ein Ehrengeleit probte im Gleichschritt für die nachmittags mit militärischen Ehren stattfindende Beerdigung des verstorbenen Oberstleutnant von Muellern aus der Danziger Straße. Mit dem in Klasse 2a für diese Stunde angesetzten Wurzelziehen war es natürlich aus. Die eindrucksvolle Musik lenkte von der rechnerischen Kopfarbeit ab und Assessor Schüen hatte Verständnis für eine Änderung des Stundenplans. Ja, in der Heeresfachschule ging es wohl militärisch aber auch gemütlich zu. Das Schönste waren immer die Kameradschaftsabende. Ich erinnere mich noch eines solchen vor Kriegsausbruch, als noch niemand wußte, daß es der letzte sein sollte. Es war auch das letzte Beisammensein mit dem damaligen Oberst Wilhelm Wegener, einem volkstümlichen Offizier, der bei seinen Soldaten wie auch bei allen Wehrmachtbediensteten seines lauteren Charakters wegen sehr beliebt war. Als General ist er am 25. September 1944 im Norden der Ostfront inmitten seiner Soldaten, die ihn 'Oberlandser' nennen durften, nach über dreijährigem Fronteinsatz gefallen. Der Krieg bedingte damals eine Vorverlegung der Abschlußprüfung und Schließung der Schule. Keiner ahnte, daß dies eine endgültige war. Viele der ehemaligen HF-SchüIer sind im Kriege gefallen, andere inzwischen verstorben, so auch der obenerwähnte Konrektor i. R. Artur Wrase im 72. Lebensjahre am 4. Mai 1972 in Bremervörde. Indes wurden neue Bundeswehrfachschulen ihrer Bestimmung übergeben. Das Leben geht weiter...." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 31, April 1972, Seite 8]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Gesamtansicht des Kasernenkomplexes von der Ecke Körliner Straße / Kasernenstraße aus Das 5. Reiter-Regiment der Totenkopfhusaren
zieht mit klingendem Spiel in Belgard ein
"Zum 5. Todestag des General von der Chevallerie. Militärzeit in Belgard war die Beste. Am 1. Juni 1970 jährte der fünfte Todestag des Generalleutnants Helmuth von der Chevallerie, der auf dem Südfriedhof in Wiesbaden seine letzte Ruhe fand. Am 9.11.1893 wurde er in Berlin geboren. Wir Belgarder erinnern uns seiner als Leutnant der ersten Schwadron des Reiter-Regiments 5, wo er vom 'Freikorps Hindenburg' aus Kolberg kommend, 1922 bis 1927 in Belgarder Garnison stand. Er äußerte damals, daß die Belgarder Stationierung die beste seiner Militärzeit war. 1935 wurde der befähigte Offizier als Korps-Adjutant nach Hamburg beordert. Im Verlauf des letzten Krieges erlitt er in Ost und West mehrfache Verwundungen. Als Kommandeur der 13. Panzerdivision errang er am Kuban-Brückenkopf das Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz. Von 1945 bis 1947 befand sich der General in amerikanischer Kriegsgefangenschaft und verblieb nach seiner Entlassung in Wiesbaden, wo er nach Erwerb des Ruhesitzes in der Pfahlerstraße 4 seinen Lebensabend zu verbringen hoffte. Doch eine heimtückische Krankheit setzte seinem Ziel ein vorzeitiges Ende. Im 68. Lebensjahre wurde Helmuth von der Chevallerie als ein Offizier ohne Furcht und Tadel zur großen Armee abberufen. Sein einziger Sohn Udo, geboren am 2.7.1923, ist als Leutnant des Reiter-Regiments 5 am 24. Juli 1943 im Rußlandfeldzug gefallen. Von der Volkstümlichkeit des General sei noch folgende Begebenheit erwähnt: In den letzten Kriegsjahren wurden Reste seiner Division aus Rußland herausgezogen, um in Frankreich aufgefüllt zu werden. Der General konnte im Wagen fahren, zumal er noch, während die Truppe verladen wurde und tagelang reiste, ins Hauptquartier bestellt worden war und hierbei einige Urlaubstage herausholen konnte. Er besuchte vorher befehlsgemäß wie alle Soldaten die 'Entlausungsanstalt'. Draußen stand sein 6 Zylinder-Horch. Sämtliche Bekleidungsstücke waren zum Desinfizieren abgegeben und er selbst saß im Adamskostüm wie alle Landser rundum im großen Warteraum. Neben ihm auf den groben Holzbänken saß auch ein Nackedei und rutschte hin und her. Dabei entspann sich folgendes Gespräch: General: 'Was ist denn los, warum so unruhig?' Landser: 'Du hast jut reden, Mensch in einer halben Stunde jeht mein Urlauberzug und wenn ich den nicht mehr erwische, verliere ich fast einen Tag!' General: 'Na rege Dich nicht auf, wenn Du willst, kannste mit mir in den Wagen bis Ostpreußen mitkommen, dann sparst Du noch einen Tag!' Landser: 'Im Wagen, ja kannste denn dat? Fährst Du einen LKW?' 'Nö', darauf der General, 'aber einen PKW.' Landser: 'Ja Mensch, darf'ste denn dat? Bist Du denn der Fahrer?' 'Nö' sagte der General, 'Ich sitze daneben'. Darauf der Landser freudig: 'Mensch dat is knorke, dann warte bloß auf mich!' Der General war eher fertig als sein Nachbar und saß bereits im Auto, als dieser erschien. Verdutzt baute er sein 'Männchen' und blieb starr stehen. Die Generalsuniform verschlug ihm die Sprache. 'Na, ich denke, Du wolltest mit mir fahren', sagte der General. Noch völlig verdattert, setzte sich der Landser dann bequem in den Fond des Wagens und ab gings." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 9, Juni 1970, Seite 2-3]
Belgard an der Persante
Reiter-Kaserne Belgard (Aufnahme vor 1914)
"Bewährte Treue und Kameradschaft des 68. II. (s.mot.) Artl. Regts. Belgard - Der Bonner Generalanzeiger schreibt über das Veteranentreffen im Mai 1980: 'Bornheim-Waldorf. Als im Herbst 1939, kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges, eine Abteilung des II.s.mot.Artl.Regts.68 im Vorgebirgsort Waldorf einquartiert wurde, dachte keiner der Soldaten, die damals ihre zweijährige Dienstzeit ableisten mußten, daran, daß diese Kameradschaft sich zu Freundschaft und lebenslangen Bindungen ausweiten würden, die über Jahrzehnte hinweg andauern. Dennoch müssen es die einheimischen Waldorfer Mädchen den jungen Rekruten, die aus allen Teilen Deutschlands ihren Dienst im Regiment versahen, besonders angetan haben. Immerhin kam es zwischen den Soldaten und 13 einheimischen Bräuten zu Eheschließungen. Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges hatte das 68. Artillerie-Regiment seinen Standort in Belgard a. d. Persante verloren und einige der früheren Angehörigen des Regiments erinnerten sich gerne an die schönen Zeiten im Vorgebirge. Aus diesem Grunde wurde 1948, also heute vor 32 Jahren, erstmals ein Wiedersehen mit den ehemaligen Kameraden und Angehörigen in Waldorf organisiert. Seitdem haben die Artilleristen sich mit Angehörigen 16mal im Vorgebirgsort getroffen, so auch nun in diesen Tagen. Tagungsstätte war das Hotel-Restaurant 'Zum Dorfbrunnen'. Die ehemaligen 68er sind allerdings stolz auf die Tradition ihrer Einheit, die bereits 1808 auf Befehl Napoleons gegründet wurde und am Rußlandfeldzug 1812/13 teilgenommen hat. Die bekannten Heerführer wie der spätere Generaloberst Freiherr von Fritsch und der Generalfeldmarschall von Kluge waren in den Jahren von 1928 bis 1930 und von 1930 bis 1931 Kommandeure des Regiments. Beim jetzigen Kameradschaftstreffen standen ein Besuch des Bundestagshauses, die Kranzniederlegung am Ehrenmal in Waldorf sowie ein bunter Abend im 'Dorfbrunnen' auf dem Programm. Bereits jetzt freuen sich die Teilnehmer auf das nächste Freundschaftstreffen." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 130, Juli 1980, Seite 3]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Die Artilleriekaserne vom Rostiner Weg aus gesehen Die Artilleriekaserne aus Richtung Südwesten
"Von einem Kasinoabend im Juli anläßlich der Manöver in den zwanziger Jahren. Unsere Rundbrief-Leserin Frau Ruth von der Chevallerie schickte mir einen Erlebnisbericht über heiteres Geschehen vor einem halben Jahrhundert. In Anbetracht daß ihr Gatte, der verstorbene Generalleutnant Helmuth von der Chevallerie einstmals bei den Belgarder Husaren im Dienst stand und mit Familie in Belgard wohnte, gewinnt diese Erzählung Interesse bei den Lesern. Zu den damaligen Manövern waren auch ausländische Offiziere zu Gast. In jenem Sommer u.a. drei russische Offiziere, zwei freundliche, aufgeschlossene Frontsoldaten, ihres Zeichens Majore und ein wenig erfreulicher Obersleutnant, ein Kommissartyp, der seine Kameraden nie aus den Augen ließ und möglichst jedes ihrer Worte zu erlauschen versuchte. Die beiden Russen hatten besondere Freude am Alkohol und übertrafen unseren Kavalleristen bei weitem mit dem Quantum, daß sie vertilgten. An meines Mannes Seite saß wiederholt Major Timoschenko, der meinen Mann scheinbar ins Herz geschlossen hatte. Er streckte ihm seine große Pranke entgegen und schüttelte die erheblich schlankere Hand meines Mannes, wobei er ihn immer wieder einlud, nach Rußland zu kommen. Schon gegen 23 Uhr waren die zwei russischen Majore völlig vernebelt, da sie neben der Bowle immer noch Kognak aus Wassergläsern tranken. Nur der Kommissartyp blieb eisern nüchtern und beobachtete seine Kameraden. Später stand Timoschenko schwankend auf und verließ den Kasinosaal. In der allgemeinen Fröhlichkeit fiel das zunächst nicht auf, nur der russische Oberstleutnant wurde langsam unruhig. Er stand auf und alarmierte die Ordonnanzen. Sofort erfuhren es alle Offiziere und es begann ein großes Suchen im weitläufigen Kasinogarten. Die Leutnants ergriffen die vielarmigen Silberleuchter mit brennenden Kerzen und leuchteten hinter jeden Busch. Und siehe da: aus einem Blättergewirr ragten überlebensgroße, derbe Schaftstiefel heraus, an denen man den Major Timoschenko hervorzog. Er hatte sich, wie mein Mann sagte, wie ein waidwunder Keiler in die Dickung geschoben. Vorzeitig am nächsten Morgen waren die Herren Kameraden aus dem Osten abgereist. Generalleutnant Helmuth v. d. Chevallerie verstarb am 1. Juni 1965 im Alter von 72 Jahren und ruht auf dem Südfriedhof in Wiesbaden." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 82, Juli 1976, Seite 8]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Blick vom Rostiner Weg auf die Artilleriekaserne Die Husarenkaserne zu Zeiten der Totenkopfhusaren (die 1. u. 2. Eskadron des 5. Preußischen Reiter-Regiments war seit 1920 in Belgard stationiert und wurde im Jahre 1934 nach Stolp verlegt)
"Zum großen Sammeln geblasen hat der Traditionsverband des Kavallerie-Regiments 5 am 12. Juni 1971 in Hemer. Dessen 1. Vorsitzender, Major a.D. Eberhard Grieser, schließt seine Einladung an alle noch lebenden Regimentskameraden mit der Aufmunterung: 'Nun rangewichst und nicht gezittert'. Dieses Treffen veranlaßt zu einem kurzen Rückblick auf die Belgarder Husarenzeit: Im Mai 1922 wurden hier zwei Eskadronen aus dem Rheinisch-Westfälischen Kavallerie-Regiment 17 aufgestellt und beide trugen auf der Mütze zwischen den Initialen den Leibhusaren-Totenkopf. Die damaligen Lanzenflaggen waren bei der 1. Eskadron schwarz mit weißem, bei der 2. Eskadron weiß mit schwarzem Totenkopf. Bekannte Offiziere: von Walther, von Mackensen (später General-Feldmarschall), von Zanthier, Douglas, von Treskow, von Platen, Wasmuth, von der Chevallerie, Schilling, von Kramer, von Brinken und von Bülow. Der einstige Kommandeur des Leibhusaren-Regiments, Kronprinz Wilhelm, war oftmals in Belgard und nahm auch an der Einweihung der Gefallenen-Ehrentafel des Regiments teil, die in der Vorhalle unserer St. Marienkirche ihren Platz fand." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 21, Juni 1971, Seite 2]

"40. Hochzeitstag feierten am 5. September 1972 Zollbeamter i.R. Werner Witt und Frau Elly geb. Priebe in 896 Kempten, Gesellenweg 3. Ehefrau Elly ist die Tochter des damaligen Gärtnereibesitzers Otto Priebe in Belgard, Färberstraße 6, die Werner Witt während seines ersten Dienstjahres bei der 2. Eskadron des Reiter-Regiments 5 in Belgard kennenlernte. Ja, da war es wirklich ein treuer Husar, wie im bekannten Schlager gesungen. Nach damaligen Bestimmungen bei der Wehrmacht durfte erst nach sieben Dienstjahren geheiratet werden, für Liebende eine gewiß lange auf Probe gestellte Zeit! So fand dann am 5. September 1932 die ersehnte Hochzeit statt. Superintendent Zitzke traute in der Marienkirche das 'schwergeprüfte' Paar, aus dessen Ehe zwei Kinder hervorgingen." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 36, September 1972, Seite 3]

"Auf nach Berlin. Ehemalige Leibhusaren feiern 90. Jubiläum. Am 21. November 1972 jährt sich der Tag der Gründung des 'Vereins ehemaliger Leibhusaren zu Berlin' zum 90. Male. Dieser Gründung wird am 6. und 7. Dezember 1972 wie folgt gedacht: Am 6.12. zwischen 9 und 10 Uhr Kranzniederlegung am Grabe des Generalfeldmarschalls von Mackensen auf dem Friedhof in Celle (Patenstadt) durch eine Berliner Abordnung. Ab 18 Uhr des gleichen Tages Leibhusarentreffen in der Gaststätte 'Burghof' Berlin 41, Hauptstraße 85 in Nähe des Rathaus Friedenau mit gemeinsamen Essen und anschließender Feierstunde. Am 7.12. um 10.30 Uhr Stadtrundfahrt mit anschließend kameradschaftlichem Beisammensein. Anmeldungen zur Teilnahme sind an Kamerad P. Gelewski, 1 Berlin 41, Menkenstraße 26 und für Unterkünfte an Verkehrsamt Berlin 12, Fasanenstraße 7 zu richten. Diese Bekanntgabe dürfte interessieren, da Belgard viele Jahre Garnisonstadt der Leibhusaren war und viele Totenkopfreiter jetzt Leser des Rundbriefes sind." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 38, November 1972, Seite 2]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
"Friedrich der Große am 10.10.1744 an der Spitze
der 'Totenköpfe' nach dem Gefecht bei Moldauthein
durch das sie 'unsterblichen Ruhm' davontrugen"
(erstes Motiv aus der Serienschein-Reihe "Aus
vergangenen Tagen der Belgarder Totenkopfreiter
vormals Leibhusaren in Danzig")
"Ein alter Leibhusar: Generalfeldmarschall von
Mackensen" Ein weiterer Serienschein (Notgeld)
der Reihe "Aus vergangenen Tagen der Belgarder
Totenkopfreiter vormals Leibhusaren in Danzig"
(Generalfeldmarschall von Mackensen weilte oft
bei "seinem" Kavallerie-Regiment 5 in Belgard)
Im Gegensatz zu den "Kleingeldscheinen", welche zwischen 1916 und 1922 auch in Belgard als Notgeld und damit als offizielles Zahlungsmittel ausgegeben wurden, kamen seit 1918 für Sammler bestimmte, graphisch anspruchsvoller gestaltete "Serienscheine" auf den Markt. Die abgebildeten Scheine entstammen der dritten Serie "Aus vergangenen Tagen der Belgarder Totenkopfreiter vormals Leibhusaren in Danzig" mit den Werten 25, 50, 75 Pfennig, 1 und 2 Mark.

"Husarenbrüste waren begehrt. Mit Übernahme der ehemaligen Artilleriekaserne durch das Reiter-Regiment 5, welches die Tradition der Danziger Leibhusaren fortführte, belebte sich schwunghaft der Handel mit Uniformen für Kinder. So konnte man zuerst im 50-Pfennig-Basar der Geschwister Sprenger, im Hause des Bäckermeisters Paul Raasch, Friedrichstraße, vollständige Husarenausrüstungen und auch Einzelteile dazu kaufen. Die Sortimentshäuser E. Runge, W. Maaß und E. Kaske folgten mit diesen Angeboten. Gleich zu Beginn dieser 'neuen Welle' erschien bei Firma Walter Maaß der Buchhändler F.W. Müller aus der Heerstraße und fragte: 'Habt Ihr schon Husarenbrüste?' Bald sah man bei allen Festlichkeiten die 'jüngsten Husaren' stolz den echten nachahmen. Ein besonderer Freund dieser uniformierten Stepken war Rittmeister Douglas, der, wenn eine Eskadron mit Musik, der Kesselpauker vorauf, durch die Stadt ritt und von den am Straßenrand stehenden 'jüngsten Husaren' gegrüßt wurde, mit einem Lächeln deren Gruß militärisch erwiderte. In meiner Eigenschaft als Pressevertreter kam ich bei Veranstaltungen auf dem Kasernenhof oder im Offizierskasino häufig mit dem leutseligen Offizier und ehemaligen Totenkopfreiter Douglas zusammen, dessen Ausspruch stets lautete: 'Wir bleiben was wir waren, die alten Leibhusaren!' Im Laufe der Zeit machte sieh dann auch bei Franz Jastrow im Standesamt durch vermehrte Aufgebote Belgarder Jungfrauen mit Liebhabern des Reiter-Regiments 5 bemerkbar, wie begehrt Husarenbrüste waren." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 3, Dezember 1969, Seite 6] "Goldene Hochzeit feierte am 14. Oktober 1971 das in 1 Berlin 42, von Richthofen-Straße 18 wohnhafte Ehepaar Paul Kranzusch. Kranzusch war beim Belgarder Reiter-Regiment 5 Oberbeschlagmeister. Seine Gattin ist die zweitälteste Tochter des damaligen Bauunternehmers Karl Dallmann, Belgard, Luisenstraße 18. Der 14. Oktober des Jahres 1921 war ein wunderschöner Altweibersommertag, so recht zum Hochzeitmachen. In schmucken Husaren-Kutschwagen fuhr man zur Marienkirche, wo Pastor Bartholomäus das glückliche Paar traute. Der Ehe entsprossen drei gesunde Kinder. Der älteste Sohn war im Kriege Oberleutnant zur See, der zweite war Fähnrich zur See und starb 1947 an den Folgen eines Kriegsleidens. Die Tochter wurde am 23.3.1940 geboren. Nach Ausscheiden aus der Wehrmacht wurde Paul Kranzusch zur Justiz nach Berlin einberufen. Obwohl der mit Leib und Seele gewesene Totenkopfreiter ein am 12. Oktober 1895 geborener Kreis Stolper Jungchen ist, bezeichnet er die alte Garnisonsstadt Belgard, wo er sein großes Glück fand, als seine zweite Heimat, der er aufrichtig nachtrauert." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 25, Oktober 1971, Seite 6]

"Wie Belgard im November 1918 die heimkehrenden Soldaten empfing. Unter Jubel zogen die Batterien in ihre geschmückte Garnisonstadt. Es war eine tolle Zeit, das Jahresende des Unglücksjahres 1918. Umso mehr ist anzuerkennen, und es spricht für den nationalen Sinn der Belgarder Einwohner, wie sie ihre Artilleristen feierlich und freudig inmitten der haßerfüllten marxistischen Welt begrüßten. Am 28. Dezember 1918 sollte die II/2 nach erfolgter Demobilisierung in Kolberg in ihre alte Garnison Belgard übersiedeln. Die Batterien bestanden jetzt nur noch zum Teil aus freiwillig verbliebenen, kriegserprobten Mannschaften, zum größeren Teil aus Wehrpflichtigen der Jahrgänge 1898 und 1899, mit denen die Batterien aus der Ersatz-Abteilung aufgefüllt waren. Der Abmarsch verzögerte sich dadurch erheblich, daß diesen Leuten die Geschicklichkeit der in vier Kriegsjahren sehr handfertig gewordenen alten Mannschaften fehlte. Über diesen Marsch und der empfangenen Eindrücke berichtet der noch wochenlang im Dienst gebliebene Leutnant a.D. Rubach in sehr anschaulicher Weise: 'Beim Abrücken gegen mittag setzte dichtes Schneetreiben ein, das zeitweise durch prasselnde Hagelschauer unterbrochen, den ganzen Nachmittag über anhielt. Wenn irgendwann Mann und Pferd während der Kriegsjahre bis auf die Haut durchnäßt waren, so wurde dieser Zustand auf diesem letzten, immerhin 40 Kilometer langen Marsch womöglich noch übertroffen. Die Schneeflocken tauten auf der Erde sofort zu einer grauen Schlammschicht auf, und auf den Männern bildeten sich dichte, schmelzende Schneehaufen, in die hohen Stiefel drang langsam Wasser und die Feuchtigkeit drang nach kurzer Zeit von überall her durch. Den Pferden schlugen die nassen Mähnen und Schweife um die Leiber. Mit einem Wort: es wurde ein ganz schweinemäßiges Vorwärtskommen von über sechs Stunden gegen Wind und Wetter. Mit sehr gemischten Gefühlen vernahmen wir daher, nachdem die Spitze endlich, schon nach Eintritt der Dunkelheit, die Belgarder Kasernen erreicht hatte, die Einladung der Stadt, zur Begrüßung noch zum Marktplatz zu marschieren. Die Stimmung der uns erwartenden Bevölkerung wurde jedoch so dringend geschildert, daß wir unter Zurücklassung der Bagage doch noch mit den Geschützen den Marsch in die Stadt antraten. Der Jubel, der uns beim Einmarsch in die festlich geschmückte Stadt und dann auf dem mit vielen hundert Fackeln erleuchteten Marktplatz empfing, war so übermächtig, die Begrüßung so herzlich, daß eine heiße Welle der innigsten Zusammengehörigkeit sofort jeden einzelnen Mann erfaßte. Ein Erlebnis für alle, das nie vergessen wird. Als dann der Bezirks-Kommandeur, Major Freiherr von Kittlitz, nach dem Aufmarsch vor dem Rathaus die heimkehrende Truppe begrüßte, an deren Schicksal jeder einzelne Bürger der Stadt vier Jahre lang mit jeder Faser des Herzen gehangen hätte - da fühlten wir uns beschämt, als Helden gefeiert zu werden, die wir doch in einfachster Selbstverständlichkeit da draußen mit so vielen Millionen zusammen nur unsere Pflicht getan hatten. Aber für Augenblicke ließen uns die warmen Worte vergessen, daß unserer Arbeit der Segen gefehlt hatte, daß wir diesen braven Leuten unter so erbärmlichen Umständen vor Augen treten mußten. Sie selbst vergaßen es wohl und sie fühlten nur ihre alte Garnisonstruppe zurückgekehrt, sie sahen unsere verdreckten Waffenröcke, unser kriegsmäßiges Gepäck und die braven Feldgeschütze, die so oft mit wütendem Lärm das Glück der Waffen zu unseren Gunsten gewendet hatten. Auch der Bürgermeister der Stadt, Dr. Trieschmann, sprach noch herzliche Begrüßungsworte und Major Schulz-Welchhausen stattete den Dank der Truppe ab. Währenddessen reichten freundliche Bürgerstöchter den durchnäßten Kriegern Blumen, Grog und belegte Brote, wodurch auch das körperliche Wohlbefinden sich hob. 'An die Pferde! Batterie zu einem rechts brecht ab - marsch!' Zum letzten Male nach diesen langen Jahren! Langsam rollen die Geschütze durch die geschmückten Straßen nach dem Kasernenhof. Duftendes Heu, frisches Stroh, trockener, warmer Stall erwarteten die müden Pferde und duftender Punsch, Berge von Kuchen, weiche Betten in geheizten Stuben die durchfrorenen Kanoniere." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 134, November 1980, Seite 10]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Das Bezirks-Kommando in Belgard Das Gefallenendenkmal von Wilhelm Otto nach
seiner Entfernung vom Marktplatz Anfang der
dreißiger Jahre nun auf dem Neuen Friedhof
an der Körliner Straße
"Die in Belgard damals vorhandenen Sägewerke Utech, Trzebiatowsky, Schulz, Boden, Dallmann und Höhne gaben zeitweise Holzabfälle verbilligt ab. So zog man fast jeden Monat per Handwagen zu einem der erwähnten Holzplätze und deckte sich mit Brennmaterial ein. Wir fuhren mit dem vom Hauswirt geliehenen Handwagen zu dem Baugeschäft Wilhelm Utech an der Körliner Chaussee. Im Kontor erhielt man für 50 Pfennig einen Gutschein für eine Fuhre Schwarten oder Bretterabfälle. Von dem alten Platzmeister Schmidt wurden die Leute gut und reichlich bedient. Blaffig wurde er nur, wenn die jungen Leute im Büro den Kunden immer sagten: 'Diesen Schein geben Sie draußen dem Herrn Pumjetzki!' Wir dachten nichts Arges und redeten den Platzmeister auch so an. Erschrocken waren Großmutter und wir Jungens, als uns nun der Platzmeister anpfiff: 'Ick wa ju bal bi Pumjetzki, ick bin for Ihnen Herr Platzmeister Schmidt!' Wir entschuldigten uns und sagten, daß man uns den Namen drüben im Kontor genannt habe. 'Jo, derer Lümmels seggen tau mi all Dog anners, de voricht Woch hieß ick Piesebeck, jestern Mullach, un hüt' segge's Pumjetzki!', sagte erbost der Platzmeister Schmidt und warf wütende Blicke zum Fenster des Baubüros, von dem Gelächter der Angestellten hörbar war." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 18 März 1971, Seite 6]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Die Klar-Stiftung, eine Einrichtung der
Inneren Mission vor den Toren der Stadt

Die als Klar-Stiftung bezeichnete Anlage an der Körliner Straße (Aufnahme Anfang der dreißiger Jahre), welche aus dem Johannishaus (Trinkerrettungsanstalt), der Einrichtung für Waisen und Fürsorgezöglinge (der eigentlichen Klarstiftung) und dem Ernst-Flos-Hof (einem Lehrlingsheim) bestand. Superintendent Dr. Emil Klar war der Initiator dieses Projektes und der Spendensammlungen für das Johannishaus (eingeweiht 1902) und die Einrichtungen für Waisen und Fürsorgezöglinge (1925).
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Die Klar-Stiftung hier bereits mit
umfangreichen Erweiterungsbauten
Der Gebäudekomplex der Klar-Stiftung
an der Körliner Straße
"Nachruf. Zwischen mir und dem Tod ist nur ein Schritt. Die Wahrheit dieses Sinnspruches hat alle überzeugt, die von dem so plötzlichen Ableben Traugott Pascheke erfahren hatten. Auf einem Spaziergang im benachbarten Wald erlitt Pascheke einen Herzinfarkt, den zweiten nach einem halben Jahr. Obwohl ärztliche Hilfe rasch zur Stelle war, gelang es nicht, sein Leben auf Erden noch zu retten. Eine andere Welt hatte ihn schon aufgenommen. Am 2. März 1905 erblickte Traugott Pascheke das Licht der Welt und verbrachte seine Jugendjahre, wo sein Vater Diakon und Hausverwalter der Dr. Klar-Stiftung an der Körliner Chaussee in Belgard war. Er begann seine Berufslaufbahn als Eleve bei der Landwirtschaftskammer in Stettin und war später, bis 1945 bei der Grünland-AG unter Direktor Fritz Baerwald tätig. Von 1934 bis zur Vertreibung 1945 war er Ratsherr in Belgard, danach in russischer Gefangenschaft. Ab 1949 war er Prokurist in Osterode / Harz und siedelte 1958 mit seiner Gattin Sigrid, Tochter des Gärtnereibesitzers Krueger aus Belgard, nach Speyer. Hier wurde er Buchprüfer beim Evangelischen Landeskirchenamt. Zudem war er seit 1958 erster Kreis- und Stadtverbandsvorsitzender des Heimkehrerverbandes Speyer und seit 1970 Landesschatzmeister des Sozialwerkes der Pommern in Rheinland-Pfalz. Durch seinen persönlichen Einsatz war Traugott Pascheke zum Vorkämpfer der deutsch-französischen Verständigung geworden. Für seine Verdienste um die Völkerverständigung wird ihm am 21. April 1978 die Ehrennadel des Landes Rheinland-Pfalz verliehen. Die Partnerschaft des Speyerer Stadtverbandes mit der CIAPG-Sektion in Chartres / Frankreich ist sein Werk. Zur Beisetzungsfeier des Verstorbenen am 27. November 1980 war auch eine Abordnung ehemaliger französischer Kriegsgefangener mit ihrer Fahne aus Chartres erschienen. In der fast überfüllten Trauerhalle und am Grabe sprach der neue, erst kurze Zeit in Speyer amtierende Pastor Tettenbach tiefempfundene Abschiedsworte zum plötzlicher Tode des segensreich gewirkten Traugott Pascheke, des aufrechten Christen und guten Deutschen." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 135, Dezember 1980, Seite 7]
Belgard an der Persante
Die Kolberger Vorstadt, der westliche Teil Belgards
"Übersicht des westlichen Teils von Belgard, den man die Kolberger Vorstadt nannte. Rechts von der Körliner Chaussee gegenüber der Kaserne war der Lülfitzer Weg und zur linken Seite lag die Domäne Uhlenburg, damals von dem Bauern Schaffner gepachtet. Angrenzend lag der große Exerzierplatz für die Belgarder Garnison. Von hier aus dröhnte häufig Kanonendonner, wenn das 1. Pommersche Feld-Artillerie-Regiment Nr. 2 Schießübungen abhielt. Nach dem ersten Weltkrieg war das 5. (Preußische) Reiter-Regiment Nutznießer dieses Geländes. In Richtung zur Körliner Chaussee lagen die Anwesen der Dr. Klar-Stiftung: Johannishaus mit Kirche und Ernst Flos-Hof, ein von Superintendent Dr. Emil Klar geschaffenes und nach dessen Tode von Superintendent Johannes Zitzke weitergeführtes Werk der Inneren Mission. Gegenüber der Fuchsberg, wo wir Schuljungen immer gern spielten. Weiter auf Körlin zu herrschte der 'Fürst vom Komet', Bauer Reinhold Priebe. So hatte alles Wert und Bedeutung, was wir umso mehr ermessen, seit wir es verloren." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 81, Juni 1976, Seite 3]

"Körlin an der Persante, im Volksmund 'Klein Paris' genannt, war auch für Belgarder von jeher ein Anziehungspunkt. Viele zog es nach dem etwas versteckt in der Kösliner Straße gelegenen 'Klimbim', so nannte man die von den Eheleuten Müller und Sohn Paul bewirtschaftete Gaststätte 'Reichsgarten'. Zum Tanz spielten immer ein Pianist und ein Stehgeiger, Franz R. und Hans S. von der Belgarder Jungsturmkapelle. Und das zog! Wie gewöhnlich war die Damenwelt auch hier in der Mehrheit, was Veranlassung gab, für das nächste Mal einige flotte Tänzer aus Belgard auf den Plan zu bringen. So wurde der nächste Sonntagabend im Evangelischen Jünglingsverein geschwänzt und einige Freiwillige von der Jungsturm-Abteilung 38 für den 'Klimbim' 'abkommandiert. Den Höhepunkt des Tanzabends bildete ein Mondscheinwalzer. Aus einer Ecke des Saales blinzelte auf einem erleuchteten Lampion der gute Mond den Tänzern zu. Sonstige Beleuchtung war ausgeschaltet. Wie vorauszusehen sang und tanzte bei diesem Walzer alles mit, es war mehr ein Promenieren und Lustwandeln im trauten Dämmerlicht. Bei dem letzten Walzertakt ließ ein Witzbold in dem Gewühle unbemerkt ein Damen-Bekleidungsstück fallen. Als der Tanz beendet und der Saal wieder erleuchtet war, sah man inmitten der Tanzfläche die 'Unaussprechlichen in Rosa' liegen. Sie wurden, da sich niemand traute, Ansprüche auf das 'Verlorene' geltend zu machen, meistbietend versteigert. Der Zuschlag entfiel auf ein Körliner Fräulein, das vorwitzigerweise eifrig mitgeboten hatte und nun rechtmäßige Besitzerin dieses Bedarfsartikels wurde." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 4, Januar 1970, Seite 3]
Belgard an der Persante
Gruss aus Belgard - Kirchhofs-Allee
(Aufnahme vor 1914)
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Blick von der Brücke Jägerstraße auf die Leitznitz,
im Hintergrund die Brücke an der Kirchstraße
(Aufnahme 1930)
Blick von der Brücke Kirchstraße auf die
Leitznitzpromenade in Richtung Jägerstraße
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Blick von der Wilhelmstraße in Richtung Kirchstraße, rechts hinter der Brücke, wo noch in meiner Kindheit ein Seiler seine Seilerbahn (oder "Reeperbahn") hatte, lag zu meiner Schulzeit hinter einer Hecke am Gymnasialpark der Turnplatz von Gymnasium und Lyzeum (Aufnahme vor 1914) Blick auf Leitznitz und Leitznitzpromenade von der
Wilhelmstraße aus in Richtung Kirchstraße
Belgard an der Persante Abbildung in Vorbereitung
Blick auf die Leitznitz in Richtung Kirchstraße
von der letzten Brücke vor der Wilhelmstraße aus
Blick von der Brücke Kirchstraße
in Richtung Wilhelmstraße
Belgard an der Persante Abbildung in Vorbereitung
Leitznitz und Leitznitzpromenade kurz nach
der Jahrhundertwende: Blick von der Brücke
Jägerstraße auf die Brücke Kirchstraße
Partie an der Leitznitz (vor 1910)
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Promenade an der Leitznitz auf Höhe Wallstraße
(Aufnahme um 1900)
Leitznitz und Leitznitzpromenade etwas weiter
in Richtung Kirchstraße, im Hintergrund
die Brücke Kirchstraße
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Frauen beim Spülen der Wäsche in der Leitznitz Ich erinnere mich daran, als Kind noch Anfang der
dreißiger Jahre an der Leitznitz Frauen beim
Spülen der Wäsche zugesehen zu haben.
"Großer Waschtag vor über 60 Jahren in Belgard. Solch Spektakel dauerte gewöhnlich drei Tage. Heute ist es kein Problem, für eine Familie oder Einzelpersonen, Leib- und Haushaltswäsche zu reinigen. Fast unglaublich erscheint dem Leser meine Schilderung, wie so ein alle zweiwöchentlicher Waschtag vor über 60 Jahren in der guten, alten Zeit in Belgard vonstatten ging: Dies war immer eine besondere Begebenheit, und der ganze Aufwand erforderte drei bis vier Tage, oft auch mehr, denn es hing ja stets vom Wetter ab. Da half dann die ganze Familie mit, und oft wurde noch zusätzlich eine Waschfrau engagiert. Die Kinder hatten zwei freie Schultage. Das war ja das schönste an der ganzen Sache. Am Vortage wurde die auf dem Hofe befindliche Waschküche hergerichtet, die hölzernen Waschbütten gereinigt und ein großer Bottich mit Wasser gefüllt, wo dann die Schmutzwäsche bis nächsten Morgen eingeweicht wurde. Wir größeren Kinder mußten von der etwa 40 Meter entfernten Straßenpumpe Wasser schleppen. Im strengen Winter war die Pumpe oft eingefroren, weil die Stadtverwaltung bei Frostgefahr es versäumt hatte, diese mit Stroh und Decken einzupacken. Dann mußten wir Wasser aus dem Leitznitzbach holen und, wenn dieser eine Eisdecke hatte, hier erst ein Loch reinschlagen. Für den Herd mit großem Kupferkessel oblag mir die Versorgung mit extra dickem Brennholz und Brikett. Als Beleuchtung der Waschküche diente eine große Wachskerze oder eine kleine Petroleumlampe, je nach dem, was der Mutter billiger im Verbrauch erschien. In aller Frühe des nächsten Tages traten die Frauen mit Waschbrett, Bürste und Schmierseife in Aktion, während wir Kinder uns auf den Nachmittag vorbereiten. Dann ging es zur 'Spül an den Bach'. Mit Handwagen zogen wir die in großen Körben befindliche Naßwäsche zum 200 Meter vom Hause entfernten Bach, wo die Frauen die Lauge aus den einzelnen Wäschestücken mehrmals spülten. Oft entglitt ihnen ein Wäschestück und schwamm davon. Manchmal eroberten wir das 'Treibgut' zurück, trugen dann aber als Barfüßer blutende Fußverletzungen davon, weil das Bachbett mit vielen Scherben, Blechbüchsen und sonstigem Unrat, bisweilen auch Tierkadaver, versehen war. Gegenüber der Spüle war ein großer Trockenplatz, und wenn dieser nicht besetzt war, wurde die Wäsche sofort 'gewrungen' und aufgehängt. Bei Eintritt der Dunkelheit wurde alles abgenommen und die noch nasse Wäsche daheim auf dem Hof oder Hausboden aufgehängt. Meistens konnte am dritten Tage die Fahrt zum Mangeln angetreten werden. Solche Wäschemangeln befanden sich in mehreren Stadtteilen, und für uns war es angenehm, daß Sattlermeister Ernst Söhnert, unserem Hause gegenüber, ein solches 'Monstrum' in seinem rückwärtigen Hausanbau stehen hatte. Dies war eine etwa fünf Meter lange, mit Steinen gefüllte und großem Schwungrad versehene Wäschemangel mit Handdrehbetrieb. Zwei Personen hatten schon tüchtig zu drehen. Als Benutzungsgebühr zahlte man pro Stunde zwanzig Pfennig. Drehte man zu schnell und nicht gleichmäßig, oft mit Rücksicht auf die noch wartenden Kunden, so wurde die Wäsche knüllig, und Mutter mußte dann am, nächsten Tage noch einzelne Stücke bügeln, wir sagten 'plätten'. Schnell ging es dann zu 'Pamelmänne', so nannten wir Bäcker Hermann Krüger, um für 30 Pfennig Plättkohlen zu kaufen. Das waren Überreste vom kleinen Holzteilchen aus dem Backofen. Unser Bügeleisen wo ein gußeiserner Wolf ohne Beine, wo hinein einige glühende Briketteile mit den erwähnten Plättkohlen gelegt wurden. Durch Anpusten unterm Schwanz hauchte der 'Plättwolf' dann meist staubige Asche aus seiner 'Schnauze', und wenn man nicht Obacht gab, wurde die saubere Wäsche leicht bestäubt. Das war natürlich ärgerlich, jedoch wurde dies immer in Kauf genommen. Wir Kinder waren der Arbeit wegen immer froh, wenn diese Waschtage vorüber waren; doch die beiden schulfreien Tage waren auch ganz schön. - F. Schulze" [Aus dem Lande Belgard, Nr. 130, Juli 1980, Seite 10]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
.Blick aus Richtung Wilhelmstraße auf
Leitznitz und Leitznitzpromenade, im
Hintergrund die Brücke Kirchstraße
Der Beginn des Poetensteiges gleich hinter der
Brücke Wilhelmstraße, rechts müßte sich
das St. Gertrud-Stift anschließen
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Der Poetensteig an der Leitznitz, wo ich mit meinen Eltern spazieren ging oder gemeinsam mit Schulkameradinnen mit dem Fahrrad zum Schwimmbad fuhr. Leitznitz und Poetensteig etwas weiter in Richtung Schwimmbad, wo ich auf dem Fahrradweg an der linken Seite der Leitznitz als Kind mit Herrn Kuchenbäcker, einem Angestellten aus unserem Geschäft, das Fahrradfahren lernte.
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Am Beginn des Poetensteigs mit Blick
in Richtung Wilhelmstraße
Am Poetensteig in Richtung Schwimmbad
und Rotes Fließ
"Pfingstmorgen 1910 am Belgarder Leitznitzbach. Das ist jetzt genau 60 Jahre her. Damals machten wir drei Geschwister unter Aufsicht von Techniker Gerhard Krahe der als Untermieter bei uns im Hause Friedrichstraße 35 wohnte, befehlsgemäß einen Morgenspaziergang zu dem idyllisch gelegenen Leitznitzbach. Jeder von uns bekam den Auftrag, ein Stück der Fotoausrüstung zu tragen. Ich trug das große schwarze Tuch. Dort angekommen, bastelte der Herr Krahe sein Stativ und den Fotoapparat zusammen. Wir mußten mehrmals unsere Aufstellung und den vorgeschriebenen Gesichtsausdruck proben, bevor wir dann endlich 'abgenommen' wurden. Das Mädchen Charlotte wurde im späteren Leben die Gattin des früheren Justizoberinspektor Otto Gülzow und wohnt heute in 3392 Clausthal-Zellerfeld, Zellbach 16. Die Figur in der Mitte ist der Verfasser und Herausgeber der Rundbriefe 'Aus dem Lande Belgard'. Der Stepke Hans mit den weißen Strümpfen ist der in den zwanziger Jahren verstorbene Präparand und Leiter der damaligen Belgarder Jungsturmkapelle 38 'Freiherr von Lützow'." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 8, Mai 1970, Seite 2]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Auf dem ersten Abschnitt des Poetensteigs, rechts von der Leitznitz der Spazierweg und links der Radfahrweg, der bis zum Schwimmbad asphaltiert war, ganz links der Zaun eines großen Gartens hinter einem Mietshaus für Angestellte der Belgarder Überlandzentrale, wo ich als Kind oft mit meiner Freundin Annemarie Krüger spielte. Im Hintergrund die Brücke zur Kösliner Vorstadt auf der linken Seite der Leitznitz, wo ich auf dem Teich an der August-Petri-Allee Schlittschuhlaufen lernte, rechts die Einmündung des Koppelweges, wo gleich zu Beginn die Gärtnerei Gutzke lag.
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Der Poetensteig tief verschneit Partie an der Leitznitz (Aufnahme vor 1914)
Belgard an der Persante
Das Rote Fließ am Ende des Poetensteiges
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Am Roten Fließ: Poetensteig mit Schleuse Schleuse und Brücke über das Rote Fließ
Belgard an der Persante
Brücke und Schleuse am Roten Fließ
Belgard an der Persante
Das Schwimmbad am Poetensteig in Belgard: Im Hintergrund links eine Liegewiese,
ein Flachbau aus Holz mit Umkleideräumen und einem kleinen Café.
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Das Belgarder Schwimmbad wurde am Sonntag, 30. August 1930 eingeweiht und vom damaligen Regierungspräsidenten Dr. Cronau aus Köslin seiner Bestimmung übergeben. Hier lernte ich als Kind an der Angel des Bademeisters schwimmen. In den ersten Kriegsjahren kam ich auch mit der Schule im Rahmen des Sportunterrichtes hierher, wobei wir zunächst mit den Fahrrädern über den Poetensteig gemeinsam zum Schwimmbad fuhren, um dann unter der Leitung unserer Sportlehrerin für Prüfungen wie etwa den Freischwimmer oder den Fahrtenschwimmer zu trainieren.
"Es war ein heißer Augustsonntag des Jahres 1930, der zum denkwürdigen Tag in der Geschichte der Persantestadt Belgard wurde. Es galt, das mit großem Kostenaufwand auf einen Teil des früheren Exerzierplatzes und der Pferdewiesen an der Polziner Chaussee fertiggestellte Sport- und Schwimmstadion seiner Bestimmung zu übergeben. Außer den Schulen und Sportvereinen nahm auch die Bevölkerung an dieser einmaligen Veranstaltung regen Anteil. Eine wahre Völkerwanderung belebte seit den frühen Morgenstunden den damals schon verkehrsreichen Stadtteil. Auf dem Festgelände hatte ich Mühe, bis zur Tribüne des Festkomitees vorzudringen, um als Vertreter von acht pommerschen Tageszeitungen den Ablauf des Programms genau mitzubekommen. Plötzlich stand ich neben der 'Spitze des Kreises', Landrat Dr. Janzen, der die Festansprache hielt. Wenn ich auch nur einen Stehplatz bekam, so war ich doch vor der brütenden Mittagssonne in Deckung und konnte alles gut beobachten und notieren, was die Leute am nächsten Tage lesen sollten. Einige Programmpunkte waren schon abgelaufen. Da kam plötzlich Unruhe und Bewegung in die Menschenmenge, im nahen Bauerndorf Klempin stiegen Rauchwolken auf. Erst sah man ein Gehöft in Flammen, dann zwei und in wenigen Minuten waren es wohl schon vier. Funkenflug und Hitze des Tages trugen zur schnellen Ausbreitung des Feuers bei, begünstigt durch die damals zumeist strohbedeckten Fachwerksgebäude. Der Landrat kürzte seine Ansprache und begab sich sofort nach Klempin, Unbemerkt folgte 'Presseschulze'. Im Affentempo über die Pferdewiesen, dann querfeldein hatte ich das benachbarte Klempin erreicht. Die letzten hundert Meter legte ich auf einer aus allen Richtungen zum Brandort eilenden Feuerspritze, meist pferdebespannte ältere Modelle, zurück. Inzwischen hatte die Glutwelle acht Gehöfte erfaßt und zum Teil eingeäschert. Im weiten Umkreis der mehrfachen Brandstellen lief herausgetriebenes Vieh umher, gerettetes Mobiliar und landwirtschaftliche Geräte lagen verstreut in der Gegend. Die gut ausgefallene Ernte hatte man Tage zuvor fleißig eingefahren. Die in Klempin ansässigen Störche waren, als ahnten sie kommendes Unheil, schon abgezogen. Das verheerende Feuer entstand in der Scheune des Bauern Lassahn und griff sodann auf die Gehöfte Hardtke, Syring, Clawien, Manke, Krüger, Krause und Rubow über. Die Entstehungsursache war bald geklärt: Kinder hatten in der offenen Scheune des Bauern Lassahn mit Streichhölzern gespielt und sind, als plötzlich umherliegendes Stroh brannte, mit lautem Geschrei davongelaufen. Inmitten dieses Bild des Grauens stand Gemeindevorsteher Rubow im Gespräch mit Landrat Dr. Janzen. Als dieser mich sah, meinte er verwundert: 'Sie waren doch eben erst bei der Schwimmbad-Einweihung und jetzt sind Sie schon wieder hier?' - Ich weiß heute nicht mehr, was ich hierauf geantwortet habe. Jedenfalls übergab ich dem Landrat am nächsten Vormittag in seinen Zimmer im Kreishaus als zusätzliche Beantwortung einige Zeitungen, in denen meine Berichte über die zwei großen Geschehen am Vortage veröffentlicht waren. Seitdem wußte Landrat Dr. Janzen noch mehr als bisher den Wert der bei Behörden häufig gefürchteten Presse zu schätzen." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 131, August 1980, Seite 10]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Der Sprungturm am großen Beckens, am
anderen Ende ein Kinderbecken und
eine weitere große Liegewiese.
Liegewiese und Kinderbecken des Belgarder Schwimmbades, wo ich im Sommer manchmal mit meinen Eltern, häufiger jedoch mit Schulkameradinnen oder auch mit meiner kleinen Schwester Anneliese baden ging.
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Blick vom Sprungturm auf das große Becken und
das Gelände des neu angelegten Schwimmbades
Einige Jahre später, das Gelände nun eingewachsen
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Der Sportplatz neben dem Schwimmbad, der neben dem Fußballplatz und den Laufbahnen mit allen weiteren Einrichtungen für Hoch- und Weitsprung, Kugelstoßen etc. ausgestattet war. Hier fanden Ende der dreißiger Jahre bis in den Krieg hinein auch die alljährlichen Sportwettkämpfe der Hitlerjugend statt, an denen ich als unsportliches BDM-Mädchen nur sehr ungern teilnahm.
"[....] Lehrer i. R. Rudolf Tober, in 495 Minden, Petershager Weg 14c, der am 17. April seinen 70. Geburtstag begeht. Rudolf Tober hatte von Januar 1932 bis Juli 1940 in der benachbarten Gemeinde Klempin die Lehrerstelle inne und war auch bekannt als Vorsitzender des Turn- und Sportvereins in Siedkow. Als solcher wurde er stellvertretender Fackelläufer zur Olympiade 1936 auf der Strecke Bad Polzin - Belgard. Nach seiner Rückkehr aus dem Polenfeldzug wurde Rudolf Tober Schulleiter in Rebkun Kreis Kulm bis zur Flucht 1945. Tober mußte viele Etappen des Leidens durchmachen, bis er im März 1947 den Schritt über die Elbe wagte und durch das Lager Ülzen wieder in den Schuldienst kam. So zunächst bis 1957 in Banteln Kreis Alfeld und bis April 1965 in Hoyershausen. Seit der Pensionierung verbringt der ehemalige Schulmeister mit Frau Liselotte geborene Ziehlke seinen ungetrübten Lebensabend in der Weserstadt Minden." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 31, April 1972, Seite 4]

"74. Geburtstag feierte am 15. Oktober 1972 Klempnermeister Bruno Kutz in 237 Rendsburg, Schleußkuhle Nr. 19/21, früher Belgard, Ritterstraße. Als Geburtstagsgeschenk folgende Erinnerung: In den zwanziger Jahren spielte Bruno Kutz (im Belgarder Volksmund 'Löter' genannt) den Mittelläufer der 1. Mannschaft im VfB 1911. An einem Sonntag war diese Mannschaft zu einem Spiel nach Neustettin verpflichtet. Alles war zur Abfahrt am Bahnhof, nur 'Löter' hatte den Zug verpaßt. So fuhr man in gewisser Sorge, ein Bezirks-Ligaspiel mit 10 Mann nicht gewinnen zu können. Doch Wunder gab es damals schon! Als der Zug in Neustettin hielt, begrüßte 'Löter' schmuck im Sportdreß seine Mannschaft. Als Rennfahrer war er mit seinem Stahlroß mit dem Personenzug 40 Kilometer um die Wette gefahren. So wurde das Spiel für die Belgarder doch noch gewonnen." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 38, November 1972, Seite 4]
Belgard an der Persante
Die Steingartenanlage hinter dem Schwimmbad mit einer vom Belgarder Künstler und Bildhauer Joachim Utech geschaffenen Sandstein-Skulptur, welche auf der Vorderseite Flora, die Göttin des Frühlings, auf der Rückseite den Winter als Kopf eines Greises mit langem Bart, zeigte (Aufnahme dreißiger Jahre).
Belgard an der Persante
Sportanlage und Schwimmbad aus Richtung Südwesten, rechts die Bäume entlang
der Leitznitz, am oberen Ende der Baumreihen der Steingarten mit Utechs Flora
und die "Eisbahn", d.h. die sogenannten Pferdewiesen, die im Winter von der über
ihre Ufer getretenen Leitznitz überflutet und dann zugefroren waren. Hier sind vor
dem Ersten Weltkrieg schon mein Vater Erwin Maaß und Onkel Heinz Maaß als
Kinder Schlittschuh gelaufen. Im Kriegswinter 1943/44 erzählten die jungen
Soldaten aus unserem Freundeskreis, daß die Eisfläche zeitweise abends
auch beleuchtet gewesen sein soll (vermutlich mit Flakscheinwerfern).

"Olympiaprüfung in Pommern. In Belgard waren sämtliche Turnhallen der Stadt durch die Turner besetzt. An einem Lehrgang, der das Kreisgruppenturnfest vorbereitete, nahmen 60 Turner und 35 Turnerinnen aus 23 Vereinen teil. In einer anderen Halle lief ein Olympia-Vorbereitungsturnen, an dem die besten pommerschen Geräteturner teilnahmen. Als besonders veranlagt stellten sich heraus: Kupfer (Belgard) und Bohrenfeld (Torgelow). In der größten Turnhalle waren zu gleicher Zeit Gerätewettkämpfe für Jugend und Schüler im Gange, zu denen 200 Wettkämpfer antraten. Von diesen errangen 59 den wohlverdienten Eichenkranz. In dem Kunstturnen am Nachmittag siegten: 1. Kanis (Zoppot) 74 P., 2. Gaebert (Korporation) und Illius (Turnklub) je 65 P., 3. Bohrenfeld (Torgelow) 64 P., 4. Felix (Korporation) 62,5 P., 5. Michna (Pasewalk) 62 P., 6. Reepschläger (Belgard) 61,5 P. - Belgarder waren schon immer siegreich! Wie aus dem [....] Zeitungsbericht ersichtlich, wurden darin Adalbert Kupfer und Gerhard Reepschläger ganz besonders erwähnt. Heute sind beide Spitzensportler geruhsame Rundbrief-Leser!" [Aus dem Lande Belgard, Nr. 133, Oktober 1980, Seite 7]
Junkers Luftbild Luftaufnahme Fliegeraufnahme Fliegerphoto Fliegerfoto
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Das Wichernhaus, evangelisches Altenheim an
der Kösliner Straße, wo ich als Kind mit meiner
Großmutter Elfriede Alverdes manchmal eine
Bekannte besuchte. Das Gebäude verfügte bereits
damals über Einzelzimmer, in welche die Bewohner
ihre eigenen Möbeln mitbringen konnten.
Wichernhaus und Maria-Martha-Haus (rechts).
Im Wichernhaus nahm ich ab 1943 als Vorbereitung
auf mein späteres Zahnmedizinstudium in
Greifswald
bei einer alten Dame Lateinunterricht
(die ersten lateinischen Worte, die ich hier lernte,
waren "stella micat" - der Stern flimmert).
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Das Wichernhaus aus einer etwas
ungewöhnlichen Perspektive
Das Wichernhaus in den dreißiger Jahren
(von der Kösliner Straße aus gesehen)
Zum Wichernhaus: "In der Blumenstraße, später in Hindenburgstraße umbenannt, stand neben der Gustav Klemp'schen Buchdruckerei, Nachfolger Johannsen, ein villenartiger, roter Ziegelsteinbau. Hier wohnte der Kreisbaumeister Julius Kleedehn, dessen Name in Belgard einmalig war. Am 30. Oktober 1868 in Bad Polzin geboren, besuchte der junge Kleedehn das Gymnasium in Königsberg / Neumark und entschied sich beruflich für das Baufach. Die praktische Ausbildung erhielt er in Stettin, Gollnow, Deutsch Krone und auf der Technischen Hochschule in Charlottenburg. Seiner Militärdienstpflicht genügte Kleedehn beim Stettiner Pionier-Bataillon 17 und durch Ableistung von Reserve-Übungen. Dann war Kleedehn bis 1897 Architekt und Bauführer bei der Königlichen Ansiedlungskommission in Posen. Nach vierjähriger Tätigkeit als Amtsbaumeister in Recklinghausen folgte er einer Berufung zum Kreisbaumeister nach Belgard an der Persante. Diese seine Laufbahn wurde durch den ersten Weltkrieg unterbrochen, den Kleedehn teilweise als Hauptmann und Kompanie-Führer einer Landwehr-Pioniereinheit an der Ostfront mitmachte. Wegen einer sich zugezogenen Erkrankung wurde er im Verlauf des Krieges bei Kehl und Biebrich beim Brückensicherungskommando, späterhin beim Festungsstab Namur / Belgien und bis zum Kriegsende als Pionierlehrer an der Feldkriegsschule Kowno eingesetzt. Im Majorsrang trat Kleedehn im Jahre 1918 aus der Wehrmacht aus und man sah ihn wieder als Kreisbaumeister bei unserer Kreisverwaltung eifrig wirken. Nach seinem Entwurf wurde das neue Altersheim 'Wichernhaus' erbaut. Auch die in den zwanziger Jahren neuerbaute Kirche in Groß Rambin, zu deren Einweihung der damalige Reichspräsident von Hindenburg eine Altarbibel gestiftet hatte, wurde von Kleedehn entworfen. Sehr verdient machte er sich um die Ausgestaltung der Anlagen im Stadtholz, u.a. durch die Aufstellung eines Bismarckdenkmals nach seinem Entwurf. Der Belgarder Kreistag verlieh ihm im Jahre 1926 den Titel eines 'Kreisbaurates'. Oktober 1933 trat Kleedehn in den Ruhestand und verzog mit Gattin nach Rostock / Mecklenburg. Dort ist er am 2. September 1946, seine Gattin am 18. Mai des folgenden Jahres verstorben. Beide liegen dort beerdigt. Der Name Kleedehn, der vornehmen Charakter und Nationalbewußtsein ausstrahlte, wird von zwei Söhnen der Nachwelt erhalten: Oberst a.D. Günther Kleedehn, jetzt Hannover und Hans-Georg Kleedehn, jetzt in Ergoldsbach wohnhaft." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 3, Dezember 1969, Seite 1 und 2]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Maria-Martha-Haus an der General-von-Massow-Straße in der Nähe des Wichernhauses
Das Maria-Martha-Haus (evangelische karitative Einrichtung für trinkende Frauen)
Belgard an der Persante
Die von-Scholtz-Kaserne am Schleeberg in der Kösliner Straße
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Der Eingang zur von-Scholtz-Kaserne in der Kösliner Straße, wo die jungen Soldaten aus unserem Freundeskreis für die Zeit ihrer Ausbildung zum ROB stationiert waren (hier lag auch die Beobachtungsabteilung 362). Die Mitte der dreißiger Jahre gebaute von-Scholtz-Kaserne. Hier fanden während des Krieges öfter Konzerte statt, zu denen auch die Bevölkerung Zutritt hatte; so hörte ich dort u.a. den bekannten Cellisten Ludwig Hoelscher.
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
NS-Gem. "Kraft durch Freude" Belgard
Montag, den 29. November 1943, 19.30 Uhr,
in der Exerzierhalle der v. Scholtz-Kaserne, Köslinerstraße
Kammerorchester Fritz Stein
Leitung: Prof. Dr. Fritz Stein
Dir. der staatl. Hochschule für Musik-Berlin
Die Deutsche Arbeitsfront
NSG. "Kraft durch Freude"
Gau Pommern
Preis RM. 3.00

[Programm und Eintrittskarte von Herrn Helmut Schumann
aus Naunhof freundlicherweise zur Verfügung gestellt]
Belgard an der Persante
Reservelazarett Belgard - Ansicht der Liegeterassen
(1943 als Feldpost gelaufen)
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Vor dem Standortlazarett in der
General-von-Massow-Straße in Belgard
Das Lazarett in der General-von-Massow-
Straße, wo ich während des Krieges mit dem
Schulchor unter Leitung unseres Musiklehrers
Hans Rogausch nach der Schule für die
Verwundeten gesungen habe.
"Wie Wilhelm Frankenfeld Pastor in Siedkow Kreis Belgard wurde. Patron von Kleist bestimmte es - Frankenfeld amtierte 49 Jahre. In früheren Zeiten mußte jede Kirchengemeinde ihren Pastor selbst besolden. Dies führte natürlich zu großen Unterschieden; denn bei größerem Grundbesitz der Pfarrgemeinde und vielen wohlhabenden Gemeindegliedern konnte die Besoldung ganz erfreulich sein, im umgekehrten Fall aber auch recht dürftig. Da konnte es den Pastoren nicht verübelt werden, wenn sie nach Pfarrstellen mit annehmbarer Besoldung trachteten. Eine solche Pfarrstelle schien damals Siedkow im Kreise Belgard gewesen zu sein, denn als dort im Jahre 1768 der Pastor verstorben war, gingen bei dem Kirchenpatron Jürgen-Ernst von Kleist auf Klein Dubberow mehr als vierzig Bewerbungen ein. Nun war da ein junger Pastor namens Wilhelm-Gottfried Frankenfeld, geboren als Sohn eines Organisten im Jahre 1742 in Kolberg. Der hatte das Gymnasium seiner Vaterstadt besucht, von 1760 bis 1765 in Halle Theologie studiert und danach noch ein Jahr Mathematik in Wittenberg. Nach dem Abschluß hatte er eine Stelle als Hauslehrer in Dorpat im Baltikum angenommen. Beim Antritt der Reise erkrankte er in Schivelbein, so daß er absagen mußte. Nach seiner Genesung nahm er eine Hauslehrerstelle in Schivelbein an. Dort erfuhr er von der vakanten Pfarrstelle in Siedkow und ohne sich mit einer sonst üblichen schriftlichen Bewerbung aufzuhalten, reiste er sogleich dort hin und stellte sich dem Kirchenpatron vor. Der befand sich aber zur Zeit in übler Laune, sei es durch die Qual der vielen Bewerbungen oder aus sonstigen Gründen und fuhr den jungen Kandidaten an: 'Er will wohl auch die Pfarre haben, da liegen schon 43 Briefe auf den Tisch!' Der Bewerber ließ sich jedoch nicht einschüchtern, sondern erwiderte ruhig mit dem Bibelspruch: 'Herr Patron, wo Aas ist, da sammeln sich die Adler.' Diese kecke und schlagfertige Antwort nahm den Patron sogleich für den Bewerber ein und verscheuchte seine schlechte Laune. Er ließ sofort anspannen und fuhr mit dem Kandidaten nach Siedkow, um ihm Kirche und das Pfarrhaus zu zeigen. In Siedkow wollte an diesem Tage ein Bauer seine verstorbene Frau beerdigen lassen und zwar vom Küster, da ja kein Pastor vorhanden war. Als er aber hörte, daß soeben ein Kandidat angekommen war, ging er eiligst ins Pfarrhaus um diesen zu bitten, eine Leichenpredigt für seine Frau zu halten. 'Na Herr Kandidat, will hei sik dat versöken?', meinte der Patron von Kleist auf plattdeutsch dazu. Der Kandidat Frankenfeld war sofort bereit, versah sein Amt, wie es sich in üblicher Weise im Trauerhause und auf dem Friedhof gehört. Dann hielt er noch in der Kirche eine zu Herzen gehende Predigt über einen ausgewählten Bibelspruch. Der Kirchenpatron, Jürgen von Kleist, hatte ihn bei allem genau beobachtet. Nach der Feier fiel er Frankenfeld um den Hals, küßte ihn und rief: 'Hei is us Paster!' Die offizielle Berufung erhielt W. Frankenfeld dann am 22. März 1769. Am 29. Mai wurde er in der Provinzialhauptstadt Stettin ordiniert und am 5. Sonntag nach Trinitatis in Siedkow in sein Amt eingeführt. Er amtierte dort 49 Jahre und trat 1818 in den Ruhestand. Im gesegneten Alter von 84 Jahren ist er dann 1826 verstorben. Anmerkung: Wie mir Besucher der alten Heimat vom Jahre 1979 mitteilten, hat diese Kirche bisher alle Stürme der Zeit überstanden." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 132, September 1980, Seite 10]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Blick vom Turm der Belgarder
Marienkirche in Richtung
Polziner Straße, im
Hintergrund der Wasserturm
Der Belgarder Wasserturm
hinter dem Schlachthof an
der Polziner Straße (in den
zwanziger Jahren erbaut)
"Der in Heidelberg, Alte Eppelheimer Straße 84 wohnhafte 82jährige Carl Fuhrmann war letzter Besitzer der über die Grenzen Belgards hinaus bekannten Brauerei Fuhrmann in Bad Polzin. Sein Urgroßvater hatte das Unternehmen 1825 gegründet und genau hundert Jahre später übernahm Carl Fuhrmann diesen Familienbesitz. Durch jährliche Neu- und Umbauten und ständig vermehrten Bierausstoß entfaltete sich der Betrieb zur größten Privatbrauerei in ganz Pommern. Viel ließ sich der Besitzer die Betreuung der Belegschaft kosten, so u.a. eine siebenprozentige Gewinnbeteiligung. In Zusammenarbeit mit der Pommerschen Lebens- und Feuersozietät Stettin wurden für die Stammarbeiter Eigenheime sowie eine zusätzliche Altersversorgung geschaffen. Der Stadt Polzin überwies Carl Fuhrmann laufend Geldmittel für heimatlose Kinder und für das Georg-Hospital. Mit dem Zeitpunkt der Besetzung 1945 endete auch das unermüdliche Schaffen Fuhrmanns um sein Werk. Sein Wohnhaus wurde sofort in Brand gesteckt und Fuhrmann mußte in seinem eigenen Betrieb arbeiten und ab September 1945 in der von Russen enteigneten Stadtbrauerei Liegnitz über 8 Jahre weitere Zwangsarbeit leisten. Erst im Oktober 1953 wurde das Ehepaar Fuhrmann zum Aufbau in die Sowjetzone entlassen, doch setzten sich Fuhrmanns kurzentschlossen nach Westdeutschland ab. Im März 1957 übernahm Carl Fuhrmann eine Stelle in einer Heidelberger Brauerei, die er bis November 1960 innehatte. Im Oktober 1965 erlitt seine Gattin Erna geb. Danzinger einen Schlaganfall, der sie linksseitig lähmte und auf ein über sechsjähriges Krankenlager zwang, von dem sie am 29. Januar 1972 durch einen sanften Tod erlöst wurde. Wie so viele im 'einstigen Lande Belgard' begütert gewesene lebt auch Carl Fuhrmann jetzt als LAG-Rentner. Viele werden sich des vom Schicksal hart betroffenen Ehepaares Fuhrmann, Bad Polzin, in Achtung und Liebe erinnern." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 36, September 1972, Seite 2]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Blick aus Richtung Süden vom Wasserturm über die
Gärten der Bebauung an der Polziner Straße in
Richtung Marienkirche, im Vordergrund links
eine Bautischlerei / Möbelfabrik
(Aufnahme aus den dreißiger Jahren)
Der gleiche Blick aus Richtung Süden einige
Gebäude weiter in Richtung Innenstadt, in der
Bildmitte an der Ecke Polziner Straße / An
der Binning der Belgarder Rummelplatz
(Aufnahme Ende der dreißiger Jahren)
Belgard an der Persante Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Die vom Architekten und späteren Stadtplaner Prof. Dr. Ing. Hans Bernhard Reichow aus Roggow im
Kreis Belgard entworfene und in den Jahren 1928/29 errichtete Reihenhaussiedlung an der Polziner Straße.
Mein Zeichen- und Kunstunterricht an der Oberschule war geprägt von der Person unseres damaligen Lehrers, des von uns allen verehrten Belgarder Bildhauers und Studienrates Joachim Utech. Seine nach eigenen Entwürfen in den zwanziger Jahren gebaute Villa am Mükepark oder die Flora, eine Skulptur in der Steingartenanlage hinter dem Schwimmbad, fanden ebenso wie die Reihenhaussiedlung von Hans Reichow wenig Gnade vor den meisten Belgardern. Herr Utech aber zeigte uns bei einem Lehrgang zu diesen Siedlungshäusern, daß hier etwas Modernes, der Zeit Angemessenes entstanden war, das man erheblich positiver betrachten konnte als es unsere Eltern taten.
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Blick aus Südwesten von der Persante über die Felder und Wiesen auf die Stadt Belgard, links hinter den Bäumen das Alten Amt (vor 1914) Die alte Windmühle an der
Polziner Chaussee (bis in die
zwanziger Jahre in Betrieb,
letzter Besitzer Max Ewert)
"Vom Club 1893 der Belgarder Stahlroßreiter. 'Endsieger' war immer Heinrich Zemke. lm Vergleich zur Technik von heute dürfte es von Interesse sein, einiges aus der 'Blütezeit der Stahlrosse' in Erinnerung zu bringen. In Belgard zählte der seit 1893 bestehende Radfahrer-Club zu den angesehensten Vereinen unserer Stadt. Es war eine Pracht, den Club bei seinen Veranstaltungen im weißen Dress durch die Stadt fahren zu sehen. Voran eine Musikkapelle, meist war es die Jungsturmkapelle der Abteilung 38 'Freiherr von Lützow', die sich uneigennützig zur Verfügung stellte. Fahrwart Paul Schönwaldt, ihm zur Seite der langjährige 1. Vorsitzende Max Klotz, führten den Zug an. Es folgte die Bannergruppe mit dem gestickten wertvollen Samtbanner auf schwarz-weiß-rotem Grund und seinen vielen Fahnenbändern. Hinter der Bannergruppe fuhren die ewig jung gebliebenen Damen des Vereins, so unter anderen Fräulein Ilse Klotz, die Geschwister Klippstein und Fräulein Kücken. Dann kam der Troß, angeführt von den Senioren Johannes Bastian und Hermann Klippstein, die Rennfahrer mit ihren Favoriten Ewald Kriefall und Kurt Kupke, die Saalmannschaft und übrigen 'Pedäler'. Rückstrahler Heinrich Zemke, ein biederer, von stetem Humor beseelter Schuhmacher, klein und flink wie ein Wiesel, dem man seine 60 Lenze nicht ansah. Ab 10.00 Uhr abends traf man Zemke häufig im Ratskeller beim Einnehmen seines Schlaftrunkes: ein Weißbierglas mit verschiedenen edlen Tropfen, dazu Lager-Bier, was ihm der Wirt, Clubkamerad Klippstein, wunschgemäß reserviert hielt. Alljährlich am Himmelfahrtstag nachmittags startete der Club zu einem 30-Kilometer-Rennen auf der Strecke Polziner Chaussee - Boissin - Ristow - Wutzow und zurück. Am Ziel hatte sich die erwähnte Jungsturmkapelle eingefunden und geleitete den Verein, voran die mit Ehrenkränzen geschmückten Sieger, zum Clubsaal Ernst Wolter in der Blumenstraße. Dem letzten Ankömmling des Rennens winkte als Trostpreis eine Flasche Klarer. Als 'Endsieger' kam immer nur Heinrich Zemke in Frage. Anfangs beim Start raste er mit Volldampf mit, legte dann bei der ersten Station, Gasthof Beyrow in Boissin, eine 'Zwangspause' ein, bis die Rennfahrer auf ihrer Rückfahrt wieder vorbeigefahren waren. Dann dampfte Heinrich wieder los, und sichtlich ermattet landete er am gleichen Ziel. Zur Auffrischung seiner Kräfte nahm er sodann würdevoll den Trostpreis entgegen. Abends war Festball, natürlich nur gegen Vorzeigung der Einladung. Das Programm sah zunächst Reigenaufführungen auf den kleinen, vernickelten Saalrädern, das Dreiergespann, genannt Chikopost, sowie Radballspiele unter musikalischer Begleitung vor. Erwähnt sei noch, daß die 'rauschende Ballmusik' von der verstärkten Kapelle Schäbitz ausgeführt wurde. Sie war eigentlich die Hauskapelle von Café Arthur Klindt, doch für diesen Abend stand sie dem Radfahrer-Club immer zur Verfügung. Bis zu Beginn des 'Tausendjährigen Reiches' hielt der Radfahrer-Club seine Tradition aufrecht und wie so manche anderen Vereine wurde auch sein Schicksal mit der Wende der deutschen Geschichte besiegelt." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 33, Juni 1972, Seite 6]
Belgard an der Persante
Belgard von Westen, in der Bildmitte der Schornstein der Parkettfabrik "Germania",
ganz links (halb abgeschnitten) der Schornstein der Belgarder Molkerei
"Belgarder Molkerei. Cuno Burmeister, Gründer des Unternehmens und [....] sein Sohn Franz, der den Betrieb im Jahre 1919 übernahm und bis 1945 leitete. Franz Burmeister ist am 18. Januar 1978 in Bad Schwartau im Alter von 89 Jahren verstorben. Camembert: 'Belgarder Stern' in bekannt guter Qualität. Frühstückskäse: 'Belgarder Torröllchen' sehr bekömmlich. Brie: 'Pommernmeister'." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 140, Mai 1981, Seite 5]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Ansicht von Westen (Aufnahme vor 1900) Ansicht von Westen, in der Bildmitte die
Belgarder Parkettfabrik (mit Schornstein)
Belgard an der Persante
Belgard von Westen, am linken Bildrand der Rundholzplatz der Parkettfabrik "Germania"
(Aufnahme vor 1900, Ansichtskarte von Berliner Waarenhaus Carl Hamburger)
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Parkettfabrik "Germania"
Paul Trzebiatowsky & Sohn
Der Rundholzplatz mit Kontor und Lagerschuppen
Belgard an der Persante
"Belgarder Prominenz als Gast bei der vom 25. Mai bis 12. August 1912 in Köslin, Danzigerstraße, unweit des Gollen stattgefundenen Industrie- und Gewerbeausstellung. [Man erkennt auf dem Foto den] Kaufmann Fritz Schmieder, Bäckermeister Collatz, Zimmermeister Richard Schulz, Schlossermeister Julius Fritzke, Apothekenbesitzer Gustav Maaß, Bürgermeister Dr. Paul Trieschmann, Baumeister Wilhelm Utech, Sattlerobermeister und Beigeordneter Robert Neitzel, im Volksmund "Robert der Kühne" genannt. Auch Wilhelm Schneemann war dabei." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 2, November 1969, Seite 6]
Belgard an der Persante Belgard an der Persante
Erntedankfest - das schönste Fest im Lande Belgard. Erinnerungen an ein solches auf Rittergut Kieckow. Erntekranzgedicht aus dem 18. Jahrhundert von Hans-Hugo von Kleist-Retzow (aus dem Gedächtnis erzählt von Maria von Bismarck geb. von Kleist-Retzow):
Wir bitten uns die Freiheit aus,
Zum Erntekranz, den wir hier tragen,
Ein gutes Sprüchlein herzusagen,
Und einen Segen für dies Haus.
Doch steht es nur in Gottes Willen,
Den Wunsch durch Segen zu erfüllen,
Wie dieser Kranz, den unsere Hände,
Mit Freuden winden jedes Jahr,
Ohn' Anfang ist und ohne Ende.
So segne Gott Euch immerdar,
Und wie der bunten Bänder Menge
Flatternd diesen Kranz umwehn,
So mög' in fröhlichem Gedränge
Ein frohes Volk stets um ihn stehn.
Und wie ihn viele Blumen schmücken,
Die in so später Zeit noch blühn,
So möge Gott dies Haus beglücken,
Mit seinem Segen überziehn,
Dies ist des Erntekranzes Sinn.
Drum hängen wir zum Angedenken
An Gottes Gnade, Lieb' und Treu',
Die Blicke darauf hin zu lenken,
Daß täglich sich der Dank erneu',
Ihn in des Hauses Mitte hin.
[Aus dem Lande Belgard, Nr. 26, November 1971, Seite 2]
Belgard an der Persante Gedenkstein Kreis Belgard-Schivelbein
Erste Seite eines Briefes vom
26.1.1947 von Magdalena Zitzke,
Gattin des letzten Superintendenten
der Kreissynode Belgard, Johannes
Zitzke, zur Vertreibung aus Belgard
Gedenkstein für die Gefallenen und
Opfer des Krieges aus dem Landkreis
Belgard-Schivelbein, vom Landkreis
Celle als Patenkreis am 19.9.1954
in den Triftanlagen in Celle errichtet
Zur Abbildung rechts: "Dr. Bruns-Lutzig beging Silbernes Dienstjubiläum. Am 3. Dezember 1972 konnte Dr. Axel Bruns auf ein 25jähriges Wirken als Oberkreisdirektor des Landkreises Celle zurückblicken. Er wurde am 7. Juni 1915 auf Rittergut Lutzig / Krs. Belgard geboren, besuchte von 1926 bis 1931 das Staatliche Pädagogium in Putbus / Rügen und anschließend bis 1934 das Gymnasium in Greifenberg / Pommern. Nach dem Abitur der Landwirtschaftslehre folgte bis 1939 ein Studium der Rechts-und Staatswissenschaft mit Referendarexamen am Kammergericht zu Berlin. Im letzten Kriege bewährte sich Dr. Bruns 1939 in Polen, von 1941 bis 1944 in Rußland und 1945 in den Kämpfen um Pommern. Als Hauptmann und Kommandeur einer Artillerie-Abteilung kehrte er mit dem Ritterkreuz zum EK aus dem Kriege heim. Bis 1947 war er dann Oberkreisdirektor in Rinteln / Weser und übernahm am 3.12.1947 die Verwaltung des Landkreises Celle. Die Promotion Dr. jur. erfolgte 1953. Seine Gattin Jutta geborene Hoene (19.10.1928) stammt aus Commutin Kreis Neidenburg. Es ist ein Verdienst Dr. Bruns', daß der Landkreis Celle die Patenschaft unseres Heimatkreises Belgard / Schivelbein übernahm und für deren Kriegs- und Vertreibungsopfer am 19. September 1954 ein Gedenkstein in den Celler Triftanlagen gesetzt wurde." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 39, Dezember 1972, Seite 2]

Zum Brief links: "Bialogard, 26.1.1947. Liebe Frau Pagel! Haben Sie sehr herzlichen Dank für Ihre lieben Grüße zum Weihnachtsfest. Wir erwidern dieselben von Herzen für Sie und all die Ihrigen für das neue Jahr, in dem wir nun schon einen Monat [ein Wort nicht lesbar] hinter uns haben. Gott der Herr lasse dies Jahr ein Gnadenjahr für unsere arme Welt werden. Dies Jahr haben wir uns gefreut, daß Sie nun endlich mit Ihrem lieben Mann vereinigt sind! Hoffentlich gelingt es Ihrer Klugheit und Gewandtheit bald wieder vorwärts zu kommen und ein neues Heim und Leben aufzubauen. Vereint wird es sicher besser gehen als wie bisher für Sie beide. Wie glücklich wird Brigittchen sein, beide liebe Eltern um sich zu haben. Hoffentlich geht es Ihren Geschwistern und Ihrer lieben Mutter auch gut und haben Sie alle den Abschied aus der Heimat überwunden und sich an das neue aber [ein Wort nicht lesbar] ruhige Leben gewöhnt. Leider sehen wir noch immer in das Dunkel wie bisher in bezug auf die Krankentransporte. Der letzte ging am 29. Dezember [1946]. Wie vorher Elly Neitzkes Transport ging dieser in die russisch besetzte Zone. In Schivelbein warten schon wieder 1300 Menschen auf Abfahrt. Dieser Transport war für den 9. Januar [1947] angesagt, wurde aber Tage zuvor abgeblasen. Auch hier im Lager ist alles übervoll. Ein Teil der Ausgewiesenen ist schon in Baracken am Lazarett gegangen. Wenn nur die Kälte nicht wäre. Wir hatten Anfang des Monats bis 24 Grad minus, heute sind es wieder um 10 Grad minus. In dem Heim wohnen jetzt Fräulein Rehbein, Geschwister Drews und Frau Sommer, seit Dezember Frau Petzke und Tochter, Frau Behling und Fräulein Denzin. Das Weihnachtsfest haben wir mit innigen Feierstunden erlebt. Der Chor hatte acht Lieder eingeübt. Sie, liebe Frau Pagel, haben uns dabei sehr gefehlt. Am ersten Festtag war der Gottesdienst schon um acht Uhr, da mein Mann leider weiter mußte. Es wurden dabei neun Kinder konfirmiert, die mit dem Transport am nächsten Tage mitfahren wollten. Ergreifend war die Feierstunde in der Flüchtlings-Stelle. Unten im Flur war in einer Ecke ein großer Tannenbaum mit reichlich brennenden Kerzen, in der Mitte ein Altar aufgebaut. Mütter mit Kleinkindern auf dem Arm standen dichtgedrängt um den Baum und Altar, 72 andere Kinder um sie herum. Alle anderen Insassen standen in der Halle, auf den Gängen und Treppen ihr Gesicht zum strahlenden Christbaum gewandt. Wie erinnerte dieses Bild an die Heilige Nacht im Stall von Bethlehem, dem Raum in primitiver Umgebung, dessen Decke von rohen Balken gestützt war. Hier drängten sich auch damals Menschen um das Licht, das von der Krippe ausging. Man merkte die Bedeutung der Weihnachtsbotschaft vom Kommen des Herrn Jesu in Armut zu der gequälten Menschheit. Frau Holz und ich hatten für die Kinder Gebäck hergerichtet, welches der Weihnachtsmann dann verteilte. Silvester und Neujahr wurde in ernsten Gedanken erlebt. Zu Besuch hatten wir Schwester Emma, die zu Fräulein Sprengers Beerdigung am 30. Dezember gekommen war. Fräulein Sprenger hatte drei Wochen an Halsdrüsengeschwulst krank gelegen und ist am 27. Dezember verstorben. Durch diesen Tod vermißt Schwester Minna ihre mütterliche Freundin sehr. Von Elly Neitzke haben wir Nachricht, daß sie am 10. Dezember bei ihrem Bruder Hans und ihrer Mutter gelandet ist und sie es bei ihren Mietsleuten gut hat. Wir sind sehr froh darüber. Nun leben Sie wohl, liebe Frau Pagel und grüßen Sie Ihren Mann, Briglttchen und Ihre liebe Mutter herzlich von uns allen. Gott behüte Sie und gebe Ihnen die Kraft, diese unsere schwere Zeit zu bestehen. Ihre Frau Magdalene Zitzke. Beigefügt waren Grüße von Maria Münchow geb. Zitzke, Elisabeth Brätsch und Elisabeth Rehbein." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 88, Januar 1977, Seite 3]
Belgard an der Persante
Neben der Stadtsparkasse im Erdgeschoß des Neuen Rathauses, wo auch meine Eltern Kunde waren, sowie der Deutschen Bank und der Post in der Friedrichstraße, wo wir ein Konto bzw. Postscheckkonto für unser Geschäft unterhielten, war die Kreissparkasse das zweite öffentlich-rechtliche Geldinstitut in Belgard, das seine Geschäftsräume zuletzt in einem in den dreißiger Jahren errichteten großzügigen Neubau in der Heerstraße 33 hatte. Das untenstehende Sparbuch wurde von der Druckerei Gustav Schwenke in der Friedrichstraße 1 in Belgard gedruckt. Herr Schwenke hatte im gleichen Gebäude wie die Färberei Maronde eine Buchdruckerei und ein Papierwarengeschäft. Seine Tochter Irmgard war auf der Oberschule einige Jahre mit mir in einer Klasse, ihre etwas ältere, sehr attraktive Schwester Ursula war Ende der dreißiger Jahre Belgarder Maikönigin.
Belgard an der Persante
Vorder- und Rückseite eines Sparbuches der Kreissparkasse Belgard, ausgestellt am 18. Februar 1935, bis 1945 geführt, Zinssatz 2,5 Prozent, Ausgleichsgutschrift 1956. "Kreissparkasse zu Belgard; Fernruf Nr. 603 u. 604 in Belgard; Postscheckkonto: Stettin Nr. 218; Sparbuch Nr. 13324; Hauptstelle: Belgard (Persante), Heerstr. 33; Zweigstellen: Schivelbein, Bad Polzin und Groß-Tychow; Nebenstelle: Groß-Rambin. Bringt das Geld zur Sparkasse! Laßt euer Geld nicht unnütz zu Hause liegen. Wer sein Geld zur Sparkasse bringt, schützt sich vor Verlusten durch Diebstahl, Brand usw. und nützt nicht nur sich selbst, sondern auch seinen Mitmenschen und dem Vaterlande. Buchdruckerei Gustav Schwenke Belgard (Persante)."
Belgard an der Persante
"Sparbuch Nr. 13324 der Kreissparkasse zu Belgard; Ausgefertigt unter Bezugnahme auf die Satzung am 18. Februar 1935; Der Vorstand der Kreissparkasse zu Belgard; Der Vorsitzende Landrat; Direktor. Zur Beachtung! Das Sparbuch ist gut aufzubewahren. Der Verlust ist der Kreissparkasse unverzüglich anzuzeigen. Für etwaigen Verlust des Sparbuches ist die Nummer desselben besonders zu vermerken. Einlagen werden von 1.- RM an bei täglicher Verzinsung angenommen. Einzahlungen können auch durch Postscheck erfolgen auf das Konto Stettin Nr. 218. Zahlkarten werden von der Sparkasse unentgeltlich abgegeben. Schrankfächer stehen dem Publikum zur Aufbewahrung von Wertsachen und Sparbüchern pp. in der feuer- und diebessicheren Stahlkammer zu geringen Mietpreisen zur Verfügung. Das Sparbuch ist mindestens bei jeder Rückzahlung vorzulegen."
Belgard an der Persante
Belgard a.P. - Fliegeraufnahme (Luftbild aus den dreißiger Jahren
Belgard an der Persante
"Das erste Unterwasserkraftwerk der Welt wurde am Sonntag bei Belgard in Pommern eingeweiht. Das neue Werk, daß richtunggebend für die gesamte Energiewirtschaft sein wird, befindet sich an der Persante bei Rostin. Das Werk wurde auf Anregung des Gauleiters und Oberpräsidenten Schwede-Coburg durch den Gauamtsleiter Fischer und dessen Mitarbeiter ausgearbeitet. Besonders wichtig ist es, daß die Kosten für dieses Wasserkraftwerk um eine Millionen Mark niedriger sind als bei den Werken der bisher bekannten Bauart, dabei ist die erzeugte Stromenergie höher als bei diesen." [25.8.1936, Scherl Bilderdienst Berlin]

"Fünf Kilometer von Belgard entfernt, an der Straße vom Stadtholz nach Buchhorst, da liegt das alte Wenden-Runddorf Altlülfitz. In der Mitte des Dorfes stand die einklassige Schule. Die Straßenseite war mit einer Dornenhecke und kleinen Bäumen bepflanzt; rund um die Gehöfte breitete sich ein Wiesenteppich aus. Zum Ort gehörten 30 landwirtschaftliche Betriebe, vier Abbauten, zwei Gasthöfe und eine Schmiede. Da Altlülfitz viele ertragsfähige Wiesen hatte, lieferten die Bauern seit dem Jahre 1898 die Milch an die Molkereigenossenschaft nach Belgard. Im Jahre 1912 wurde der Ort an das Stromnetz der Überlandzentrale Belgard angeschlossen. Am 12. Januar 1920 wurde die gesamte Hoflage des Amtsvorstehers Ewald Maaß durch Kurzschluß eingeäschert. Noch im gleichen Jahre entstand der Bauernhof neu. Durch die Nähe an Belgard wurde Altlülfitz häufig von Spaziergängern (auch Hamstern) aufgesucht und wie gut schmeckte dann bei Rast in ländlicher Luft eine belegte Landbrotstulle mit einem Glas Milch oder auch ein aus drei Eiern mit Schinkenspeck bereitetes Gabelfrühstück zu solidem Preis, der heute garnicht denkbar ist. In kirchlicher Betreuung gehörte Altlülfitz zur St. Mariengemeinde in Belgard. Am 7.3.1945 besetzten die Russen das bis dahin wohlhabende Bauerndorf Altlülfitz und das große Leid begann." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 84, September 1976, Seite 8]

"Unserm Rundbrief-Leser, Oberstudiendirektor a.D. und Abgeordneten des Bayerischen Landtages, Dr. Sieghard Rost in 8500 Nürnberg, Hersbruckerstraße 94, wurde im Juli 1980 vom Ministerpräsidenten Dr. F.J. Strauß der Bayerische Verdienstorden persönlich überreicht. Dr. Rost ist ein Sohn des von 1920 bis 1930 in Woldisch-Tychow, Kreis Belgard, tätig gewesenen Lehrers Rost. Dr. Rost wurde am 7. November 1921 in Woldisch-Tychow geboren und ist mit Hilde geb. Schneeberger aus der Oberpfalz verheiratet. Nach der Vertreibung aus Köslin, wo er sein Abitur bestand und in der Buchwaldstraße 7a wohnte, landete er 1945 in Nürnberg. Hier wirkte Rost seit Jahren als Landtagsabgeordneter in der Vertriebenenpolitik, ist Landesvorsitzender der Union der Vertriebenen, stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums 'Haus des Deutschen Ostens' in München und Initiator des Schülerwettbewerbs 'Die Deutschen und ihre östlichen Nachbarn'". [Aus dem Lande Belgard, Nr. 132, September 1980, Seite 3]

"Nachklänge zum Tode von Ilse v. Schaumann-Grüssow. Schloß in Grüssow gehörte einst zu den schönsten im Landkreis Belgard. Hier waltete Willy Bobolz als letzter Inspektor bis 1946. Im Nachtrag zu der betrübenden Nachricht im Rundbrief Nr. 135 auf Seite 7 schreibt Leser Willy Bobolz aus 2210 Itzehoe, Fischdieck 19: 'Grüssow war 900 ha groß. Dem Vater der Verstorbenen, General v. Werder, wurde in Aner-kennung seiner Verdienste als Heerführer im Kriege 1870/71 das Gut Grüssow als Domäne geschenkt. Der General liegt in der Familiengruft in Grüssow beerdigt. Frau von Schaumann war als Gutsherrin bei ihren Leuten beliebt. So oft auch die Russen nach ihrem Einmarsch 1945 nachforschten, ob die Besitzern noch anwesend sei, wurde diese von keinen ihrer Leute verraten, bis sie schließlich 1946 Grüssow ver-lassen mußte.' Aus meinem mit Frau v. Schaumann geführten Schriftwechsel geht hervor, daß sie oft an Grüssow gedacht hat so u.a. wenn dort immer die Hubertus-jagd anging, an der auch das 5. Reiter-Regt. aus Belgard teilnahm, oder Landrat Dr. Janzen weilte am Erntedanktag auf Gut Grüssow und überreichte an Gutsarbeiter Ehrenzeichen für treugeleistete Dienste." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 136, Januar 1981, Seite 7]

"Letzter Adjutant der 32. ID tot. Erneute Trauer im Hause v. Schaumann. Nachdem erst am 11. November 1980 die Seniorin der Familie Schaumann-Werder, früher Grüssow im Kreis Belgard, im Alter von 92 Jahren in München verstarb, war nun der Tod erneut zur Stelle. Unser Rundbrief-Leser Hans-Heinrich Voigt teilt mit, daß der letzte Adjutant der 32. Infanterie-Division (Löwen-Division) Hans von Schaumann-Werder im 72. Lebensjahre am 27.2.1981 verstorben ist. Er war Oberstleutnant a.D. und Erbe des zu Grüssow gehörenden Nachbargutes Ganzkow. Erst nach 11jähriger Gefangenschaft kehrte er aus Rußland zurück, während sein Kommandeur, Generalleutnant Boeck-Behrens noch im Jahre 1955 in russischer Gefangenschaft verstarb. Vermutlich hat diese Zeitspanne sowohl auch haben die Nachwehen des Krieges mit der Vertreibung beigetragen, daß seine, aus einer industriellen Stettiner Familie stammende Frau von Alsdorf, nicht mehr auf die Rückkehr ihres Ehemannes hoffte. So wurde dann der Verstorbene nach seiner Rückkehr, wie aus einer Todesanzeige ersichtlich, Weggefährte der Irmela von Bebra geborene Langenn-Steinkeller. Der frühere Heimatkreis-Bearbeiter Siegfried Gehrmann sowie der Rundbrief-Leser Kurt Hoffmann teilten dem Rundbrief den Tod ihres früheren Gutsnachbarn v. Schaumann mit; doch eine Todesanzeige seitens derer von Schaumann für das über ein Jahrzehnt bestehende Heimatblatt 'Aus dem Lande Belgard' wurde leider vermißt" [Aus dem Lande Belgard, Nr. 139, April 1981, Seite 3]

Deutsche Siedlung GmbH - Belgard a. d. Persante
Aufteilung von Gütern zum Zwecke der Ansiedlung und Seßhaftmachung
von Landarbeitern, Handwerkern und Bauern - Anlieger-Siedlung
Büro: Böhmerstraße 1, Fernsprecher: Belgard a. d. Pers. 404, nach Büroschluß: 405 und 406

"Die 'Deutsche Siedlung GmbH Belgard' war ein wichtiger Faktor für die heimische Bauwirtschaft. Eine Anzahl von Gütern im Kreise Belgard wurde anfangs der dreißiger Jahre besiedelt. Im Jahre 1932 wurde das 675 ha große Rittergut Battin in 55 neue Siedlerstellen aufgeteilt und zwar in 2 Vollbauernstellen von 60 bis 80 Morgen, 35 Bauernstellen von 40 Morgen und darüber, 16 Stellen zu 30 Morgen und 2 Handwerkerstellen von je 8 Morgen. Durch den Gedanken, die vorhandenen Wirtschaftsgebäude durch Um- und Erweiterungsbauten auszunutzen, die Wasserversorgung - der jetzt zur Versorgung sämtlicher Stellen benutzte Brunnen war 85 m tief! - die Lichtversorgung und die genossenschaflche Verwendung großer, für den einzelnen Siedler zu teuerer landwirtschaftlicher Maschinen, zwangen zu einer Dorfsiedlung, die architektonisch mit dem wundervollen Baumbestand des alten Gutes mustergültig wirkt. Es kamen besonders zwei Typen zur Verwendung. Der größere Typ bestand aus einem massiven Wohnhaus mit getrennter Stallscheune unter Pappdach und der zweite Typ aus Wohnung, Stall und Scheune unter einem Dach, wobei die Möglichkeit einer späteren Erweiterung berücksichtigt worden ist." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 138, März 1981, Seite 4]

"Beitrag zur Pflege heimatlichen Gedankengutes - Denziner Fuchskaten leben im Gedächtnis weiter. Günther Behling aus 2082 Tornesch, Uetersenerstraße Nr. 85, früher in Denzin, Kreis Belgard, schreibt: Mit großem Interesse lese ich die Heimatblätter 'Aus dem Lande Belgard'. Dann dämmert es immer in der Erinnerung, ich denke an mein Elternhaus in Denzin-Abbau, genannt Fuchskaten, an der Landstraße nach Naffin gelegen. Dort wurde mein Vater, Bauer Emil Behling am 26. März 1900 geboren und fast genau 45 Jahre später am 7. März 1945 von russischem Militär über Schneidemühl, Posen nach Budi, hinter Charkow, verschleppt, wo er im August 1945 an Unterernährung verstorben ist. Meine Mutter, Frieda Behling geborene Henning, ist am 17. Mai 1899 in Pumlow, Kreis Belgard geboren und verstarb am 5.6.1944. Die sechs Fuchskatengehöfte wurden 1945 von den Polen übernommen, sind dann aber später bis auf die Reste der Grundmauern verschwunden und von Unkraut und Gestrüpp überwuchert. Die Ländereien der ehemaligen Dorfbewohner wurden vom benachbarten Gut Grüssow mitbewirtschaftet. In besonderem Maße hat man hier eine neue Frucht, den Raps, angebaut, der nun gelbleuchtend die Gegend verschönert. Von 1940 bis 1945 besuchte ich das Belgarder Gymnasium und im Anschluß eine Fachschule für Landwirtschaft in Husum / Holstein. Ab Mai 1946 mußte ich fünf Wochen im Lager in Schivelbein verbringen. Seit 1955 war ich in Hamburg als Monteur und Kraftfahrer tätig. Zwei Jahre später eroberte ich das Herz der schönen Emilie Sievers aus Schleswig und werde mit ihr so Gott will, am 20. Dezember 1982 das Fest der Silbernen Hochzeit feiern." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 140, Mai 1981, Seite 4]

"Beitrag zur Pflege heimatlichen Gedankengutes - Postalisches aus Belgard vor 60 Jahren. Frau Gertrud Rathsack aus 2822 Schwanewede, Osterholzerstraße Nr. 4, schreibt: Die Belgarder Rundbriefe sind mit viel Wissen und Liebe über unsere Heimatstadt geschrieben. Mein Vater, der in Belgard, Gartenstraße Nr. 29, ein Anwesen hatte, war Landwirt und Posthalter. Er hatte als Kriegsteilnehmer am 2. September 1918 den rechten Arm verloren und ist am 11. November 1934 in Belgard verstorben. Wir haben in Belgard über 40 Jahre den Postpaketwagen und die Postkutsche nach Podewils gefahren. Zuerst wurde Gutsbesitzer Kurt von Kleist in Kamissow bedient, dann der Nachbar, Gutsbesitzer von Braunschweig in Standemin und dann ging es zur Poststelle nach Podewils. Dort bei Frau von Holtzendorf bekam der Postkutscher von der Mamsell täglich ein Mittagessen und fuhr nach kurzer Pause dann weiter nach Rarfin, wo Gutsbesitzer Guse bedient wurde. Erich Baumann aus Belgard, Petristraße Nr. 4, hat diese Tour 15 Jahre hindurch gefahren. Die Postkutscher wurden nach 10 bis 15 Jahren von der Post als Postschaffner übernommen und waren dann im Beamtenverhältnis. In Belgard wurde der Postwagen noch bis zum Russeneinmarsch im Mai 1945 gefahren. Meine Mutter war Helene Ruske geborene Pagel. Meine Brüder: Alfred Ruske, Jahrgang 1921, wird als Unteroffizier seit 10. Januar 1945 in Rußland vermißt; Herbert Ruske, Jahrgang 1924, ist als Grenadier am 9. September 1943 in Rußland gefallen. Der ebenfalls im Kriege gebliebene, mit dem Ritterkreuz ausgezeichnete Willi Hackbarth aus dem benachbarten Lenzen-Wiesenhof, war sein Freund. Beide hatten als Postjungboten in Belgard angefangen und, bevor sie zum Wehrdienst eingezogen wurden, die Postassistentenprüfung mit Erfolg bestanden. Der Bruder meinen Vaters war Landwirt und Fuhrunternehmer Franz Ruske in Belgard, Karlstraße Nr. 7, dessen Haus meine Großmutter Mathilde Ruske geborene Grützmann aus Lenzen, Kreis Belgard, für ihn erbauen ließ." [Aus dem Lande Belgard, Nr. 140, Mai 1981, Seite 4]
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Alle Bildunterschriften von Eleonore Gürge geb. Maaß

Alle Texte von Fritz Schulze, Redakteur der ehemaligen
Belgarder Zeitung ("Presse-Schulze"), im Heimat-Rundbrief
Aus dem Lande Belgard der Jahre 1969 bis 1982

Aus dem Lande Belgard 1969 bis 1982

"Echte Kameradschaft beweist der nachstehende Pressebericht, entnommen der 'Kolberger Zeitung', Dezember-Ausgabe 1969. Zu Beginn der zwanziger Jahre war ich auch für diese Zeitung Berichterstatter für Stadt- und Landkreis Belgard / Persante. Jetzt nach fast fünfzig Jahren gedenkt der damalige Redakteur Erich Müller seines derzeitigen Mitarbeiters Fritz Schulze in so besonders schönen Weise. Dafür möchte ich Landsmann Müller, jetzt 5672 Leichlingen wohnhaft, hiermit herzlichen Dank aussprechen. '[....] Wir hatten unlängst von der Verbindungsaufnahme mit unserem alten Belgarder Berichterstatter, Schriftleiter Fritz Schulze (6202 Wiesbaden-Biebrich, Rathausstraße 37) berichtet. Als geborener Belgarder kennt Landsmann Schulze seine Heimatstadt Belgard natürlich wie seine Westentasche und er hat auch schon mancherlei Ereignisse aus der Belgarder Lokalchronik aufgezeichnet. Jetzt ist Landsmann Schulze sogar unter die Herausgeber von Heimatbriefen gegangen. 'Aus dem Lande Belgard' nennt er einen sogenannten 'Persönlichen Brief mit heimatlichen Erinnerungen'. Es gehört in der heutigen Zeit Courage dazu, als Herausgeber von Heimatbriefen auf den Plan zu treten. Freund Schulze scheint über die dazu gehörige Portion Courage zu verfügen, die beiden vorliegenden Briefe beweisen das. So möchten wir dem Belgarder Nachbarn von der Körliner Warte aus ein herzliches Glückauf zurufen. Besonders gelegen ist ihm an der Bekanntgabe von Adressen ehemaliger Belgarder Bürger. Sicherlich werden unsere Körliner Freunde ihm dabei behilflich sein können.'" [Aus dem Lande Belgard, Nr. 4, Januar 1970, Seite 2]